gms | German Medical Science

49. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds)
19. Jahrestagung der Schweizerischen Gesellschaft für Medizinische Informatik (SGMI)
Jahrestagung 2004 des Arbeitskreises Medizinische Informatik (ÖAKMI)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie
Schweizerische Gesellschaft für Medizinische Informatik (SGMI)

26. bis 30.09.2004, Innsbruck/Tirol

Koronarkalk in der Allgemeinbevölkerung: Erste Ergebnisse der Heinz Nixdorf Recall Studie

Meeting Abstract (gmds2004)

  • corresponding author presenting/speaker Susanne Moebus - Institut für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie, Universitätsklinikum Essen, Essen, Deutschland
  • A. Schmermund - Abteilung für Kardiologie, Medizinische Klinik und Poliklinik, Zentrum für Innere Medizin, Universitätsklinikum Essen, Essen, Deutschland
  • S. Möhlenkamp - Abteilung für Kardiologie, Medizinische Klinik und Poliklinik, Zentrum für Innere Medizin, Universitätsklinikum Essen, Essen, Deutschland
  • A. Stang - Institut für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie, Universitätsklinikum Essen, Essen, Deutschland
  • S. Berenbein - Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie,Universität Witten/Herdecke, Mülheim, Deutschland
  • P. Püttmann - Grönemeyer Institut für Radiologie und Mikrotherapie, Universität Witten/Herdecke, Bochum, Deutschland
  • K.-H. Jöckel - Institut für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie, Universitätsklinikum Essen, Essen, Deutschland
  • R. Seibel - Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Universität Witten/Herdecke, Mülheim, Deutschland
  • D. Grönemeyer - Grönemeyer Institut für Radiologie und Mikrotherapie, Universität Witten/Herdecke, Bochum, Deutschland
  • R. Erbel - Abteilung für Kardiologie, Medizinische Klinik und Poliklinik, Zentrum für Innere Medizin, Universitätsklinikum Essen, Essen, Deutschland

Kooperative Versorgung - Vernetzte Forschung - Ubiquitäre Information. 49. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 19. Jahrestagung der Schweizerischen Gesellschaft für Medizinische Informatik (SGMI) und Jahrestagung 2004 des Arbeitskreises Medizinische Informatik (ÖAKMI) der Österreichischen Computer Gesellschaft (OCG) und der Österreichischen Gesellschaft für Biomedizinische Technik (ÖGBMT). Innsbruck, 26.-30.09.2004. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2004. Doc04gmds159

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2004/04gmds159.shtml

Veröffentlicht: 14. September 2004

© 2004 Moebus et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielf&aauml;ltigt, verbreitet und &oauml;ffentlich zug&aauml;nglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Einleitung

In der Heinz Nixdorf Recall-Studie wird die prognostische Aussagekraft etablierter und neuer potentieller Risikofaktoren für kardiovaskuläre Ereignisse in der Bevölkerung untersucht. Um die prognostische Wertigkeit vergleichen zu können, wird zusätzlich eine Koronarkalkbestimmung mittels Elektronenstrahltomographie durchgeführt, um die Prävalenz und Ausbreitung der Koronarsklerose zu analysieren. In diesem Beitrag gehen wir der Frage der Verteilung der Koronarsklerose in der Allgemeinbevölkerung nach.

Methoden

Die in Deutschland durchgeführte Heinz Nixdorf Recall Studie ist eine bis 2007 laufende bevölkerungsbezogene Kohortenstudie. Von Dezember 2000 bis Juli 2003 wurden in der Basisuntersuchung 4814 StudienteilnehmerInnen im Alter von 45-74 Jahren aus den Ruhrgebietsstädten Bochum, Essen und Mülheim/R umfangreichen Untersuchungen unterzogen [1]. Die medizinischen und psychosozialen Erhebungen wurden im Studienzentrum in Essen, die EBT-Untersuchungen an den radiologischen Instituten in Bochum und Mülheim/R durchgeführt. Die Bestimmung des Koronarkalkes erfolgt durch die Berechnung des (dimensionslosen) Agatston-Score [2].

