gms | German Medical Science

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

05.10. - 08.10.2011, München

Lernerfolg im Skills-Lab – Häufigeres Feedback erhöht den Lerneffekt?

Vortrag

  • author presenting/speaker Beate Buss - Universität Heidelberg, Medizinische Universitätsklinik, Heidelberg, Deutschland
  • author Jonathan Mohr - Universität Heidelberg, Medizinische Universitätsklinik, Heidelberg, Deutschland
  • author Jana Jünger - Universität Heidelberg, Medizinische Universitätsklinik, Heidelberg, Deutschland
  • author Hans-Martin Bosse - HH-Universität Düsseldorf, Universitätsklinikum, Düsseldorf, Deutschland
  • corresponding author Christoph Nikendei - Universität Heidelberg, Medizinische Universitätsklinik, Heidelberg, Deutschland

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA). München, 05.-08.10.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11gma047

DOI: 10.3205/11gma047, URN: urn:nbn:de:0183-11gma0478

Veröffentlicht: 26. September 2011

© 2011 Buss et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Der Lernerfolg beim Erlernen klinisch-praktischer Fertigkeiten im Skills-Lab ist sowohl von der Art der Instruktion [1], der positiven Selbstwahrnehmung [2], medizinischen und nicht-medizinischen Vorkenntnissen ([3], [4]), von kontextabhängigem Lernen [5] als auch von redundantem Training abhängig [6]. Eine herausragende Rolle jedoch spielt die Art des Feedbacks, das durch geschulte Dozenten oder Tutoren an Studierende in der jeweiligen Lernsituation gegeben wird [7]. Aus der Sportwissenschaft ist bekannt, dass beim Erlernen komplexer motorischer Fertigkeiten die Häufigkeit der Feedbackgabe Einfluss auf den Lernerfolg hat [8]. Die vorliegende Arbeit geht der Frage nach, ob sich dieses Phänomen auch auf komplexere klinisch-praktische Fertigkeiten übertragen lässt. Ziel der vorgestellten Studie war die Untersuchung des Einflusses der Häufigkeit der Gabe von Feedback durch geschulte Experten auf den Lernerfolg von unerfahrenen Studierenden.

Methoden: Zur Beantwortung der Fragestellung wurde eine prospektive, randomisierte Studie im Kontrollgruppendesign mit Studierenden des vorklinischen Studienabschnitts an der Medizinischen Fakultät Heidelberg durchgeführt. Die Teilnehmer hatten keine Erfahrung in den ausgewählten Fertigkeiten (Legen einer Magensonde, Erstellen einer chirurgischen Naht; Baselineerhebung t0). Nach der Instruktion für die jeweiligen Fertigkeiten mittels Peyton-Methode (t1), hatten die Teilnehmer weitere fünf Übungssequenzen (Wiederholungen) Zeit, um die Kompetenzen bezüglich der Fertigkeiten zu vertiefen. In der Versuchsteilnehmergruppe ohne redundantes Feedback (VG 1) schloss sich an die erste Lernphase ein selbständiges Training mit insgesamt 5 Wiederholungen an. Erst im Anschluss an die vierte Wiederholung erhielten die Teilnehmer wieder ein Expertenfeedback. Zum Abschluss führten die Teilnehmer nach diesem Feedback die zu trainierende Fertigkeit noch einmal durch. In der Versuchsteilnehmergruppe mit redundantem Feedback (VG 2) erhielten die Teilnehmer nach jeder der fünf Übungssequenzen ein Feedback durch den geschulten Experten. Nach der Instruktion und den Übungssequenzen wurde der empfundene Lernerfolg durch eine Fragebogenevaluation erfasst (t1, t2). Ergänzend erfolgte die Erfassung der aufgabenspezifischen Beanspruchung zum Zeitpunkt t1 versus t2 mittels NASA-TLX. Die einzelnen Handlungsschritte der Studierenden wurden per Video aufgezeichnet.

