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EbM – ein Gewinn für die Arzt-Patient-Beziehung?
Forum Medizin 21
11. EbM-Jahrestagung

Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V.

25.02. - 27.02.2010, Salzburg, Österreich

Placebo und Nocebo: Klinische Relevanz

Meeting Abstract

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  • corresponding author Günther Bernatzky - Universität Salzburg, Naturwissenschaftliche Fakultät, Fachbereich für Organismische Biologie, Arbeitsgruppe für "Neurodynamics & Neurosignaling", Österreich Externer Link

EbM – ein Gewinn für die Arzt-Patient-Beziehung?. Forum Medizin 21 der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität & 11. EbM-Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin. Salzburg, 25.-27.02.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10ebm104

DOI: 10.3205/10ebm104, URN: urn:nbn:de:0183-10ebm1048

Veröffentlicht: 22. Februar 2010

© 2010 Bernatzky.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Bereits im 17. Jhd. haben Mediziner in England "inaktive" Medikamente als Placebo bezeichnet. Neueste Untersuchungen zeigen, dass Placebos nicht nur bei psychischen Erkrankungen wirken sondern auch bei Operationen, bei vielen Beschwerden organischer Genese, wie Karzinomschmerzen oder Parkinson.

Material/Methoden: Die Placeboanalgesie basiert auf der Stimulation neuronaler Hirnschaltkreise. und ist auf Grund klinischer Nachweise mit evidenzbasierten Studien erarbeitet. Es zeigt sehr gut die kognitive Relevanz von Erwartung und Glaube.

Ergebnisse: Der Placeboeffekt wird über die klassische Konditionierung, dem Wunsch der PatientInnen nach Linderung und ihrer Erwartungshaltung bestimmt. So kann die wiederholte Gabe von effektiven Analgetika den Placeboeffekt erhöhen, da damit die Erwartungshaltung steigt. Der Grad der Erwartung bei den PatientInnen bestimmt die Größe des Placeboeffektes wesentlich mit. So ist auch zu erklären, warum ein Placebo effektiver ist, wenn man es nach einer Behandlung mit wirksamen Analgetika verabreicht, als wenn nach einer ersten Placebobehandlung eine weitere durchgeführt wird. Das hat gerade in Zusammenhang mit Generika eine hohe Bedeutung. Das durch Placebo aktivierte endogene Opioidsystem hat eine präzise somatotopische Organisation. Eine hohe spezifische Placeboantwort kann in spezifischen Teilen des Körpers hervorgerufen werden. Diese lokale Placeboantwort kann durch Naloxon blockiert werden. Der Nocebo-Effekt hingegen ist die Umkehr des Placebo-Effekts, wobei die Erwartung eines negativen Ereignisses (z.B. negative Diagnose) zu einer Verschlechterung eines Symptoms führen kann. Dabei können allein schon negative begriffliche Vorstellungen (Wörter) Angst über die Zunahme von Schmerzen solche auslösen. Das beeinflusst die Aktivierung von Cholecystokinin (CCK), die erneut die Schmerzübertragung verstärkt. CCK hebt die Wirkung der endogenen Opioide auf und antagonisiert die Placeboanalgesie. CCK kann auch – falls Patienten zu große Ängste bzw. Erwartungshaltungen haben - für die gehäuften Nebenwirkungen bei der Einnahme von Medikamenten verantwortlich sein. Während die Hyperalgesie ausgelöst wird, kommt es zu einer Steigerung der Stresshormone ACTH und Cortisol. Der Nocebo-Effekt kann in der Praxis beobachtet werden, wenn negative Diagnosen gestellt werden: Hier kann es dazu führen, dass auf Grund der negativen Erwartungshaltung die vermuteten Symptome noch mehr verstärkt werden. Damit ist die Behandlung beeinträchtigt.

Schlussfolgerungen: Die Zuwendung, die Überzeugungskraft und der Charme des Arztes sowie die Umgebung dürften ebenso wichtig sein, wie etwa die Farbe der Tablette! Negative Gesundheitswarnungen von Massenmedien im Westen bzw. „Black magic – wie Voodoo magic“ in anderen Gesellschaften haben in der Wirkung von verschiedenen Therapien eine entscheidende große Rolle und können u.U. auch zur Verschlechterung des Zustandes führen!


Literatur

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