Ergebnisse

Von bislang 4589 ProbandInnen liegen derzeit EBT-Befunde vor. Bei insgesamt 306 Probanden (3.7%) liegt eine bekannte Herzerkrankung (KHK) vor, von der überwiegend Männer (79%, 64.0 ±7.4 Jahre, 21% Frauen, 65.6 ±5.9 Jahre) betroffen sind. Hinsichtlich der EBT-Befunde zeigt sich eine extrem schiefe Verteilung des Kalkscores [Tab. 1], auffällig große Unterschiede zwischen Männern und Frauen sowie deutlich höhere Werte bei Vorliegen einer bekannten KHK sowohl bei Männern als auch bei Frauen [Tab. 2].

Im Vergleich zu Daten amerikanischer Kohorten liegen die Kalkscore-Werte in der Heinz Nixdorf Recall-Studie in den höheren Altersgruppen sowohl bei Männern als auch bei Frauen deutlich niedriger. So liegt der Median-Kalkscore bei 70- bis 74-jährigen Frauen in Amerika 52 gegenüber 43 in der Heinz Nixdorf Recall Studie. Noch ausgeprägter fällt der Unterschied mit 310 gegenüber 181 bei den 70- bis 74-jährigen Männern aus [3].

[Abb. 1]

Diskussion

Der Nachweis koronarer Kalzifizierungen mit geeigneten Computertomografie-Verfahren bietet die Möglichkeit zum nicht-invasiven Nachweis einer subklinischen koronaren Atherosklerose. Die Daten der Heinz Nixdorf Recall-Studie liefern erstmals eine Basis für alters- und geschlechtsspezifische Analysen der Koronarverkalkung in der Allgemeinbevölkerung in Europa. Sie zeigen zum einen die Notwendigkeit einer alters- und geschlechtsdifferenzierten Betrachtung der Koronarkalkbelastung. Zum anderen eine extrem ungleiche Verteilung der Koronarverkalkungen, mit sehr geringen und als unbedenklich geltenden Belastungen bei der Hälfte der untersuchten Probanden bzw. dreiviertel der Probandinnen. Sollte sich am Ende der Heinz Nixdorf Recall-Studie Koronarkalk als prädiktiv für ein kardiales Ereignis herausstellen, wäre ein Einsatz als bevölkerungsbezogenes Screening-Instrument damit nicht sinnvoll. Die Bedeutung wird dagegen in der deutlichen Erhöhung der prognostischen Aussagekraft der Gesamtschau der individuellen Risikofaktorenbelastung, insbesondere bei Personen mit intermediärem KHK-Risiko liegen. Die bemerkenswert niedriger liegenden Kalkscores im Vergleich zu amerikanischen Kohorten könnte zudem zu einer Verschiebung der Bemessungsgrundlage der Koronarkalkbelastung führen. Insgesamt unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung bevölkerungsbasierter prospektiver Kohortenstudien zu kardiovaskulären Erkrankungen in Europa.

Danksagung

Die Studie wird finanziell unterstützt durch die Heinz Nixdorf Stiftung, Essen, Deutschland.


Literatur

1.
Schmermund A, Möhlenkamp S, Stang A, et al. for the Heinz Nixdorf Recall Study Investigative Group. Assessment of clinically silent atherosclerotic disease and established and novel risk factors for predicting myocardial infarction and cardiac death in healthy middle-aged subjects: rationale and design of the Heinz Nixdorf Recall Study. Am Heart J 2002;144:212-8
2.
Agatston AS, Janowitz WR, Hildner FJ, et al. Quantification of coronary artery calcium using ultrafast computed tomography. J Am Coll Cardiol 1990;15:827-32
3.
Raggi P, Callister TQ, Cooil B, et al. Identification of patients at increased risk of first unheralded acute myocardial infarction by electron-beam computed tomography. Circulation 2000;101:850-5
4.
Rumberger et al. Mayo Clin Proc 1999;74:243-52.
5.
Hoff JA, Chomka EV, Krainik AJ, et al. Age and gender distribution of coronary artery calcium detected by electron-beam computed tomography in 35246 adults. Am J Cardiol 2001;87:1335-9