gms | German Medical Science

49. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds)
19. Jahrestagung der Schweizerischen Gesellschaft für Medizinische Informatik (SGMI)
Jahrestagung 2004 des Arbeitskreises Medizinische Informatik (ÖAKMI)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie
Schweizerische Gesellschaft für Medizinische Informatik (SGMI)

26. bis 30.09.2004, Innsbruck/Tirol

Versorgungsqualität im ländlichen Raum: Zur Zukunft der ambulanten medizinischen Versorgung in strukturschwachen Gebieten

Meeting Abstract (gmds2004)

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Kooperative Versorgung - Vernetzte Forschung - Ubiquitäre Information. 49. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 19. Jahrestagung der Schweizerischen Gesellschaft für Medizinische Informatik (SGMI) und Jahrestagung 2004 des Arbeitskreises Medizinische Informatik (ÖAKMI) der Österreichischen Computer Gesellschaft (OCG) und der Österreichischen Gesellschaft für Biomedizinische Technik (ÖGBMT). Innsbruck, 26.-30.09.2004. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2004. Doc04gmds196

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2004/04gmds196.shtml

Veröffentlicht: 14. September 2004

© 2004 Uhlemann.
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Gliederung

Text

Ein freier Markt für Praxisgründungen führt nicht zu einer flächendeckenden und bedarfsgerechten medizinischen Versorgung. Die deutschen Krankenkassen und die für die Sicherstellung der ambulanten Versorgung zuständigen Kassenärztlichen Vereinigungen haben sich deshalb Anfang der 90er Jahre auf Bedarfsplanungsrichtlinien geeinigt, um dieses Versorgungsziel u.a. durch Steuerung der Niederlassungserlaubnis zu erreichen. In der aktuellen Diskussion stellt sich mit dem Begriff des Ärztemangels die Frage nach der Effektivität solcher Steuerungsversuche.

Eine Bewertung der aktuellen Arztdichte im ambulanten Bereich und die Beantwortung der Frage, welche Arztdichte generell wünschenswert ist, hat u.a. folgende Aspekte zu berücksichtigen:

1. Seit Beginn der 70er Jahre hat sich die Arztdichte in Deutschland mehr als verdoppelt. Im internationalen Vergleich befindet sich Deutschland mit ca. 360 Ärzten auf 100.000 Einwohner in der Spitzengruppe.

2. Die hohe Arztdichte geht nicht - wie auch neuere vergleichende Untersuchungen der WHO und OECD aufzeigen - mit einer entsprechend hohen Versorgungsqualität einher. Viele Ärzte bedeuten nicht unbedingt eine gute Versorgung (Qualität), in jedem Fall aber hohe Kosten aufgrund von Leistungsausweitung.

3. Die vertragsärztliche Versorgung in Deutschland ist durch erhebliche Allokationsprobleme gekennzeichnet: Es gibt ein Ost-/West-Gefälle, es gibt Stadt-/Land-Unterschiede, es gibt für eine Niederlassung attraktive und weniger attraktive Gegenden und es gibt erhebliche Differenzen im Grad der fachärztlichen und der hausärztlichen Versorgung.

Wird die Versorgungssituation bis hinunter auf die Ebene der einzelnen Städte und Landkreise analysiert, so finden sich vor allem ländliche Kreise in den östlichen Bundesländern, die hausärztlich nicht gut versorgt sind oder in denen zukünftig dann ein Mangel zu erwarten ist, wenn frei werdende Sitze nicht zu einem großen Anteil wieder besetzt werden können. Fachärztlich ist dagegen in der Fläche kaum ein Mangel zu erkennen oder zu erwarten.

Aufgrund des hohen Altersdurchschnitts der niedergelassenen Hausärzte ist aber zukünftig vor allem bei dieser Arztgruppe mit größeren Altersabgängen zu rechnen, so dass zumeist eine Wiederbesetzung frei werdender Sitze erforderlich wird. Dabei sind regionale Besonderheiten zu berücksichtigen und dementsprechende Lösungen zu finden; eine regionale oder landesweite Steuerung ist hierzu wohl eher geeignet als ein zentrales, bundesweites Vorgehen.

Die Gestaltung der Versorgungsstruktur und -dichte hat sich zudem auch an den wirtschaftlichen Möglichkeiten der Gesellschaft, an der Morbidität und an der demographischen Entwicklung zu orientieren.

Selbstverständlich darf es bei der Suche nach Lösungen keine Denkverbote geben: Die bisherige Bedarfsplanung kann dabei ebenso in Frage gestellt werden wie der Sicherstellungsauftrag seitens der Kassenärztlichen Vereinigungen sowie die vorhandene Struktur der ambulanten Versorgung insgesamt.

Nach einer Präsentation von Ergebnissen einer aktuellen AOK-Studie zur ambulanten Versorgung in einigen Bundesländern werden im Beitrag mögliche Wege einer zukünftigen Bedarfsplanung für die ambulante Versorgung diskutiert.


Literatur

1.
Klose J, Uhlemann Th, Gutschmidt S. Ärztemangel - Ärzteschwemme? Auswirkungen der Altersstruktur von Ärzten auf die vertragsärztliche Versorgung. Bonn: 2003.
2.
Schwartz FW. Der Versorgungsauftrag der gesetzlichen Krankenkassen bei begrenzten Ressourcen. In: Die BKK, 88. Jahrg., Essen: 2000: 295-300.