gms | German Medical Science

50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds)
12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie (dae)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie
Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie

12. bis 15.09.2005, Freiburg im Breisgau

Attributiv-Risikoberechnung für Lungenkrebs durch Radon - Methodische Vergleiche am Beispiel der Schweiz

Meeting Abstract

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  • Susanne Menzler - Tierärztliche Hochschule Hannover, Hannover
  • Lothar Kreienbrock - Tierärztliche Hochschule Hannover, Hannover

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. 50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. Freiburg im Breisgau, 12.-15.09.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05gmds034

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2005/05gmds200.shtml

Veröffentlicht: 8. September 2005

© 2005 Menzler et al.
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Gliederung

Text

Einleitung und Fragestellung

Bisherige Schätzungen des Anteils der Todesfälle durch Lungenkrebs, der auf die Radon-Exposition in Wohnräumen zurückgeführt werden kann, basieren auf Risikomodellen aus Bergarbeiterstudien [1], [2]. Inzwischen existieren jedoch Schätzungen des relativen Risikos hinsichtlich der Radonbelastung der Wohnbevölkerung, zum Beispiel aus der deutschen, der europäischen oder der amerikanischen Pooling-Studie [3], [4], [5] die eine neue Abschätzung des Attributiven Risikos ermöglichen.

Material und Methoden

Wie bei der Schätzung des Attributiven Risikos für Deutschland auf der Basis von Bergarbeiter-Modellen [6] wird die Sterbetafelmethode [7] zur Schätzung des Lebenszeitrisikos, an Lungenkrebs zu sterben, bei einer bestimmten Radonexposition verwendet. Die Wahl des Risikomodells sowie die Art der Radon-Verteilung, die jeweils in komplexer Weise in die Berechnung eingehen, beeinflusst erheblich die Größe des berechneten Attributiven Risikos. Aus der Vielzahl der Kombinationsmöglichkeiten wird daher ein Hauptmodell zur Beurteilung der Anzahl der durch Radon-induzierten Lungenkrebstodesfälle entwickelt, das sämtliche bekannten Einflussfaktoren enthält und sich daher von den bisherigen Abschätzungen unterscheidet.

Ergebnisse

Die Auswirkungen der verwendeten Verfahren werden anhand der Situation in der Schweiz demonstriert. Dort werden bei Männern und Frauen zusammen ca. 2800 Lungenkrebsfälle pro Jahr berichtet. Bei einer mittleren häuslichen Radonbelastung in der Schweiz von 51 Bq/m3 (geometrischer Mittelwert der nach Stockwerk und Bevölkerungsstruktur gewichteten Radonexposition) lassen sich für Raucher und Nichtraucher zusammen ungefähr 8.4% der männlichen Lungenkrebsfälle auf die Belastung mit Radon in Innenräumen zurückführen. Das 95%-Konfidenzintervall zu diesem populationsattributablen Risiko für Männer ist durch die Werte 3.16% und 22.01% gegeben. Rechnet man diese Anteile auf die Anzahlen an Krebsfällen um, so ergeben sich insgesamt 173 auf die Exposition mit Radon zurückführbare männliche Lungenkrebsfälle (95%-Konfidenzintervall 64.9 – 451.7). Für Frauen gilt, dass von den 724 insgesamt in der Schweiz berichteten Fällen 8.69 %, d.h. 63 Fälle auf Radon zurückzuführen sind. Die entsprechenden 95%-Konfidenzintervalle lauten 3.26 – 22.92% bzw. 23.6 – 165.9 absolute Fälle.

Diskussion

Die ermittelten Zahlen zur Anzahl der auf Radon zurückführbaren Lungenkrebsfälle in der Schweiz bestätigen, dass Radon als der wichtigste umweltbezogene Risikofaktor für das Krebsgeschehen in einer Bevölkerung anzusehen ist. Sensitivitätsanalysen und insbesondere Vergleiche zu entsprechenden Berechnungen mit Risikomodellen, die aus Studien bei Bergarbeitern abgeleitet worden sind, bestätigen diese Zahlen, wobei davon auszugehen ist, dass bisherige Berechnungen eher zu einer etwas höheren Abschätzung des populationsattributablen Risikos geführt haben.

Danksagung

Diese Studie wurde aus Mitteln des Bundesamts für Gesundheit, Bern, Schweiz unterstützt.


Literatur

1.
National Research Council: Health effects of exposure to radon (BEIR VI Report). Washington DC: National Academy Press; 1999
2.
National Research Council: Radon and other internally deposited alpha emitters (BEIR IV Report). Washington DC: National Academy Press; 1988
3.
Wichmann HE, Schaffrath Rosario A, Heid I, Kreuzer M, Heinrich J, Kreienbrock L: Increased lung cancer risk due to residential radon in a pooled and extended analysis of studies in Germany. Health Physics 2005; 88: 71-9
4.
Darby S, Hill D, Auvinen A, Barros-Dios JM, Baysson H, Bochicchio F, Deo H, Falk R, Forastiere F, Hakama M, Heid I, Kreienbrock L, Kreuzer M, Lagarde F, Mäkeläinen I, Muirhead C, Oberaigner W, Pershagen G, Ruano-Ravina A, Ruosteenoja E, Schaffrath Rosario A, Tirmarche M, Tomáek L, Whitley E, Wichmann HE, Doll R. Radon in homes and risk of lung cancer: collaborative analysis of individual data from 13 European case-control studies. BMJ 2004, doi:10.1136/bmj.38308.477650.63
5.
Krewski D, Lubin JH, Zielinski JM, Alavanja M, Catalan VS, Field RW et al. A combined analysis of North American case-control studies of residential radon and lung cancer. Epidemiology 2005; 16: 137-145
6.
Steindorf K, Lubin J, Wichmann HE, Becher H. Lung cancer deaths attributable to indoor radon exposure in West Germany. International Journal of Epidemiology 1995; 24: 485-492
7.
Chiang CL: Introduction to stochastic processes in biostatistics. New York: Wiley, 1968