gms | German Medical Science

50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds)
12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie (dae)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie
Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie

12. bis 15.09.2005, Freiburg im Breisgau

Up-Date der Evidenzgrundlage der Leitlinie Allergieprävention

Meeting Abstract

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  • Cathleen Borowski - Institut für Sozialmedizin, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, Lübeck
  • Torsten Schäfer - Institut für Sozialmedizin, Lübeck

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. 50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. Freiburg im Breisgau, 12.-15.09.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05gmds057

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2005/05gmds001.shtml

Veröffentlicht: 8. September 2005

© 2005 Borowski et al.
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Gliederung

Text

Einleitung und Fragestellung

Evidenzbasierte Empfehlungen zur Allergieprävention lagen bislang nicht vor. Vor diesem Hintergrund wurde mit Unterstützung des Bundesministeriums für Gesundheit und soziale Sicherung und des Aktionsbündnisses Allergieprävention (abap) eine evidenzbasierte und konsentierte Leitlinie zur Primär- und Sekundärprävention von Asthma, Heuschnupfen und atopischen Ekzem entwickelt. Zwei Jahre nach Fertigstellung der Leitlinie wurde eine orientierende aktuelle Literatursuche in Medline durchgeführt und geprüft, inwieweit die verabschiedeten Empfehlungen auch von den aktuellen Studien gestützt werden.

Material und Methoden

Die Leitlinie zur Primär- und Sekundärprävention von Asthma und Allergien wurde im Februar 2004 fertig gestellt. Die formale Literatursuche wurde im Februar 2003 abgeschlossen. Die elektronische Literaturrecherche wurde in den Datenbanken COCHRANE (2002 Issue 4), MEDLINE (1966-02/2003) und EMBASE (1974-02/2003) durchgeführt. Zusätzlich wurde eine Handsuche in 4 ausgewählten Journals für den Zeitraum 1995 bis 2003 durchgeführt. Alle abap Mitglieder wurden angeschrieben mit der Bitte, Hinweise auf graue Literatur zu liefern. Ergänzend wurden die Literaturverzeichnisse von 35 aktuellen Übersichtarbeiten durchgesehen. In 2 Selektionsprozessen (nach Titel und Abstract und nach Volltext) wurden die relevante Literatur nach dem Instrumentarium des Scottish Intercollegiate Guidelines Network und zusätzlichen Beurteilungskriterien bewerten und die entsprechenden Levels of Evidence festgelegt (1a-4). Zur Maximierung der Suchergebnisse wurde außer der Verwendung der Schlagwortsuche auch eine reine Freitextsuche durchgeführt. Zielgrößen: Asthma, Allergy, allergic, atopic, Hay fever, Dermatitis, Eczema, Rhinitis. Maßnahmen: Prevention, Intervention, Risk factor, Environment, Diesel exhaust, Indoor, Outdoor, Mould bzw. Mold, psychological, Protection, Immunization, Hypersensitivity, Sensitization, Vaccination, Breastfeeding, Pets und environmental Risk Factor. Studientypen: Randomized controlled trials, Clinical trials, Controlled study, Case control study, Cohort study, Systematic Review, Meta-Analysis. Die Verknüpfung erfolgte innerhalb der Gruppe mit „oder“ und zwischen den Gruppen mit „und“. Die Anzahl der gefundenen Studien konnte mit Einschluss von „human“ und Ausschluss von „vitro“, „drug“, „therapy“ begrenzt werden. Eingeschlossen wurden Studien am Menschen der letzten 25 Jahre, die Ergebnisse liefern, welche zur Ableitung von Empfehlungen zur Primär- und Sekundärprävention verwendet werden können. Ausgeschlossen wurden Studien, die nicht allergische Erkrankungen als Zielgröße hatten (z.B. Studien zu AIDS, Myokardinfakt oder Suizid). Des Weiteren fanden Therapie- und Medikamentenstudien, sowie Studien, die sich ausschließlich mit bereits erkrankten Personen beschäftigten (Tertiärprävention) in der Auswertung keine Berücksichtigung. Um zwei Jahre nach der im Vorfeld beschriebenen Recherche einen Überblick über die neuere Literatur zu bekommen, wurde in Medline ab 2003 bis Februar 2005 die gleiche Literaturrecherche durchgeführt.

