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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

08.10. - 10.10.2009, Freiburg

Nicht nur gutes Feedback ist wichtig – Effekte des Vorwissens über Feedback auf Akzeptanz und soziale Kompetenzen von Medizinstudenten

Vortrag

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung - GMA. Freiburg im Breisgau, 08.-10.10.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09gmaT5V094

DOI: 10.3205/09gma094, URN: urn:nbn:de:0183-09gma0945

Veröffentlicht: 2. September 2009

© 2009 Schwald et al.
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Gliederung

Text

Fragestellungen: Standardisierte Patienten (SP) werden seit über 30 Jahren für das Unterrichten der rektalen Untersuchung (DRU) im Rahmen der medizinischen Ausbildung eingesetzt. Neben der Möglichkeit, die DRU an einer echten Person durchführen zu können, wird das Feedback (FB) der SPs als eine wichtige Lernerfahrung eingestuft.

Empirische Studien belegen, dass FB einen positiven Einfluss auf auf die Lernleistung hat, wenn bestimmte Faktoren beachtet werden. Neben Faktoren, die dem FB-geber zugeordnet sind, wie z.B. Grad der Elaboration, Beachtung bestimmter Gesprächsregeln, berichtet pädagogisch-psychologische Forschung auch von Faktoren, die dem FB-nehmer zugeordnet sind. Wissen über wertvolle Aspekte von FB kann die Akzeptanz von FB auf der Empfängerseite erhöhen, ein wertschätzendes Verhalten gegenüber dem FB-geber auslösen und damit ein Klima für optimales FB unterstützen. In der medizinischen Ausbildung wird das Wissen über positive Lernbedingungen, wie z.B. durch FB kaum unterrichtet. Diese Studie untersucht, inwiefern das Wissen von Studierenden über FB Effekte auf die

1.
Akzeptanz von FB und
2.
den Erwerb von sozialen Kompetenzen hat.

Methode: In einem einfachen Kontrollgruppenversuchsplan wurde das Wissen über FB variiert (ohne vs. mit FB-Instruktionsvideo). Während des Wintersemesters 2007/08 nahmen an der Ludwig-Maximilians-Universität 188 Studierende der Humanmedizin im 2./3. klinischen Semester an einer Simulationseinheit mit SP zum Erlernen der DRU teil. In der Experimentalbedingung wurde vor der Simulationseinheit mit SP ein 6-minütiges FB-Instruktionsvideo gezeigt, das über wertvolle Aspekte von FB, speziell im Kontext dieser Simulation, informiert. In der Kontrollbedingung wurde kein Video gezeigt. Die Teilnehmer (TN) wurden nach Geschlecht und Semesterzahl in Kontroll- und Experimentalgruppe randomisiert. Nach der Simulation wurde die Akzeptanz von FB mit 4 Items erfragt. Die gezeigte soziale Kompetenz der TN wurde durch geschulte Rater während der Simulation in Anlehnung an den Calgary Cambrigde Observation Guide erfasst.

Ergebnisse: Wissen über FB (induziert durch das FB-Instruktionsvideo) hatte einen positiven Effekt auf die Akzeptanz von FB im Vergleich zur Kontrollbedingung. Die Studierenden, die das FB-Instruktionsvideo vor der Simulation gesehen hatten, äußerten sich signifikant positiver über FB als die Studierenden ohne FB-Instruktionsvideo. Darüber hinaus hatte das Wissen über FB einen positiven Effekt auf die gezeigte soziale Kompetenz im Vergleich zur Kontrollbedingung.

Schlussfolgerungen: Simulationen mit SPs können noch wertvoller für die Ausbildung von Medizinstudenten sein, wenn nicht nur SPs FB-geschult sind, sondern auch Studierende ein Vorwissen über wertvolle Aspekte von FB haben. Dieses kann seitens des FB-Empfängers FB-förderliches Verhalten unterstützen und die Aufmerksamkeit erhöhen für Situationen, die eine hohe Sozialkompetenz erfordern.