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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

16.11. - 18.11.2007, Hannover

Konzept zur nachhaltigen Sicherung des Basiswissens in Pharmakologie/Arzneitherapie

Concept for sustained assurance of knowledge in pharmacology/drug therapy

Poster

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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung - GMA. Hannover, 16.-18.11.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gma50

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gma2007/07gma050.shtml

Veröffentlicht: 14. November 2007

© 2007 Stichtenoth et al.
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Gliederung

Text

Lehre in Pharmakologie/Arzneitherapie an der Medizinischen Hochschule Hannover: Die pharmakologische Ausbildung der Medizinstudierenden beginnt im dritten Studienjahr mit den Grundlagen der Pharmakologie und Toxikologie und endet im fünften Studienjahr mit der Klinischen Pharmakologie, d.h. der anwendungsorientierten Arzneimitteltherapie. Das Fach Klinische Pharmakologie, wurde in der neuen Ärztlichen Approbationsordnung 2002 erstmals als scheinpflichtiges Querschnittsfach aufgeführt und damit seine Bedeutung anerkannt. Der Unterricht über Pharmakologie/Arzneitherapie wurde an der MHH 2004 inhaltlich und strukturell neu gestaltet:

  • Das Modul Pharmakologie und Toxikologie ist eine fünfwöchige Blockveranstaltung im dritten Studienjahr. Die Hauptvorlesung wird begleitet von Studiengruppen/ Seminaren (17 Themen), die der Vertiefung des Stoffes dienen. Das Modul endet mit der Abschlussklausur, die direkt im Anschluss an die Lehrveranstaltungen stattfindet.
  • Das Modul Klinische Pharmakologie ist integraler Bestandteil des Moduls Differentialdiagnose und Therapie im fünften Studienjahr. Dreistündige Vorlesungen und Studiengruppen/Seminare zu insgesamt 21 Themen sind über neun Wochen verteilt. Die Abschlussklausur findet in der letzten, zehnten Woche statt. Lehrziele und Inhalte des Moduls wurden international publiziert [1].

Die beiden Module sind inhaltlich und strukturell miteinander verwoben. Inhaltlich, weil die gleichen Arzneimittel sowohl in den Grundlagen als auch in der Klinischen Pharmakologie gelehrt werden. Strukturell, weil zum Teil dieselben Dozenten, die in den Grundlagen unterrichten, auch die klinischen Aspekte lehren. Die Module werden von den Studierenden evaluiert, die Ergebnisse ermöglichen eine kontinuierliche Qualitätssicherung und -steigerung [2].

Problemstellung: Die Modularisierung, d. h. die Blockbildung mit maximaler Konzentration des Unterrichts mit sofortiger Abschlussprüfung, führt zum so genannten „Bulimie-Lernen“. Diese Form des Lernens erlaubt das zeitnahe Bestehen einer Klausur, führt jedoch nicht dazu, dass das Wissen gefestigt und nach einiger Zeit noch abgerufen werden kann. Um die berufsrelevanten Kenntnisse über Arzneimittel zu vertiefen und zu sichern, ist eine weitere Schleife der Lernspirale erforderlich.

Konzept zur Problemlösung: Um das Wissen über Arzneimittel bei den Studierenden nachhaltig zu vertiefen und zu sichern, sollen strukturelle Veränderungen am Unterricht in Pharmakologie und Toxikologie sowie Klinischer Pharmakologie durchgeführt werden:

1.
Einführung einer Hausarbeit (Charakterisierung eines Arzneimittels) im Modul Pharmakologie und Toxikologie
2.
Einführung eines Crash-Kurs zur Vorbereitung auf die Abschlussklausur für das Modul Pharmakologie und Toxikologie
3.
Einführung von Studienpreisen für die jeweils besten Abschlussklausuren in Pharmakologie und Toxikologie sowie Klinischer Pharmakologie
4.
Einführung eines Repetitionskurses zur Vorbereitung für das Modul Klinische Pharmakologie
5.
Erstellung einer P-Liste („personal drug list“ nach WHO) im Repetitionskurs anstatt im anschließenden Modul Klinische Pharmakologie.

