gms | German Medical Science

50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds)
12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie (dae)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie
Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie

12. bis 15.09.2005, Freiburg im Breisgau

Die Assoziation von Übergewicht und Risiko für das Adeno- und Plattenepithelkarzinom im oberen Verdauungstrakt

Meeting Abstract

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  • Heiner Boeing - Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke, Nuthetal
  • Matthias Schulze - Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke, Nuthetal
  • Tobias Pischon - Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke, Nuthetal

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. 50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. Freiburg im Breisgau, 12.-15.09.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05gmds546

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2005/05gmds207.shtml

Veröffentlicht: 8. September 2005

© 2005 Boeing et al.
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Gliederung

Text

Einleitung und Fragestellung

Eine der auffälligen neuen Befunde der systematischen Durchsicht und Bewertung der Zusammenhänge von Übergewicht/Adipositas und Krebsrisiko war der Anstieg des Erkrankungsrisikos für ein Adenokarzinom in der Speiseröhre sowohl mit steigendem Gewicht, Relativgewicht (Body mass index = BMI) als auch Bauchumfang [1]. Diese Risikobeziehung wird darauf zurückgeführt, dass mit steigendem Gewicht und Bauchumfang der Innendruck im Magen ansteigt, dadurch teilweise der Magenbrei in die Speiseröhre gedrückt wird (Reflux), der wiederum dort zu einer Intestinalisierung des ursprünglichen Plattenepithels führt, auf dessen Basis das Adenokarzinom entsteht. Diese mit dem BMI gleichlautende Risikobeziehung konnte für das Plattenkarzinom nicht beobachtet werden. In Gegenteil, viele Studien, darunter eine prospektive Kohortenstudie mit 1 Millionen Teilnehmern aus Norwegen, konnten für diese Art Karzinom im oberen Verdauungstrakt mit steigendem BMI eine Absenkung des Risikos beobachten.

Daher wurde in der EPIC-Studie der Frage nachgegangen, ob auch in dieser prospektiven Studie ähnliche Risikobeziehungen zu beobachten sind und diese durch weitere Befunde ergänzt werden können.

Material und Methoden

Die EPIC-Studie ist eine prospektive Studien mit 519.987 Studienteilnehmern im Alter von 35 bis 70 Jahren bei der Basisuntersuchung in den Jahren 1992 bis 1998, die in 23 Zentren in 10 europäischen Ländern durchgeführt wird. Während der Basisuntersuchung wurde eine ausführliche anthropometrische Untersuchung mittels Interviewer durchgeführt. Die Untersuchung umfasste u.a. die Messung von Körpergröße, Gewicht und Bauch- und Hüftumfang. Diese Messungen wurden mit den inzidenten Krebserkrankungen im oberen Verdauungstrakt (Mundhöhle, Pharynx, Larynx, Ösophagus) mittels der Cox-Regression assoziert, die den beiden histologischen Typen Plattenepithelkarzinom und Adenokarzinom zugeordnet werden konnten.

Ergebnisse

Es konnten 352 (255 Männer; 97 Frauen) Plattenepithelkarzinome und 68 Adenokarzinome während der ungefähr 6jährigen Beobachtungszeit identifiziert werden. Die statistische Analyse ergab keine Beziehung zwischen der Körpergröße und dem Karzinomrisiko. Bei dem Körpergewicht und dem Bauchumfang zeigte sich die schon bekannte positive Beziehung mit dem Adenokarzinom. Gleichzeitig konnte gezeigt werden, dass das relative Risiko für ein Plattenepithelkarzinom mit steigendem Gewicht signifikant abnahm. Diese Risikobeziehung wurde weiter auf Interaktionen untersucht. Es zeigte sich, dass beim Plattenepithelkarzinom eine Interaktion zwischen BMI und Rauchen besteht. Bei Rauchern sinkt das Risiko mit steigendem BMI ab, nicht jedoch bei Nichtrauchern. Das Rauchen selber erhöht das Risiko für ein Plattenepithelkarzinom erheblich.

Diskussion

Diese Studie konnte mit einem prospektiven Design zeigen, dass besonders in Verbindung mit dem Rauchen für das Übergewicht bei einer spezifischen Krebsform, dem Plattenepithelkarzinom im oberen Verdauungstrakt, eine inverse Risikobeziehung besteht. Sie ist damit weltweit die erste Untersuchung, die mit einem prospektiven Studiendesign anthrometrische Maße, Rauchverhalten und Krebserkrankungen, aufgegliedert nach histologische Subtypen, assoziiert hat. Eine gegenteilige Risikobeziehung wie beim Plattenepithelkarzinom wurde beim Adenokarzinom beobachtet. Derzeitig gibt es noch keine biologische Erklärung für den Befund beim Plattenepithelkarzinom. Möglich ist neben einer biologischen Erklärung, die mit der metabolischen Wirkung des Nikotins zusammenhängen könnte, die des Residualconfoundings durch den starken Risikofaktor Rauchen und dessen Beziehung zum Körpergewicht.

Danksagung

Wir möchten uns bei Wolfgang Bernigau für die Bereitstellung der Daten und die Vorbereitung der statistischen Programme bedanken. Diese Studie wurde nur durch das langjährige Engagement der vielen Studienteilnehmer ermöglicht.


Literatur

1.
IARC Handbooks for Cancer Prevention No 6: Weight control and Physical activity, IARC Press Lyon, 2002