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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

08.10. - 10.10.2009, Freiburg

POL-Inseln im Vergleich zu POL-basierten Curricula: Einfluss auf selbst-gesteuertes Lernen, Lernerfolg und Lernatmosphäre am Beispiel der Medizinischen Fakultät Bochum

Direct comparison of learning objectives and evaluation data generated in a PBL-based curriclulum and a PBL-island at the Ruhr-University Bochum

Poster

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung - GMA. Freiburg im Breisgau, 08.-10.10.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09gmaT1P016

DOI: 10.3205/09gma016, URN: urn:nbn:de:0183-09gma0162

Veröffentlicht: 2. September 2009

© 2009 Gehlhar et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Problemorientiertes Lernen (POL) ist in medizinischen Curricula eine verbreitete Unterrichtsform. Allerdings wird sie häufig in Form von Insellösungen in einzelnen Studiumsabschnitten oder Fächern eingesetzt; dem stehen durchgängig POL-basierte Curricula gegenüber. Laut Literatur sind POL-Inseln weniger effektiv [1]. Diese Studien wurden bisher allerdings mit POL-Unterricht in völlig unterschiedlichem Kontext durchgeführt. An der Ruhr-Universität Bochum (RUB) existieren parallel ein POL-basierter Modellstudiengang (MSM) und ein Regelcurriculum (RSM) mit einer 7-wöchigen POL-Insel im 4. Semester. In beiden Formen werden fünf identische POL-Fälle in gleicher Weise bearbeitet.

Wir haben die Quantität und Qualität der von den POL-Gruppen generierten Lernziele miteinander verglichen und die Akzeptanz der Methode POL ermittelt.

Methodik: Es wurden insgesamt 1703 Lernziele aus 252 Tutoriums-Gruppen ausgewertet (193 RSM und 59 MSM-Gruppen). Bewertet wurde jedes Lernziel in sechs Kategorien, die als Parameter für selbstgesteuertes, fächerübergreifendes und tiefergehendes oder oberflächliches Lernen herangezogen wurden. Die 112 ausgewerteten Evaluationsbögen lieferten Daten zur generellen Bewertung von POL und der Einschätzung des eigenen Lernerfolgs. 356 auf POL bezogene Freitextkommentare wurden ebenfalls qualitativ ausgewertet.

Ergebnisse: Die Lernziele der Modellstudiengangs-Gruppen waren signifikant besser auf den zugrundeliegenden Fall bezogen. Beide Studiengänge wählten pro Fall Lernziele aus gleich vielen verschiedenen Fächern, so dass die Motivation zum fächerübergreifenden Lernen als gleich gut angesehen werden kann. Die Lernziele der RSM-Studenten waren allerdings signifikant oberflächlicher und zahlreicher als die der MSM-Studenten. Beide Gruppen generierten vorklinische und klinische Lernziele zu jedem Fall; der Anteil vorklinischer Lernziele überwog jedoch im RSM (71% im Vergleich zu 50% vorklinischer Lernziele). Die Wertschätzung der Arbeitsatmosphäre während der Sitzungen der RSM-Studierenden war größer, ihren persönlichen Lernerfolg dagegen schätzen sie als geringer ein. Trotzdem stellten sie in den Freitextkommentaren explizit die Vorteile des POL heraus, wie beispielsweise die Möglichkeit zur Teamarbeit oder die Anwendung von vorklinischem Wissen in klinischem Kontext. Die Mehrheit der Kommentare favorisierte eine frühere Einführung der Methode POL im Curriculum.

Schlussfolgerungen: An der RUB ist der Lernerfolg im POL-basierten Curriculum größer als in der POL-Insel, aber die POL-Insel fördert in gleichem Maße kontextuelles Lernen und Teamarbeit. Trotzdem bieten auch POL-Inseln wertvolle Lernerfahrung für die Studierenden. Zukünftig ist zu diskutieren, ob die Methode POL früher integriert werden kann, um die Umgewöhnung in Regelcurricula zu erleichtern.


Literatur

1.
Albanese M. Problem-based learning: why curricula are likely to show little effect on knowledge and clinical skills. Med Educ. 2000;34(9):729-738. DOI: 10.1046/j.1365-2923.2000.00753.x. Externer Link