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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

27.09. - 29.09.2012, Aachen

Kann man Empathie unterrichten? Ergebnisse einer Lehrevaluation über Kreatives Schreiben im Medizinstudium

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  • corresponding author Christoffer Krug - Universität Gießen, Institut für Geschichte der Medizin, Gießen, Deutschland
  • Philipp Stieger - Klinikum der Otto von Guericke Universität Magdeburg, Abteilung für Kardiologie, Angiologie und Pulmonologie, Magdeburg, Deutschland; Universität Gießen, Institut für Geschichte der Medizin, Gießen, Deutschland

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA). Aachen, 27.-29.09.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. DocP135

doi: 10.3205/12gma043, urn:nbn:de:0183-12gma0434

Veröffentlicht: 18. September 2012

© 2012 Krug et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Eine der entscheidenden Grundlagen für eine erfolgreiche Therapie bildet die Fähigkeit des Arztes die Arzt-Patienten-Beziehung empathisch zu gestalten. Unterrichtsformen wie Seminare, in denen Erlebnisse unter gezieltem Perspektivenwechsel reflektiert, verbalisiert und schriftlich fixiert werden, sind eine etablierte Methode zur Vermittlung von, und Sensibilisierung zu, empathischem Verhalten im Medizinstudium [1]. Kreatives Schreiben erlaubt durch einen Wechsel der Perspektive eine Standortbestimmung und damit Kritik der eigenen Position und Haltung in der Sozialisation zum Arzt. Die vorliegende Studie untersucht den Einfluss eines Seminars zu kreativem Schreiben über Patienten-Begegnungen auf die Reflektion späterer Interaktionen von Medizinstudierenden mit Patienten.

Methode: Insgesamt 20 Medizinstudierende nahmen im SoSe 2011 und WiSe 2011/12 am Seminar “Der (gute) Arzt- zwischen Fakt und Fiktion” im Querschnittsbereich Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin (GTE) am Institut für Geschichte der Medizin, Gießen (IGM) teil. Ziele des Seminars waren:

  • Analyse der historisch gewachsenen normativen Vorgaben der ärztlichen Berufsrolle in Bezug auf empathische Handlungsspielräume in der Patientenbegegnung
  • Reale und fiktionale Erfahrungen von Patienten-Begegnungen durch Perspektivenwechsel und daraus folgernde Reflektion in selbst verfassten Texten kreativ zu verarbeiten
  • Vermittlung kommunikativer Fähigkeiten durch Analyse von Arzt-Patienten-Gesprächen in ausgewählter Literatur und Film
  • Analyse, Positionierung und Kritik der eigenen Vorstellung und möglicher Aufgaben des "Arztseins“

Die Einstellungen der Studierenden zum Seminar und ein möglicher Einfluss auf ihr empathisches Auftreten in Patienten-Begegnungen werden 6 Monate nach dem Kurs durch einen Fragebogen (quantitativ und qualitativ) evaluiert.

Ergebnisse: Erste Auswertungen der Evaluation zeigen eine deutlich positive Rezeption des Seminars. Abschließende Ergebnisse zu einem möglichen Einfluss auf das empathische Verhalten Medizinstudierender werden zum Zeitpunkt des Kongresses präsentiert werden.

Schlussfolgerung: Die abschließende Evaluation steht noch aus. Insbesondere unter dem Eindruck wachsender wirtschaftlicher Einflüsse und Zwänge in den klinischen Alltag könnte die hier vorgestellte Seminarreihe bereits im Medizinstudium einen effektiven Beitrag zur erforderlichen Betonung der Notwendigkeit von Empathie in der Arzt-Patientenbeziehung leisten.


Literatur

1.
DasGupta S, Charon, R. Personal Illness Narratives: Using Reflective Writing to Teach Empathy. Acad Med. 2004;79(4):351-356. DOI: 10.1097/00001888-200404000-00013 Externer Link