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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

23.09. - 25.09.2010, Bochum

Effekte eines Kommunikationstrainings für Ärzte in Fort- und Weiterbildung im Hinblick auf Gesprächsführung und Patientenzufriedenheit

Vortrag

  • corresponding author presenting/speaker Barbara Bürmann - Universitätsklinikum Heidelberg, Innere Medizin II, Heidelberg, Deutschland
  • Jochen Spang - Universitätsklinikum Heidelberg, Innere Medizin II, Heidelberg, Deutschland
  • Nadja Ringel - Universitätsklinikum Heidelberg, Innere Medizin II, Heidelberg, Deutschland
  • Urs Riemann - SLK Klinikum Heilbronn, Innere Medizin I, Heilbronn, Deutschland
  • Gerhard Schillinger - AOK Bundesverband, Bonn, Deutschland
  • Jobst-Hendrik Schultz - Universitätsklinikum Heidelberg, Innere Medizin II, Heidelberg, Deutschland
  • Jana Jünger - Universitätsklinikum Heidelberg, Innere Medizin II, Heidelberg, Deutschland

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA). Bochum, 23.-25.09.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10gma89

DOI: 10.3205/10gma089, URN: urn:nbn:de:0183-10gma0890

Veröffentlicht: 5. August 2010

© 2010 Bürmann et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Eine gelungene Arzt-Patienten-Kommunikation ist zentral für den diagnostischen und therapeutischen Prozess. Eine gestörte Arzt-Patienten-Kommunikation führt zu fehlerhaften Diagnosestellungen, nicht indizierten Maßnahmen, wiederholten Arztwechseln und mangelhafter Compliance. In diesem Zusammenhang wird dem Training von kommunikativen Kompetenzen, auch in Fort- und Weiterbildung, zunehmend mehr Bedeutung beigemessen. Untersuchungen zur Wirksamkeit berichten heterogene Ergebnisse in Bezug auf den Trainingserfolg. Für einzelne Trainingskomponenten (Rollenspiele, Feedbackrunden) konnten durchaus positive Effekte nachgewiesen werden.

In der vorliegenden Studie wurde untersucht, ob sich bei berufserfahrenen Ärzten Effekte eines Kommunikationstrainings, welches aus bereits in ihrer Wirksamkeit bestätigten Komponenten besteht, im klinischen Alltag belegen lassen. Darüber hinaus wurde geprüft, ob sich nach dem Training auch Veränderungen in der Patientenzufriedenheit finden lassen.

Methoden: Ärzte einer internistischen Abteilung eines Klinikums der medizinischen Grundversorgung wurden einer Trainings- und einer Kontrollgruppe zugeteilt (RCT, matched pairs). Die Trainingsgruppe erhielt ein 3-tägiges Kommunikationstraining und eine Visitensupervision. Die Kontrollgruppe erhielt Literatur zum Selbststudium. Das multimodale Trainingskonzept setzt sich zusammen aus der Vermittlung von Kommunikationsmodellen und Techniken zur Gesprächsführung sowie praktischen Übungen, die durch Visitensupervision und den Einsatz von standardisierten Patienten ergänzt werden.

Vor und nach dem Training wurden je Arzt fünf Patientengespräche videographiert und mit dem Roter Interaction Analysis System ausgewertet. Zu beiden Messzeitpunkten füllten die Patienten einen Fragebogen zur Patientenzufriedenheit aus.

Ergebnisse: Die Auswertung der videographierten Arzt-Patienten-Gespräche mittels RIAS zeigt, dass die vermittelten Trainingsinhalte im Kontakt mit realen Patienten umgesetzt werden und durch ein Kommunikationstraining auch bei berufserfahrenen Ärzten eine signifikante Verbesserung in der Gesprächsstruktur erreicht werden kann. Für die Bereiche Benennen und Verstehen von Emotionen, sowie die Anwendung allgemeiner Gesprächstechniken (Warten, Wiederholen, Zusammenfassen) ließen sich keine direkten Effekte nachweisen. Eine signifikante Erhöhung der Patientenzufriedenheit konnte im Prä-Post-Vergleich nicht nachgewiesen werden.

Schlussfolgerungen: Ärzte mit mehrjähriger Berufserfahrung profitieren von einem Kommunikationstraining durch eine signifikante Verbesserung ihrer Fähigkeit zur Gesprächsstrukturierung. Eine Auswirkung des Trainings auf die Patientenzufriedenheit konnte nicht festgestellt werden. Ursache hierfür könnte sein, dass sich der Effekt des Trainings in der Patientenzufriedenheit aufgrund der Vielzahl der Behandler und Wirkfaktoren im stationären Setting nicht wiederspiegelt.