1. Modul Pharmakologie und Toxikologie:

Im Rahmen der Umstrukturierung des dritten Studienjahres soll das Modul von fünf auf sechs Wochen verlängert werden. Die zusätzliche sechste Woche soll jedoch nicht für weiteren Lehrstoff genutzt werden, sondern zur Vorbereitung auf die Abschlussklausur dienen. Dafür soll ein Crash-Kurs zur kompakten Wiederholung des Stoffes angeboten werden. Darüber hinaus soll jeder Studierende des Moduls eine „Hausaufgabe“ bearbeiten und abliefern. Sie besteht in einer Darstellung eines vorgegebenen Arzneimittels, und zwar zu Wirkmechanismus, Besonderheiten, unerwünschten Wirkungen und Indikationen. Der Umfang soll eine DIN A4-Seite nicht übersteigen. Die Informationsquelle für diese Kurzdarstellung hat der Studierende anzugeben, wobei Lehrbücher ausscheiden. Ziel dieser Hausaufgabe ist es, die Essentials eines Arzneimittels darzustellen und gleichzeitig zu lernen, wie der Arzt/die Ärztin sich im Internet über zuverlässige Quellen schnell informieren kann. Um den umfangreichen Stoff besser beherrschbar zu machen, sollen zwei „Probeklausuren“ angeboten werden. Sie werden jedoch nicht auf die Abschlussklausur angerechnet, sondern sollen den Studierenden ermöglichen, ihren aktuellen Lernstand zu überprüfen. Für die beste Abschlussklausur wird ein Studienpreis von 500 € vergeben. Das Preisgeld soll Anreiz für Spitzenleistungen sein und die Bedeutung des Moduls Pharmakologie und Toxikologie unterstreichen.

2. Modul Klinische Pharmakologie:

Voraussetzung für dieses Modul ist die Kenntnis der Arzneimittel, inklusive ihrer Wirkmechanismen und der charakteristischen unerwünschten Wirkungen. Zur Einführung in die Klinische Pharmakologie soll an drei Nachmittagen eine Wiederholung der wichtigsten Arzneimittelgruppen und Arzneimittel stattfinden, auf deren Basis die klinischen Aspekte besser unterrichtet werden können. In diesem Repetitionskurs soll die Erstellung der P-Liste integriert werden. Die P-Liste umfasst die „personal drug list“, die nach dem „WHO-Guide to good prescribing“ eine individualisierte Arzneimittelliste darstellt. Mit diesen beiden Maßnahmen - Repetition und Erstellung der P-Liste - kann der Unterricht in Klinischer Pharmakologie mehr auf die berufspraktische Relevanz konzentriert werden und gleichzeitig soll (in Abkehrung der bisherigen Vorstellungen) auch das Wissen um Dosierungen in den Unterricht aufgenommen werden. Für die beste Klausur soll, analog zum Modul Pharmakologie und Toxikologie, ein Studienpreis von 500 € vergeben werden.

Ziel der vorgeschlagenen inhaltlichen und strukturellen Maßnahmen ist es, pharmakologisches Wissen dauerhaft bei den Studierenden zu sichern. Zur Umsetzung dieser Maßnahme wird das Zentrum Pharmakologie und Toxikologie eine Akademikerstelle erhalten. Diese Akademikerstelle ist mit einer Ärztin/einem Arzt zu besetzen. Dies ist insbesondere deshalb wichtig, weil das Zentrum von naturwissenschaftlichen Dozenten dominiert wird, die die Forschung tragen, aber von ihrer Ausbildung her keinen praxisrelevanten Unterricht in Medizin anbieten können. Eine Zwischenevaluation der neuen Unterrichtsmaßnahmen soll nach dem zweiten Jahr, d. h. nach sechs Durchgängen durchgeführt werden.


Literatur

1.
Stichtenoth DO, Frölich JC. Pregraduate teaching clinical pharmacology in Germany. Eur J Clin Pharmacol. 2004;60:225-229.
2.
Just I. Kontinuierliche Dozenten-bezogenen Evalution des Moduls Pharmakologie, Toxikologie. GMS Z Med Ausbild. 2007;24(4):Doc.