gms | German Medical Science

50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds)
12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie (dae)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie
Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie

12. bis 15.09.2005, Freiburg im Breisgau

Diversität des Antibiotikaverbrauchs und Resistenz

Meeting Abstract

  • Frank Schwab - Institit für Hygiene und Umweltmedizin, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Berlin
  • Elisabeth Meyer - Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene, Universitätsklinikum Freiburg, Freiburg
  • Daniel Jonas - Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene, Universitätsklinikum Freiburg, Freiburg
  • Petra Gastmeier - Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene, Medizinische Hochschule Hannover, Hannover
  • Franz Daschner - Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene, Universitätsklinikum Freiburg, Freiburg
  • Henning Rüden - Institit für Hygiene und Umweltmedizin, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Berlin

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. 50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. Freiburg im Breisgau, 12.-15.09.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05gmds281

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2005/05gmds193.shtml

Veröffentlicht: 8. September 2005

© 2005 Schwab et al.
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Gliederung

Text

Einleitung

Intensivstationen (ITS) gelten als Hochrisikobereiche für die Entstehung und Ausbreitung multiresistenter bakterieller Erreger. Antibiotika (AB) sind für die Entstehung von resistenten Erregern von besonderer Bedeutung.

Fragestellung

Korreliert die Diversität des AB-Verbrauchs einer ITS mit einzelnen Resistenzraten? Korreliert die AB-Diversität mit einem Resistenzindex, der auf den klinisch relevanten Resistenzraten basiert und die Gesamt-Resistenzsituation auf einer ITS beschreibt?

Material und Methoden

Grundlage für die Analyse sind Daten zum Antibiotika-Verbrauch und Resistenzen von 13 bakteriellen Erregern bezüglich ausgewählter AB von 40 ITS, die an SARI (Surveillance der Antibiotika-Anwendung und bakteriellen Resistenzentwicklung auf deutschen Intensivstationen) teilnehmen [1]. Der Analysezeitraum ist Februar 2000 bis Dezember 2004.

Diversität des AB-Verbrauchs (D), diverse Resistenzraten (RR) und Resistenzindizes (RI) werden je ITS berechnet. Die Diversität ist definiert als

Equation 1

wobei gilt

Equation 2

dem Anteil der Antibiotika-Gruppe i (WHO-Definition) am Gesamtverbrauch. Der Gesamtverbrauch wird berechnet als Anwendungsdichte in DDD pro 1.000 Patiententage (DDD: defined daily dose nach WHO-Definition). Die Resistenzrate ist definiert als RR = Anzahl resistente Erreger/Anzahl getestete Erreger*100. Für N ausgewählte Resistenzraten

Equation 3

zählt der RI die Häufigkeit der Outlierpositionen (>75% Perzentil) innerhalb der SARI Referenzdaten und ist definiert als

Equation 4

wobei

Equation 5

Die Spearman-Korrelation mit p-Wert zwischen D und einzelnen RR sowie D und RI wird berechnet.

Ergebnisse

40 ITS erfassten insgesamt 668.227 Patiententage, 888.334 DDD und 57.868 getestete Erreger. Die Diversität des AB-Verbrauches beträgt im Median 0,872 (Range 0,637-0,912).

Klinisch relevante RR wie MRSA, 3. Generation Cephalosporin-resistente und Ciprofloxacin-resistente K. pneumoniae, Ampicillin-Sulbactam-resistente und Ciprofloxacin-resistente E. coli, Imipenem-resistente und Ciprofloxacin-resistente P. aeruginosa korrelieren nicht mit der AB-Diversität. Der RI aus den oben genannten RR korreliert signifikant mit der AB-Diversität (KK=-0,34, p=0,032).

Diskussion

D ist eine Maßzahl, die die Diversität des AB-Management auf einer ITS beschreibt. Der Resistenzindex RI, basierend auf besonders klinisch relevanten Resistenzraten, ist eine Maßzahl zur Beschreibung der Resistenzsituationen auf einer ITS. Ein niedriger RI (selten Outlierposition bei klinisch relevanten RR) korreliert mit diversem AB-Verbrauch.


Literatur

1.
Meyer E, Jonas D, Schwab F, Rueden H, Gastmeier P, Daschner FD. Design of a surveillance system of antibiotic use and bacterial resistance in German intensive care units (SARI). Infection. 2003 Aug; 31(4): 208-15