gms | German Medical Science

50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds)
12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie (dae)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie
Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie

12. bis 15.09.2005, Freiburg im Breisgau

Risikofaktoren für Campylobacteriosen – Ergebnisse einer hessischen Fall-Kontroll-Studie

Meeting Abstract

  • Anja Hauri - Hessisches Landesprüfungs- und Untersuchungsamt Hessen, Dillenburg
  • Michael Forßbohm - Gesundheitsamt Wiesbaden, Wiesbaden
  • Rolf-Hasso Bödeker - Institut für Medizinische Informatik der Justus-Liebig-Universität Gießen, Gießen
  • Hans-Jürgen Westbrock - Hessisches Landesprüfungs- und Untersuchungsamt Hessen, Dillenburg
  • Helmut Uphoff - Hessisches Landesprüfungs- und Untersuchungsamt Hessen, Dillenburg

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. 50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. Freiburg im Breisgau, 12.-15.09.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05gmds200

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2005/05gmds103.shtml

Veröffentlicht: 8. September 2005

© 2005 Hauri et al.
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Gliederung

Text

Die Campylobacteriose ist eine weltweit verbreitete Zoonose. Campylobacter spp. verursachen eine Darminfektion, die typischerweise mit Bauchschmerzen und wässrigem, gelegentlich blutigem Durchfall einhergeht. Als postinfektiöse Komplikationen können Arthritiden und das Guillain-Barré-Syndrom auftreten. Campylobacteriosen stellen in Deutschland die zweithäufigste Meldekategorie dar, weltweit gelten sie als die häufigste bakterielle Ursache der infektiösen Gastroenteritis. Die meisten Campylobacteriosen treten in Deutschland wie auch in anderen Ländern sporadisch auf, d. h. ohne erkennbaren zeitlichen und räumlichen Zusammenhang zu anderen Campylobacteriosen, eine Infektionsquelle wird nur selten ermittelt. In Hessen wurden im Jahr 2004 3.511 Campylobacteriosen übermittelt. Hierunter waren nur 10 Herde mit 3 bis maximal 8 Fällen.

In Deutschland wurden bevölkerungsbezogene, repräsentative Studien zur Identifizierung der Risikofaktoren von sporadischen Campylobacteriosen bisher nicht durchgeführt. Daher ist unklar, welche Risikofaktoren in der Bundesrepublik bedeutsam sind. Kenntnisse zu Risikofaktoren sporadischer Campylobacteriosen stammen daher aus im Ausland durchgeführten Studien (z. B. U.S.A., Großbritannien, Norwegen), der Kenntnisstand wird aber auch international als unvollständig beschrieben [1]. Aufgrund von Unterschieden zwischen diesen Ländern und der Bundesrepublik Deutschland hinsichtlich der Verzehrsgewohnheiten, dem Lebensmittelangebot und eventuell der Nutztierhaltung kann in Deutschland mit einem abweichenden Risikospektrum gerechnet werden. Kenntnisse zu Quellen und Übertragungswegen sind jedoch erforderlich, um in Zukunft die Bevölkerung besser schützen zu können. Diese Situation war Anlass für den Öffentlichen Gesundheitsdienst in Hessen eine Fall-Kontroll-Studie zu Risikofaktoren für Campylobacteriosen durchzuführen.

Fall- und Kontrollpersonen haben ihren Wohnsitz in den Kreisen Darmstadt, Darmstadt-Dieburg, Gießen, Hochtaunus, Kassel, Main-Kinzig, Maintaunus, Waldeck-Frankenberg, Werra-Meißner, Wetterau und Wiesbaden. Telefonische Befragungen werden anhand eines standardisierten, vorgetesteten Fragebogens von den an der Studie teilnehmenden Kreisen und dem Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamt im Gesundheitswesen durchgeführt. Der Fragebogen enthält Fragen zu Symptomen und Krankheitsverlauf (Fälle), verzehrten Lebensmitteln in den sieben Tagen vor Symptombeginn (Fälle) bzw. in den sieben Tagen vor Interview (Kontrolle), Kontakt mit Tieren, Reisen und Schwimmen. In die Studie aufgenommenen werden Fall-Personen, für die vom 1. Juli 2004 bis zum 30. Juni 2005 die Meldung eines Campylobacter-Nachweises an die teilnehmenden Gesundheitsämter erfolgt. Telefonnummern der Kontroll-Personen wurden nach einem Verfahren generiert, dass eingetragenen und nicht-eingetragenen Nummern die gleiche Chance gibt in die Stichprobe zu gelangen [2]. Innerhalb der kontaktierten Haushalte werden die Zielpersonen nach der „Last-Birthday-Methode“ ausgewählt. Fall- und Kontroll-Personen müssen über hinreichende Deutschkenntnisse verfügen und mindestens 1 Jahr alt sein.

Zum Zeitpunkt der Erstellung des Abstracts wurden über 800 Fallpersonen und 700 Kontrollpersonen befragt, die Datenerhebung ist jedoch noch nicht abgeschlossen. Auf dem Kongress werden Ergebnisse der Studie vorgestellt.


Literatur

1.
Evans MR, Ribeiro CD, Salmon RL. Hazards of healthy living: bottled water and salad vegetables as risk factors for Campylobacter infection. Emerg Infect Dis 2003; 9:1219-25
2.
Gabler S, Häder S. Idiosyncrasies in Telephone Sampling - The Case of Germany. Int J Public Opin Res 2002; 14: 339-345