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Forum Medizin 21, 45. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin

Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Zusammenarbeit mit der Deutschen, Österreichischen und Südtiroler Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin

22.09. - 24.09.2011, Salzburg, Österreich

Sofortige versus bedarfsangepasste Antibiotikatherapie beim unkomplizierten Harnwegsinfekt – der Prüfplan einer vergleichenden Effektivitätsstudie in hausärztlichen Praxen

Meeting Abstract

  • corresponding author presenting/speaker Ildiko Gagyor - Abteilung Allgemeinmedizin Universitätsmedizin Göttingen, Göttingen, Deutschland
  • author Eva Hummers-Pradier - Institut für BiomeInstitut für Allgemeinmedizin Medizinische Hochschule Hannover, Hannover, Deutschland
  • author Michael Kochen - Abteilung Allgemeinmedizin Universitätsmedizin Göttingen, Göttingen, Deutschland
  • author Karl Wegscheider - Institut für Biometrie und medizinische Statistik, UKE Hamburg, Hamburg, Deutschland
  • author Jutta Bleidorn - Institut für Allgemeinmedizin Medizinische Hochschule Hannover, Hannover, Deutschland

45. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Forum Medizin 21. Salzburg, 22.-24.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11fom205

DOI: 10.3205/11fom205, URN: urn:nbn:de:0183-11fom2054

Veröffentlicht: 14. September 2011

© 2011 Gagyor et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Der akute Harnwegsinfekt (HWI) wird in der Regel durch Verordnung von Antibiotika effektiv behandelt. Aufgrund der Zunahme der resistenten uropathogenen Keime und der günstigen Prognose des akut-unkomplizierten HWIs haben die Autoren 2007/2008 eine Arzneimittelstudie als Pilotstudie zur Prüfung der Nichtunterlegenheit von Ibuprofen vs. Ciprofloxacin durchgeführt, deren Ergebnisse auf eine Nichtunterlegenheit der symptomatischen Therapie im Hinblick auf den Symptomverlauf hindeuten. Auf dieser Basis soll nun in einer Folgestudie (ICUTI – Immediate vs. conditional use of antibiotics in uncomplicated urinary tract infection) geprüft werden, ob in der Therapie des unkomplizierten Harnwegsinfektes ein abgestuftes Vorgehen mit zunächst symptomatischer Therapie – und antibiotischer Therapie nur wenn bei Beschwerdepersistenz erforderlich – eine Verminderung der Antibiotikaeinnahme ohne negativen Einfluss auf den Symptomverlauf bewirken kann.

Material und Methoden: ICUTI – eine Hersteller-unabhängige, BMBF-geförderte multizentrische Arzneimittelstudie – ist als Vergleich zweier Therapiestrategien (comparative effectiveness study) angelegt. 500 Patientinnen mit typischen HWI-Symptomen (Dysurie, Pollakisurie und Unterbauschmerzen) werden in 50 hausärztlichen Praxen in die Studie eingeschlossen. Das primäre Zielkriterium ist: 1) Anzahl antibiotischer Verschreibungen im Zeitraum Tag 0–28, kombiniert mit 2) Symptomlast im Zeitraum Tag 0–7 (Summe der Symptom-Scores). Sekundäre Zielkriterien (bezogen auf die Sicherheit) sind: Anzahl der Komplikationen (Pyelonephritis/Urosepsis) und der unerwünschten Ereignisse. Sekundäre Zielkriterien (bezogen auf die Wirksamkeit) sind: Antibiokaverbrauch (DDD, defined daily dose), Anzahl von Rezidiven, Anzahl symptomfreier Patientinnen, Symptomlast (AUC) und Lebensqualität. Die eingeschlossenen Patientinnen erhalten verblindet entweder einmalig 1 Placebo-Granulat und 3x1 Ibuprofen (400 mg) über 3 Tage und bei Wiedervorstellung mit anhaltenden Beschwerden eine antibiotische Therapie nach Antibiogramm oder einmalig Fosfomycin-Trometamol-Granulat (Monuril, 3g) und 3x1 Placebo Kapseln über 3 Tage.

Ergebnisse: Gemäß der Studienhypothese erwarten wir eine Überlegenheit in der Anzahl der AB-Verschreibungen in der Fosfomycin-Gruppe und eine Nichtunterlegenheit bei der Symptomlast zwischen Tag 0–7) und in der Interventionsgruppe.

Schlussfolgerung/Implikation: Die geplante Studie untersucht im hausärztlichen Bereich den Verzicht auf eine routinemäßige Antibiotikaverordnung als neues Behandlungskonzept für Patientinnen mit unkompliziertem Harnwegsinfekt. Die Ergebnisse können als die Evidenz für weitere Therapieempfehlungen Behandlung dienen