gms | German Medical Science

50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds)
12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie (dae)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie
Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie

12. bis 15.09.2005, Freiburg im Breisgau

Anwendung des WHO-Programms DisMod II zur Schätzung von Erkrankungshäufigkeiten am Beispiel von Schlaganfall und Herzinfarkt in Deutschland

Meeting Abstract

  • Klaus Kraywinkel - Universität Münster, Münster
  • Jürgen Wellmann - Universität Münster, Münster
  • Jan Heidrich - Universität Münster, Münster
  • Ulrich Keil - Universität Münster, Münster
  • Peter Heuschmann - Universität Münster, Münster

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. 50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. Freiburg im Breisgau, 12.-15.09.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05gmds409

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2005/05gmds097.shtml

Veröffentlicht: 8. September 2005

© 2005 Kraywinkel et al.
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Gliederung

Text

Einleitung und Fragestellung

Die Häufigkeit (Inzidenz) von Schlaganfällen und Herzinfarkten in Deutschland wird üblicherweise hochgerechnet aus den Ergebnissen populationsbasierter Register (Erlangen bzw. Augsburg).

Es ist jedoch bisher nicht überprüft worden, inwieweit die Ergebnisse dieser regional ausgerichteten Register auf die gesamtdeutsche Situation übertragbar sind.

Wir verwendeten das WHO-Programm DisMod II um die Inzidenzen beider Erkrankungen anhand von Angaben zur Prävalenz und Mortalität aus dem gesamten Bundesgebiet zu schätzen.

Material und Methoden

Das Programm DisMod II [1] wurde entwickelt im Rahmen der ‚Global Burden of Disease’ Studie und ermöglicht unter anderem die Schätzung von Inzidenzen auf Grundlage von Daten zur Prävalenz, Mortalität und Remissionsrate.

Zur Berechnung der Inzidenzen verwendeten wir die Mortalitätsdaten aus der Todesursachenstatistik des Jahres 2003 (ICD 10: I60-I69 für Schlaganfall bzw. I 20-I25 für Herzinfarkt) sowie Angaben zur Prävalenz aus dem Bundesgesundheitssurvey 1998, die auf Selbstangaben der repräsentativ ausgewählten 18-79-jährigen Teilnehmer beruhen [2],[3]. Die Prävalenzschätzung für die höheren Altersgruppen erfolgte unter Zuhilfenahme der Ergebnisse aus der Rotterdam Study [4], [5]. Die Remissionsrate wurde jeweils mit 0 angenommen. Die Ergebnisse wurden mit den Inzidenzangaben aus dem Erlanger Schlaganfall Register (für 1994-96) [6] und dem KORA/MONICA Herzinfarkt-Register Augsburg (1996-98) [7] verglichen.

Ergebnisse

Bezogen auf die deutsche Bevölkerung von 2003 ergaben sich folgende kumulative jährliche Inzidenzen:

Schlaganfall (≥ 25 Jahre):
Männer: Berechnung mit DisMod 2,32/1000 (Erlangen: 2,44)
Frauen: DisMod: 2,82 (Erlangen: 3,07)
Erstereignisse pro Jahr in Deutschland: DisMod 156.400 (Erlangen: 167.900)

Herzinfarkt (25-74 Jahre):
Männer: Berechnung mit DisMod 3,83/1000 (Augsburg: 4,33)
Frauen: DisMod: 1,91 (Augsburg: 1,53)
Erstereignisse pro Jahr in Deutschland: DisMod 156.000 (Augsburg: 159.200)

Diskussion

Die mit DisMod berechneten Inzidenzen wichen nur wenig von den Ergebnissen aus den regionalen Registern ab. Mit Ausnahme der Herzinfarkte bei den Frauen lagen die Ergebnisse nach DisMod durchgehend etwas unter denen der populationsbasierten Register. Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass einerseits die Datenbasis für die Prävalenzen in den höheren Altersgruppen gering ist und andererseits im Bundesgesundheitssurvey Patienten mit schwereren Erkrankungen unterrepräsentiert sein könnten.


Literatur

1.
http://www3.who.int/whosis/burden/burden_dismod/burden_dismod_dismod2.cfm?path=whosis. WHO . 2005
2.
Wiesner G, Grimm J, Bittner E. Schlaganfall: Prävalenz, Inzidenz, Trend, Ost-West-Vergleich Erste Ergebnisse aus dem Bundes-Gesundheitssurvey 1998. Gesundheitswesen 1999; 61(Sonderausgabe):S79-S84.
3.
Wiesner G, Grimm J, Bittner E. Zum Herzinfarktgeschehen in der Bundesrepublik Deutschland: Prävalenz, Inzidenz, Trend, Ost-West-Vergleich. Gesundheitswesen 1999; 61(Sonderausgabe):S72-S78
4.
Bots ML, Looman SJ, Koudstaal PJ, Hofman A, Hoes AW, Grobbee DE. Prevalence of stroke in the general population - The Rotterdam Study. Stroke 1996; 27(9):1499-1501
5.
Hofman A, Boerlage PA, Bots ML, et al. Prevalence of chronic diseases in the elderly; the ERGO study (Erasmus Rotterdam Health and the Elderly. Ned Tijdschr Geneeskd 1995; 139(39):1975-1978
6.
Kolominsky-Rabas PL, Sarti C, Heuschmann PU, Graf C, Siemonsen S, Neundoerfer B et al. A prospective community-based study of stroke in Germany - The Erlangen Stroke Project (ESPro) incidence and case fatality at 1, 3, and 12 months. Stroke 1998; 29(12):2501-2506.
7.
Löwel H, Melsinger C, Heier M, et al. Geschlechtspezifische Trends von plötzlichem Herztod und akutem Herzinfarkt. Dtsch Med Wochenschr 2002; 127:2311-2316