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EbM – ein Gewinn für die Arzt-Patient-Beziehung?
Forum Medizin 21
11. EbM-Jahrestagung

Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V.

25.02. - 27.02.2010, Salzburg, Österreich

Generalist und Spezialist an einem Tisch

Meeting Abstract

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  • corresponding author Susanne Träger - Abteilung für Allgemeinmedizin, Präventive und Rehabilitative Medizin, Marburg, Deutschland

EbM – ein Gewinn für die Arzt-Patient-Beziehung?. Forum Medizin 21 der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität & 11. EbM-Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin. Salzburg, 25.-27.02.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10ebm083

DOI: 10.3205/10ebm083, URN: urn:nbn:de:0183-10ebm0837

Veröffentlicht: 22. Februar 2010

© 2010 Träger.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Die Allgemeinmedizin, als ein wesentlicher Teil des Gesundheitssystems, stellt einen Großteil der medizinischen Versorgung der Bevölkerung sicher [1]. Im Jahr 2007 wurden im Rahmen eines deutschen Gesundheitsreportes durchschnittlich 17,9 Arztkontakte pro Person und Jahr dokumentiert. Allein beim Hausarzt waren es 7,1 Kontakte/Pat/Jahr [1]. Die demografische Entwicklungspyramide lässt annehmen, dass die Zahl chronisch Kranker, die von mehreren Disziplinen betreut werden müssen, weiter ansteigt. Sektoren übergreifende Behandlungsformen, wie die managed care in den USA [2] sind in Deutschland in Teilen in Programmen der „integrierten Versorgung chronisch Kranker“ (disease management program) [3], [4] eingeführt worden. Auf der Grundlage von Behandlungsleitlinien soll die Qualität der Versorgung und deren Kosteneffektivität kontinuierlich verbessert werden. Sie sind hierzu ein hocheffizientes Mittel, um eine gut abgestimmte, kontinuierliche und evidenzbasierte Betreuung und Behandlung zu erreichen. Der Prozess der daraufbasierenden Umsetzung im Alltag ist träge und eine Hoffnung auf bessere Implementierung stellt der lokal erarbeitete Behandlungspfad dar [5], [6], [7], [8], [9].

In der vorliegenden Studie wird die Entwicklung und Implementierung eines Behandlungspfades für KHK-Patienten im Konsens von Allgemeinmedizinern und Kardiologen eines Ortes beobachtet.

Material und Methoden: Es wurden die Hausärzte und niedergelassenen Kardiologen einer 80.000 Einwohner- Stadt eingeladen, um einen gemeinsamen Behandlungspfad für KHK-Patienten zu entwickeln. Nach einer Vorbesprechung verblieben 24 Kollegen (davon 4 Kardiologen) in der Gruppe. Allen wurde die nationale Versorgungsleitlinie chron. KHK (BRD), die Degam-Leitlinie Herzinsuffizienz und aktuelle Forschungsergebnisse zu den üblichen Medikamenten, möglichen Labor- und technischen Untersuchungen sowie zur Bedeutung des Lebensstils und des Verhaltens chronisch Kranker ausgehändigt. Die Bereiche Medikation, Konsultation und Dokumentation wurden in Kleingruppen besprochen und zur Konsensfindung in der Gesamtgruppe diskutiert. Das Ergebnis wurde jedem Teilnehmer als „Tischversion“ ausgehändigt.

Die Implementierung wird in drei verschiedenen Arztgruppen beobachtet: 1. Gruppe: Entwickler des Behandlungspfades, 2. Gruppe: bekommen das Informationsmaterial und die Tischversion des Behandlungspfades ausgehändigt, 3. Gruppe: Kontrollgruppe in einer anderen Stadt, ohne Informationsmaterial, ohne Behandlungspfad. Es erfolgt eine qualitative und quantitative Erhebung bei Behandlern und Patienten sowie eine Dokumentation der Umsetzung des Behandlungspfades über 12 Monate.

Ergebnisse: Leitlinien-Vorgaben und aktuelle Forschungsergebnisse wurden im Einvernehmen von Allgemeinärzten und Spezialisten in einem medikamentösen Behandlungspfad sowie Vorgaben zur Patientenbetreuung und Konsultationsfrequenz niedergelegt. Die Auswertung der ersten Datenerhebung erfolgt zurzeit und wird präsentiert.

Bei Durchsicht der ersten Datenerhebung zeigen sich häufige Abweichungen vom Behandlungspfad in Gruppen 1 und 2, viele erfolgen bewusst und begründet, manche werden noch eruiert. Gruppe 3 behandelt bei der medikamentösen Therapie häufig leitliniengerecht.

Schlussfolgerung/Implikation: Allgemeinärzte und Spezialisten können respektvoll und ergebnisorientiert miteinander diskutieren und Kompromisse aushandeln, die von allen Beteiligten mitgetragen werden.

Der Aufwand mit der Entwicklung eines lokalen Behandlungspfades, verbunden mit der Hoffnung auf intensivierte leitliniengerechte Therapie, ist bei der ersten Datensichtung eher nicht gerechtfertigt, auch, weil leitliniengerechte Therapie in der Kontrollgruppe oft anzutreffen ist.


Literatur

1.
Grobe TG, Dörning H, Schwartz FW, ISEG Institut für Sozialmedizin E+G. GEK-Report ambulant-ärztliche Versorgung 2008 Auswertung der GEK-Gesundheitsberichtserstattung, Schwerpunkt: Erkrankung und zukünftige Ausgaben. St. Augustin: Asgard-Verlag; 2008.
2.
Forrest CB. Primary care in the United States: primary care gatekeeping and referrals: effective filter or failed experiment? BMJ. 2003;326(7391):692-695.
3.
Bundesversicherungsamt (BVA). Zulassung der Disease Management Programme (DMP) durch das Bundesversicherungsamt (BVA). 2008. 1-2-2009. Available from: http://www.bundesversicherungsamt.de/cln_100/nn_1046648/DE/DMP/dmp__node.html?__nnn=true Externer Link
4.
Petro W, Schulenburg JM, Greiner W, Weithase J, Schülke A, Metzdorf N. Effizienz eines Disease Management Programmes bei Asthma. Pneumologie. 2005;59:101-107.
5.
Campbell H, Hotchkiss R, Bradshaw N, Porteous M. Integrated care pathways. BMJ. 1998;316(7125):133-137.
6.
Gerlach FM, Beyer M, Szecsenyi J, Fischer GC. Leitlinien in Klinik und Praxis: Welche Anforderungen sollten moderne Leitlinien erfüllen? Welche Strategien zur Entwicklung, Verbreitung und Implementierung haben sich bewährt? Welchen Beitrag können Leitlinien zur Qualitätsförderung in der Medizin leisten? Dtsch Arztebl. 1998;95(17):A-1014.
7.
Rosen R APDA. Improving chronic disease management, an anglo-american exchange. Kings Fund sr, editor. London: King´s Fund; 1-11-2007
8.
Scheffler R, Bodenheimer T, Lombardo P, Starfield B, Morris W, Treadway K et al. The future of primary care--the community responds. N Engl J Med. 2008;359(25):2636-2639.
9.
Weingarten SR, Henning JM, Badamgarav E, Knight K, Hasselblad V, Gano A, Jr. et al. Interventions used in disease management programmes for patients with chronic illness-which ones work? Meta-analysis of published reports. BMJ. 2002;325(7370):925.