Ergebnisse: Dieser Beitrag fokussiert auf die Darstellung der ermittelten Selbsteinschätzungen sowie der durch die Aufgabenstellung empfundenen Beanspruchung. An der Studie nahmen 47 Studierende teil (Alter M=20,81, SD=2,38; VG 1, n=23, davon w=12 und m=11 und VG 2, n=24, davon w=11 und m=13). Die Aufgabenstellung „Legen einer Magensonde“ wurde zum Zeitpunkt t1 von allen Teilnehmern signifikant als weniger beanspruchend bewertet, als das „Erstellen einer Chirurgischen Naht“ (p<0.05). Im Laufe des Trainings konnten sie ihre Sicherheit in der Ausübung der einzelnen Fertigkeiten signifikant erhöhen (p<0.05). Zwischen den Gruppen gab es keine Unterschiede (p>0.05). Ebenso erfolgte eine signifikante Beanspruchungsreduktion (gemessen über den NASA-TLX, t1 und t2; p<0.05), auch hier nicht in Abhängigkeit von der Gruppenzugehörigkeit (p>0.05).

Schlussfolgerung: Die in der Studie gefundenen Ergebnisse zeigen deutlich, dass die Teilnehmer von beiden Feedbackvarianten signifikant profitiert haben und einen deutlichen Lernzuwachs angaben. Das Training mit Selbstlernphasen (VG 1) und das kontinuierlich vom Tutor begleitete Training (VG 2) waren, der Selbsteinschätzung und der empfundenen Beanspruchung der Studienteilnehmer nach, gleichermaßen erfolgreich. Aus diesen ersten Ergebnissen lassen sich Gestaltungsempfehlungen für Skills-Lab Unterricht ableiten, jedoch sollen diese im Folgenden anhand der noch ausstehenden Ergebnisse der Videoanalysen verifiziert werden. Der Vergleich zwischen subjektiver Einschätzung und objektiv erfasster Handlungen wird im Rahmen dieses Beitrags präsentiert.


Literatur

1.
Krautter M, Weyrich P, Schultz JH, Buss S, Maatouk I, Jünger J, Nikendei C. Effects of Peyton’s Four Step Approach on objective performance measures in technical skills training - a controlled trial. Teach Learn Med. 2011. in press.
2.
Bandura A. Perceived self-efficacy in cognitive development and functioning. Educ Psychol. 1993;28:117-148. DOI: 10.1207/s15326985ep2802_3 Externer Link
3.
Harper JD, Kaiser S, Ebrahimi K, Lamberton GR, Hadley HR, Ruckle HC, Baldwin DD. Prior video game exposure does not enhance robotic surgical performance. J Endourol. 2007;21(10):1207-1210. DOI: 10.1089/end.2007.9905 Externer Link
4.
Issenberg SB, McGaghie WC, Petrusa ER, Lee Gordon D, Scalese RJ. Features and uses of high-fidelity medical simulations that lead to effective learning: a BEME systematic review. Med Teach. 2005;27(1):10-28. DOI: 10.1080/01421590500046924 Externer Link
5.
Schlickum MK, Hedman L, Enochsson L, Kjellin A, Felländer-Tsai L. Systematic video game training in surgical novices improves performance in virtual reality endoscopic surgical simulators: a prospective randomized study. World J Surg. 2009;33(11):2360-2367. DOI: 10.1007/s00268-009-0151-y Externer Link
6.
Nikendei C, Kraus B, Schrauth M, Weyrich P, Zipfel S, Herzog W, Jünger J. Integration of role-playing into technical skills training: a randomized controlled trial. Med Teach. 2007;29(9):956-960. DOI: 10.1080/01421590701601543 Externer Link
7.
Xeroulis GJ, Park J, Moulton CA, Reznick RK, Leblanc VP, Dubrowski A. Teaching Xeroulis GJ, Park J, Moulton CA, Reznick RK, Leblanc VP, Dubrowski A. Teaching suturing and knot-tying skills to medical students: A randomized controlled study comparing computer-based video instruction and (concurrent and summary) expert feedback. Surgery. 2007;141(4):442-449. DOI: 10.1016/j.surg.2006.09.012 Externer Link
8.
Wulf G, Shea CH, Matschiner S. Frequent feedback enhances complex motor skill learning. J Mot Behav. 1998;30(2):180-192. DOI: 10.1080/00222899809601335 Externer Link