Ergebnisse

Für die Erstellung der Leitlinie waren 323 Artikel von 3522 Treffern von Relevanz. Diese setzten sich aus 3 Cochrane Reviews (CR), 7 Metaanalysen (MA), 37 Randomisierten kontrollierten Studien (RCTs), 102 Kohorten (KS)- und 174 Fall-Kontroll-Studien (FKS). Die methodische Qualität der Studien i.S. der Evidenzlevel ist insgesamt eher gering (3x1a, 21x1b, 5x2a, 59x2b, 1x3a, 45x3b, 189x4). In der Zeit von März 2003 bis Februar 2005 konnten in Medline 688 Literaturstellen identifiziert werden. Nach Selektion nach Titel und Abstract wurden 22 Artikel im Volltext bestellt. Diese teilen sich in folgende Kategorien auf: Stillen und die Zusammensetzung der Muttermilch (1 systematischer Review, 2 Kohortenstudien), Formulanahrung (1 Cochrane Review), Nahrungsmittel (1 RCT, 1 Kohortenstudie), Haustiere (2 Kohortenstudien), Hausstaubmilbenkonzentration (1 Fall-Kontroll-Studie), Infektionen und Impfungen (1 RCT, 5 Kohortenstudien), Kfz-Emission (1 Kohortenstudie), Art der Geburt und Einfluss des Geburtsgewichtes (2 Kohortenstudien und 1 Fall-Kontroll-Studie). Weiterhin konnten 3 Interventionsstudien (1 Review, 1 RCT, 1 Kohortenstudie) identifiziert werden, die mehrere Einflussfaktoren (Rauchen, Haustiere, Feuchtigkeit, Hausstaubmilben, Stillen vs. Formula) auf die Entwicklung von Asthma untersuchten. Ausgehend von der Anzahl der aufgefundenen Studien zeigt sich der größte Evidenzzuwachs beim Thema Infektionen und Impfungen. Berücksichtigt man den Studientyp, so sind der Cochrane Review zum Thema Formulanahrung und der systematische Review zum Thema Stillen gegenüber den Kohortenstudien zum Thema Infektionen und Impfungen höher einzustufen. Nach Durchsicht der Publikationen zeigen sich keine gegenteiligen Aussagen in Bezug auf die Leitlinienempfehlungen basierend auf der Suche bis Februar 2003. Stillen stellt nach wie vor einen protektiven Effekt für die Entwicklung von Asthma, Heuschnupfen und atopischem Ekzem dar. Die Gabe von Formulanahrung auf Soja-Basis hat keinen protektiven Effekt. Bei der Haustierhaltung zeigt sich, dass es keinen Grund gibt, von der bestehenden Empfehlung für Risiko- und Nicht-Risikopersonen abzugehen. Aufgrund der Datenlage zu Infektionen und Impfungen wird die Empfehlung, dass alle Kinder, auch allergiegefährdete, nach den STIKO-Empfehlungen geimpft werden sollten, weiter gestützt. Zum Thema Kfz-Emission sind in der Leitlinie und mit der aufgefundenen Studie noch keine konkreten Handlungsempfehlungen ableitbar. Ein ungünstiger Effekt auf die Entwicklung von Asthma und Allergien wird beschrieben.

Diskussion

Mit der vorliegenden Literatursuche konnte gezeigt werden, dass zwei Jahre nach der abgeschlossenen Recherche im Rahmen der Leitlinienerstellung, die konsentierten Empfehlungen weiter gestützt werden. Studien mit neuen Ergebnissen, die Zweifel an den verabschiedeten Präventionsempfehlungen aufkommen lassen, konnten nicht gefunden werden. Somit zeigen sich im up-date keine gegenteiligen Ergebnisse, die eine Umformulierung der bestehenden evidenzbasierten und konsentierten Präventionsempfehlungen fordern.