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EbM – ein Gewinn für die Arzt-Patient-Beziehung?
Forum Medizin 21
11. EbM-Jahrestagung

Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V.

25.02. - 27.02.2010, Salzburg, Österreich

Frauenspezifische Risiken für unerwünschte Wirkungen von Arzneimitteln zur Behandlung maligner Erkrankungen: ein systematisches Review

Meeting Abstract

EbM – ein Gewinn für die Arzt-Patient-Beziehung?. Forum Medizin 21 der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität & 11. EbM-Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin. Salzburg, 25.-27.02.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10ebm091

DOI: 10.3205/10ebm091, URN: urn:nbn:de:0183-10ebm0912

Veröffentlicht: 22. Februar 2010

© 2010 Lucke et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Bei der Auswertung von pharmakoepidemiologischen Studien und von Datenbanken für unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) fällt auf, dass UAW bei Frauen häufiger als bei Männern gemeldet werden. Dafür ist vermutlich eine Vielzahl von Gründen verantwortlich, wie z.B. physiologische und psychosoziale Geschlechtsunterschiede. Dies gilt auch für Arzneimittel, die in der Therapie maligner Erkrankungen eingesetzt werden. Eine systematische Übersicht über publizierte Kenntnisse zu UAW von Arzneimitteln, die in der Behandlung maligner Erkrankungen eingesetzt werden und mit einem hohen Risiko für UAW bei Frauen assoziiert sind, fehlt derzeit.

Material/Methoden: In der Datenbank PubMed wurde eine systematische Literaturrecherche, u.a. nach den Mesh-Terms “Cytostatic Agents", "Cytotoxins" und "Antineoplastic Agents" verknüpft mit “Sex" oder "Women", durchgeführt. Außerdem wurde in den von PubMed aufgeführten „Related Articles“ gesucht. Informationen der eingeschlossenen Literaturstellen wurden in Tabellen extrahiert und ausgewertet. Zur Qualitätsbeurteilung der eingeschlossenen Studien wurden Checklisten des National Health Service, Großbritannien, verwendet (http://www.phru.nhs.uk/pages/PHD/resources.htm).

Ergebnisse: Die Literatursuche ergab insgesamt 9101 potentiell relevante Literaturstellen, von denen unter Beachtung der Ein- und Ausschlusskriterien 51 Publikationen eingeschlossen wurden, darunter 14 Übersichtsarbeiten. Das vermehrte Auftreten von UAW bei Frauen wurde in den eingeschlossenen Publikationen bei der Therapie einer Vielzahl von malignen Erkrankungen beschrieben, so u.a. von gastrointestinalen Tumoren (Nennungen in der Literatur n=23), Leukämien und Lymphomen (n=18) und Bronchialkarzinomen (n=9). Das erhöhte Risiko für UAW bei Frauen wurde für viele gebräuchliche Zytostatika gezeigt, darunter u.a. Fluorouracil (n=18), Doxorubicin (n=12), Etoposid (n=10), Cisplatin (n=9), Cyclophosphamid (n=9) und Vincristin (n=8). Im Vergleich zu Männern traten bei Frauen vermehrt nicht-hämatologische UAW, wie z.B. Diarrhoe, Nausea, Emesis, Mucositis sowie das Hand-Fuß-Syndrom und hämatologische UAW, wie Anämie, Leuko- und Thrombozytopenie auf.

Schlussfolgerung/Implikation: Bei der zytostatischen Therapie einer Vielzahl von malignen Erkrankungen sind bei Frauen im Vergleich zu Männern ein vermehrtes Auftreten von UAW beschrieben worden, so z.B. bei Verwendung von Pyrimidin-Analoga, Anthrazyklinen und Platin-haltigen Verbindungen. Um frühzeitig geeignete Maßnahmen, wie z.B. eine wirksame Antiemese einzuleiten, ist eine besondere Aufmerksamkeit erforderlich.