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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

23.09. - 25.09.2010, Bochum

"Ich hinterfrage nicht nur Inhalte, sondern oft das ganze System." - Wie Studierende der Medizin ihr Lernverhalten erklären.

Vortrag

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  • corresponding author presenting/speaker Götz Fabry - Albert-Ludwigs-Universität, Medizinische Fakultät, Abteilung für Medizinische Psychologie & Soziologie, Freiburg, Deutschland
  • author Marianne Giesler - Albert-Ludwigs-Universität, Medizinische Fakultät, Abteilung für Medizinische Psychologie & Soziologie, Freiburg, Deutschland

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA). Bochum, 23.-25.09.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10gma34

DOI: 10.3205/10gma034, URN: urn:nbn:de:0183-10gma0341

Veröffentlicht: 5. August 2010

© 2010 Fabry et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Es gibt verschiedene Hinweise darauf, dass sich die Lernstrategien von Studierenden der Medizin mit zunehmender Studiendauer verändern, leider nicht unbedingt zum Besseren [1], [2]. So hatten wir selbst in einer vorausgegangenen Studie solche negative Veränderungen im Lernverhalten identifiziert [3].

Fragestellung: Mit der vorliegenden qualitativen Folgestudie wollten wir herausfinden, wie sich die Studierenden selbst diese Veränderungen erklären.

Methoden: Ein Fragebogen wurde an 200 Studierende im dritten Studienjahr ausgegeben, die meisten der Befragten hatten in ihrem ersten Studienjahr an der vorausgegangenen Längsschnittstudie zum Einsatz von Lernstrategien teilgenommen. Der Fragebogen enthielt eine kurze Zusammenfassung der Ergebnisse dieser Vorstudie sowie einige offene Fragen, mit denen die Studierenden aufgefordert wurden, diese Ergebnisse zu erklären. 88 Studierende (44%) schickten den Fragebogen zurück. Die Antworten wurden transkribiert und inhaltsanalytisch ausgewertet.

Ergebnisse: Die Studierenden machten für die meisten Veränderungen in ihrem Lernverhalten Faktoren der Lernumgebung, v.a. die hohe Arbeitsbelastung, die Prüfungen und die Zeitknappheit verantwortlich. Darüber hinaus beschrieben sie aber auch einen persönlichen Reifungs- und Lernprozess bezüglich ihres Lernverhaltens. Dabei zeigte sich ein Konflikt zwischen dem Wunsch, das eigene Lernen sinnvoll und nachhaltig zu gestalten und der Notwendigkeit, auf Prüfungen zu lernen, in denen eher oberflächliches Faktenlernen belohnt wird. Die meisten Studierenden gaben an, diesen Konflikt zugunsten des Prüfungslernens zu lösen.

Schlussfolgerungen: Unsere Studie verweist erneut auf den großen Einfluss der Lernumgebung für das Lernverhalten der Studierenden. Damit die Studierenden ihr Ziel, nachhaltig und sinnvoll zu lernen, erreichen können, müssen die verschiedenen Aspekte der Lernumgebung (Instruktions- und Prüfungsmethoden, organisatorische Rahmenbedingungen, etc.) entsprechend aufeinander abgestimmt werden [4].


Literatur

1.
Entwistle NJ, Ramsden P. Understanding student learning. London: Croom Helm; 1983.
2.
Papinczak T, Young L, Groves M, Haynes M. Effects of a metacognitive intervention on students’ approaches to learning and self-efficacy in a first year medical course. Adv Health Sci Educ Theory Pract. 2008;13(2):213-232. DOI: 10.1007/s10459-006-9036-0 Externer Link
3.
Fabry G, Giesler M. Identifying students in trouble by looking at learning strategies and motivational variables. Research Paper (2D1) presented at the AMEE conference. 29.08. - 2.09.2009, Málaga/Spain; AMEE: 2009
4.
Biggs JB. Enhancing teaching through constructive alignment. High Educ. 1996;32:1 -18. DOI: 10.1007/BF00138871 Externer Link