gms | German Medical Science

49. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds)
19. Jahrestagung der Schweizerischen Gesellschaft für Medizinische Informatik (SGMI)
Jahrestagung 2004 des Arbeitskreises Medizinische Informatik (ÖAKMI)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie
Schweizerische Gesellschaft für Medizinische Informatik (SGMI)

26. bis 30.09.2004, Innsbruck/Tirol

Entwicklung einer web-basierten Datenbank für nosokomiale Ausbrüche (outbreak-Register)

Meeting Abstract (gmds2004)

  • corresponding author presenting/speaker Michael Behnke - Institut für Hygiene und Umweltmedizin, Charité - Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland
  • Irina Zuschneid - Institut für Hygiene und Umweltmedizin, Charité - Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland
  • Sonja Hansen - Institut für Hygiene und Umweltmedizin, Charité - Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland
  • Sabine Stamm-Balderjahn - Institut für Hygiene und Umweltmedizin, Charité - Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland
  • Kathrin Groneberg - Institut für Hygiene und Umweltmedizin, Charité - Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland
  • Petra Gastmeier - Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene, Medizinische Hochschule Hannover, Hannover, Deutschland
  • Henning Rüden - Institut für Hygiene und Umweltmedizin, Charité - Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland

Kooperative Versorgung - Vernetzte Forschung - Ubiquitäre Information. 49. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 19. Jahrestagung der Schweizerischen Gesellschaft für Medizinische Informatik (SGMI) und Jahrestagung 2004 des Arbeitskreises Medizinische Informatik (ÖAKMI) der Österreichischen Computer Gesellschaft (OCG) und der Österreichischen Gesellschaft für Biomedizinische Technik (ÖGBMT). Innsbruck, 26.-30.09.2004. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2004. Doc04gmds153

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2004/04gmds153.shtml

Veröffentlicht: 14. September 2004

© 2004 Behnke et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielf&aauml;ltigt, verbreitet und &oauml;ffentlich zug&aauml;nglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Einleitung

Nosokomiale Ausbrüche können für Patienten folgenschwer sein und zusätzlich den Ruf des betroffenen Krankenhauses schädigen [1]. Mithilfe von Beschreibungen untersuchter Ausbrüche kann das medizinische Personal seinen Wissensstand bezüglich der Übertragungsmechanismen nosokomialer Infektionserreger erweitern und dadurch weitere Infektionen verhindern [2].

Zielstellung

Entwicklung einer web-basierten Datenbank für nosokomiale Ausbrüche.

Methoden

Mittels einer MEDLINE-Abfrage werden nosokomiale Ausbrüche aus den Jahren 1965 bis zum heutigen Datum gesucht und nach einem vorgegebenen Schema kategorisiert. Unter anderem werden folgende Parameter dokumentiert: Literaturquelle, Art der Untersuchung, Art der betroffenen Einrichtung, Anzahl der betroffenen Personen, Quelle des Erregers, Übertragungsweg sowie getroffene Präventionsmaßnahmen. Ausbrüche aus englisch-, spanisch-, französisch- und deutschsprachigen Veröffentlichungen werden in die Datenbank eingegeben.

Das vorgegebene Schema der Datenbank erlaubt neben einer einfachen Stichwortsuche auch eine kombinierte Abfrage verschiedener Parameter. Die Outbreak-Datenbank bietet dadurch eine schnelle Übersicht und Hilfestellung bezüglich nosokomialer Ausbrüche in unterschiedlichen medizinischen Bereichen.

Die Datenbank ist als englischsprachige Web-Anwendung aufgebaut. Dadurch können von jedem am Internet angeschlossenen PC Abfragen und Recherchen in der Datenbank durchgeführt werden. Die Anwendung ist in zwei Teile gegliedert: Ein Teil ist für die Abfrage implementiert worden, der andere Teil steht exklusiv den Autoren und Experten zur Verfügung. Mit dieser Erfassungsanwendung werden die recherchierten Ausbrüche in die Datenbank eingegeben. Für die Qualitätskontrolle der erfassten Artikel wurden Validierungsregeln aufgestellt und in das Erfassungsmodul integriert. Zusätzlich wird jeder Artikel explizit von einem übergeordneten Experten redaktionell freigegeben und steht erst dann dem Abfragemodul zur Verfügung.

Ergebnisse

In der Datenbank befinden sich mittlerweile über 120 verschiedene Erreger. Mehr als 1000 nosokomiale Ausbrüche wurden bisher in das Ausbruchsregister eingegeben. Hierunter finden sich u.a. 148 Staphylokokken-Ausbrüche (davon 107 mit MRSA), 127 Hepatitis-, 100 Pseudomonas-, 44 Legionellen- und ebenso wie 9 HIV- und 8 SARS-Ausbrüche.

Rund 33% der beschriebenen Ausbrüche fanden in internistischen Abteilungen statt (hiervon jeweils ca. 25% auf hämatologisch-onkologischen Stationen und 20% im Bereich der Hämodialyse), weitere 25% beziehen sich auf chirurgische und 10% auf neonatologische Abteilungen.

In mehr als 50% der Fälle wurde eine Genotypisierung des Erregers durchgeführt, 30% der Ausbrüche wurden mit epidemiologischen Methoden (Fall-Kontroll- oder Kohortenstudie) untersucht.

Diskussion

Die Literatursuche von Originalartikeln ist oft zeitaufwendig. Die Online-Verfügbarkeit dieses Ausbruchsregisters erlaubt einen schnellen Überblick über die vorhandene Literatur und unterstützt so den schnellen Einsatz gezielter Präventionsmaßnahmen in den betroffenen Bereichen [3]. Auch für wissenschaftliches Arbeiten und Lehrtätigkeit kann die Datenbank herangezogen werden, da sie durch eine kontinuierliche Pflege den aktuellen Stand der Publikationen zu nosokomialen Ausbrüchen repräsentiert. Durch das Online-Konzept stehen die Ergebnisse der Datenbank jederzeit zur Verfügung. Auch die Erfassung kann von beliebig vielen Autoren an verschiedenen Standorten realisiert werden und ermöglicht so ein flexibles Vorgehen, welches die zeitnahe Aktualisierung der Datenbank sicherstellt.


Literatur

1.
Wenzel RP, Thompson RL, Landry SM, Russell BS, Miller PJ, Ponce de Leon S, et al. Hospital-acquired infections in intensive care unit patients: an overview with emphasis on epidemics. Infect Control 1983;4(5):371-5.
2.
Beck-Sague C, Jarvis WR, Martone WJ. Outbreak investigations. Infect Control Hosp Epidemiol 1997;18(2):138-45.
3.
Ammon A, Gastmeier P, Weist K, Kramer M, Petersen L. Empfehlungen für die Untersuchung von Ausbrüchen nosokomialer Infektionen. RKI-Heft 2001;21.