gms | German Medical Science

49. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds)
19. Jahrestagung der Schweizerischen Gesellschaft für Medizinische Informatik (SGMI)
Jahrestagung 2004 des Arbeitskreises Medizinische Informatik (ÖAKMI)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie
Schweizerische Gesellschaft für Medizinische Informatik (SGMI)

26. bis 30.09.2004, Innsbruck/Tirol

Zeitliche Trends in der AIDS-Mortalität bei männlichen Flugbegleitern

Meeting Abstract (gmds2004)

Suche in Medline nach

  • corresponding author presenting/speaker Hajo Zeeb - Universität Bielefeld, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Bielefeld, Deutschland
  • Ingo Langner - Universität Bielefeld, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Bielefeld, Deutschland
  • Maria Blettner - Universität Mainz, IMBEI, Mainz, Deutschland

Kooperative Versorgung - Vernetzte Forschung - Ubiquitäre Information. 49. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 19. Jahrestagung der Schweizerischen Gesellschaft für Medizinische Informatik (SGMI) und Jahrestagung 2004 des Arbeitskreises Medizinische Informatik (ÖAKMI) der Österreichischen Computer Gesellschaft (OCG) und der Österreichischen Gesellschaft für Biomedizinische Technik (ÖGBMT). Innsbruck, 26.-30.09.2004. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2004. Doc04gmds156

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2004/04gmds156.shtml

Veröffentlicht: 14. September 2004

© 2004 Zeeb et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielf&aauml;ltigt, verbreitet und &oauml;ffentlich zug&aauml;nglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Einleitung

AIDS hat sich seit Beginn der 80-er Jahre zu einem globalen Gesundheitsproblem entwickelt. Zu den HIV/AIDS-Risikogruppen gehören in entwickelten Ländern neben den Nutzern intravenöser Drogen insbesondere männliche Homosexuelle. In einer historischen Kohortenstudie bei Flugpersonal in Deutschland stellten wir eine erhebliche Übersterblichkeit an AIDS fest [1]. In diesem Beitrag wollen wir untersuchen, welchen zeitlichen Verlauf die AIDS-Sterblichkeit in der Kohorte genommen hat, um die Bedeutung dieser ernsten Erkrankung für heute aktive Flugbegleiter abzuschätzen.

Methoden

Das Design der Kohortenstudie, die Cockpit und Kabinenpersonal zweier deutscher Fluggesellschaften umfasste, ist mehrfach beschrieben worden [1], [2], [3]. Insgesamt trugen 4537 männliche Flugbegleiter 66700 Personenjahre zu der Studie bei. Das Follow-up wurde über Einwohnermeldeämter und Gesundheitsämter (Todesursachen) durchgeführt. Als Endpunkt wurde die Mortalität der Flugbegleiter erfasst. Wir verglichen zunächst die ursachenspezifische Sterblichkeit für die Todesursache AIDS mit den entsprechenden Raten der männlichen Allgemeinbevölkerung. Zur Auswertung zeitlicher Trends in der AIDS-Mortalität wurde die Zeit nach Erstbeschreibung der AIDS-Symptomatik in 2-Jahres-Zeitabschnitte unterteilt. Für diese Zeitperioden wurden auch die Standardisierte Mortalitätsratios (SMRs) und exakte 95% Konfidenzintervalle berechnet.

Ergebnisse

Insgesamt traten in der Periode 1986-1997 62 Todesfälle an AIDS auf, dies waren 45 % aller Todesfälle in dieser Zeitperiode und 36 % aller Todesfälle in der Kohorte über die gesamte Zeitperiode (n=170).

In den genannten Zeitperioden zeigte sich zunächst ein deutlicher Anstieg der Sterberaten mit einem Peak in den Jahren 1989-1990 (295/100 000). Die SMR war hier auf 102 (95%CI 48-199) erhöht. Im folgenden Zeitabschnitt sank die AIDS-Sterblichkeit deutlich ab und erreichte in der Zeitperiode 1995-1997 einen deutlich niedrigeren, aber weiterhin gegenüber der männlichen Allgemeinbevölkerung ca. 25-fach erhöhten Stand. Im Vergleich des Zeitverlaufs der Sterberaten zeigt sich beim männlichen Kabinenpersonal ein gegenüber den Raten der Allgemeinbevölkerung ca. 2-4 Jahre früheres Absinken der Raten nach dem Peak zu Beginn der 90-er Jahre.

Diskussion

Männliche Flugbegleiter in Deutschland wiesen in den ersten Jahren der AIDS-Epidemie eine gegenüber der Allgemeinbevölkerung deutlich erhöhte AIDS-Mortalität auf, die seit Beginn der 90-Jahre stark gesunken ist. Die Übersterblichkeit an AIDS beträgt mittlerweile nur noch etwa ein Sechstel des Wertes zu Zeiten der höchsten Sterblichkeit in der Kohorte. Effektive Behandlung HIV-Infizierter und eine entsprechende Screening-Politik der Fluggesellschaften haben vermutlich zu dieser Entwicklung beigetragen. In dem verlängerten Follow-up bis 2003 steht zu erwarten, dass die AIDS-Sterblichkeit weiter deutlich abgenommen hat. In Bezug auf AIDS-Sterblichkeit hat sich somit eine erhebliche Veränderung ergeben, die Rate von HIV-Infektionen in der Gruppe ist jedoch nicht bekannt. Im internationalen Vergleich sind ähnliche Muster in einigen europäischen Ländern zu beobachten.


Literatur

1.
Zeeb H, Blettner M, Hammer G, Langner I (2002) Cohort Mortality Study of German Cockpit Crew, 1960 -97. Epidemiology 2002; 13:693-699
2.
Blettner M, Zeeb H, Langner I, Hammer G, Schafft T. Mortality from cancer and other causes among airline cabin attendants in Germany, 1960 - 1997. American Journal of Epidemiology 2002; 156: 556-65
3.
Zeeb H, Langner I, Blettner M (2003): Cardiovascular mortality of cockpit crew in Germany: cohort study. Zeitschrift für Kardiologie 2003 ;92: 483-89