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16. Jahrestagung der Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie

Gesellschaft für Arzneimittelforschung und Arzneimittelepidemiologie

19.11. - 20.11.2009, Berlin

Insulin glargin stellt eine kostengünstige Alternative im Vergleich zu NPH-Insulin bei der Behandlung insulinpflichtiger Diabetiker dar: Ergebnisse einer Verordnungsdatenanalyse

Meeting Abstract

  • corresponding author F. W. Dippel - Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Berlin, Germany
  • T. Schneider - Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Berlin, Germany
  • O. Schöffski - Lehrstuhl für Gesundheitsmanagement, Universität Erlangen-Nürnberg, Germany
  • R. Ponzel - INSIGHT Health GmbH & Co. KG, Waldems-Esch, Germany
  • A. Kleinfeld - INSIGHT Health GmbH & Co. KG, Waldems-Esch, Germany

Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie e.V. (GAA). 16. Jahrestagung der Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie. Berlin, 19.-20.11.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09gaa23

DOI: 10.3205/09gaa23, URN: urn:nbn:de:0183-09gaa230

Veröffentlicht: 5. November 2009

© 2009 Dippel et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund und Ziel: In mehreren pharmakoökonomischen Analysen wurden Insulin glargin (Lantus®) und NPH-Insulin hinsichtlich ihrer Behandlungskosten bei insulinpflichtigen Patienten mit Diabetes Typ 2 miteinander verglichen. Dabei konnte gezeigt werden, dass aus Sicht der gesetzlichen Kranken-versicherung (GKV) eine Therapie mit Insulin glargin gegenüber einer Behandlung mit NPH-Insulin kostenneutral oder sogar kostensparend ist [1], [2], [3]. Ziel der vorliegenden Analyse ist es, die bereits vorhandenen Ergebnisse anhand einer größeren und repräsentativen Stichprobe von Krankenkassendaten (Patienten-Tracking National, INSIGHT Health) zu verifizieren.

Material und Methoden: In der Datenbasis werden monatlich mittels anonymisierten Patienten-IDs rund zehn Prozent des deutschen GKV-Marktes (70,2 Mio. Patienten) über alle Bundesländer repräsentativ abgebildet. In der vorliegenden Studie wurden über drei Kalenderjahre (2006–2008) diejenigen Patienten ermittelt, die in zwei aufeinander folgenden Quartalen mindestens eine Insulin glargin-Verordnung bzw. eine NPH-Insulin-Verordnung erhielten. Auf Basis dieser Patientenselektion wurde für insgesamt sechs Kostenträger(gruppen) die zeitgleiche Co-Medikation in den Indikationsgruppen Bolusinsuline, orale Antidiabetika, Teststreifen sowie Lanzetten/Nadeln ermittelt. Die mengenbezogenen Verordnungsinformationen wurden mit den jeweiligen Apothekenverkaufspreisen multipliziert. Das Ergebnis stellt die durchschnittlichen jährlichen Behandlungskosten pro Diabetespatient dar.

Ergebnisse: Die aggregierten absoluten jährlichen Gesamtkosten pro Diabetespatient betragen in der vorliegenden Analyse für Insulin glargin-basierte Behandlungsregime 1262 € (2006), 1295 € (2007) bzw. 1338 € (2008) über alle Kostenträger. Die korrespondierenden jährlichen Gesamtkosten pro Diabetespatient für NPH-Insulin-basierte Therapieregime betragen 1283 € (2006), 1330 € (2007) bzw. 1379 € (2008). Für die drei betrachteten Kalenderjahre (2006–2008) liegen die Behandlungskosten für Insulin glargin-basierte Therapien tendenziell leicht unter den Kosten der jeweiligen NPH-Vergleichsgruppen. Die Analyse der Einzelkosten zeigt, dass die höheren Beschaffungskosten für das Basalinsulinanalogon (Insulin glargin) durch Einsparungen beim Bolusinsulin- sowie beim Teststreifenverbrauch überkompensiert werden. Dieser Behandlungskostenvorteil zugunsten der Insulin glargin-basierten Behandlungsregime findet sich durchgängig über alle drei Jahre für die Diabetespatienten der Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK), der Betriebskrankenkassen (BKK), der Innungskrankenkassen (IKK), der Barmer Ersatzkasse (BEK) sowie der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) . Die Differenzen der durchschnittlichen jährlichen Gesamtkosten über alle Kostenträger zeigen über die Analysedauer von drei Jahren eine leichte, aber kontinuierliche Zunahme des Einspareffekts zugunsten der Insulin glargin basierten Behandlungsregime.

Schlussfolgerungen: Unter realen Versorgungsbedingungen zeigt sich aus Sicht der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) eine Kostenneutralität zwischen Insulin glargin- und NPH-Insulin-basierten Behandlungsregimen. Die vorliegende Datenbankanalyse bestätigt die Ergebnisse aus bereits vorhandenen Versorgungsforschungsstudien. Sekundärdatenanalysen liefern trotz methodischer Einschränkungen (mangelnde Strukturgleichheit) wichtige Erkenntnisse zum Verständnis des realen Versorgungsgeschehens und stellen für Entscheidungsträger deshalb eine wertvolle Ergänzung zu randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) dar.


Literatur

1.
Hauner H, Kohlmann T, Landgraf W, Holle R, Pirk O, Scholten T. Kosten fur antihyperglykamische Arznei- und Verbrauchsmittel und Therapiezufriedenheit bei Typ-2-Diabetes. Ergebnisse der Versorgungsforschungsstudie LIVE-DE. Dtsch Med Wochenschr. 2009;134(23):1207-13.
2.
Schöffski O, Breitscheidel L, Benter U, Dippel FW, Müller M, Volk M, Pfohl M. Resource utilisation and costs in patients with type 2 diabetes mellitus treated with insulin glargine or conventional basal insulin under real-world conditions in Germany: LIVE-SPP study. J Med Econ. 2008;11(4):695-712.
3.
Hagenmeyer EG, et al. MMW Fortschr Med Originalien II. 2009;151:63-70.