gms | German Medical Science

EbM – ein Gewinn für die Arzt-Patient-Beziehung?
Forum Medizin 21
11. EbM-Jahrestagung

Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V.

25.02. - 27.02.2010, Salzburg, Österreich

Welche Informationsquellen nutzen niedergelassene Ärzte in Österreich und der Schweiz? „Herr Doktor, googeln sie mal…“

Meeting Abstract

EbM – ein Gewinn für die Arzt-Patient-Beziehung?. Forum Medizin 21 der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität & 11. EbM-Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin. Salzburg, 25.-27.02.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10ebm033

DOI: 10.3205/10ebm033, URN: urn:nbn:de:0183-10ebm0330

Veröffentlicht: 22. Februar 2010

© 2010 Hansbauer et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Hintergrund: Im Laufe einer Arztkarriere multipliziert und überholt sich das medizinische Wissen mehrfach. Eine qualitative Patientenbetreuung ist daher nicht ohne ständige Aktualisierung des eigenen Wissenstandes garantiert. Welche Informationsquellen niedergelassene Ärzte in Österreich und der Schweiz nutzen, wenn in ihrem Praxisalltag Fragen auftauchen, versuchten wir im Rahmen einer Fragebogenaktion herauszufinden.

Material/Methoden: 1056 niedergelassene Ärzte in Österreich und der Schweiz, die sich für einen Online-Rechercheservice registriert hatten, erhielten im Juni 2009 per Email und in einer Nachfassaktion per Post einen Fragebogen. Abgefragt wurde das Vorgehen bei Unsicherheit bezüglich Diagnostik oder Therapie in der täglichen Praxis. Mittels vierteiliger Likert-Skalen konnten vorgegebene Antworten bewertet werden („trifft sehr zu“ bis „trifft überhaupt nicht zu“). Für diese Auswertung wurden die zwei positiven und die zwei negativen Ausprägungen zusammengefasst. Zur Angabe der verwendeten Internetquellen stand ein offenes Textfeld zur Verfügung.

Ergebnisse: 237 Ärzte beantworteten den Fragebogen bis Juli 2009, was einer Rücklaufquote von 22% entspricht. Von diesen Ärzten verwenden 81% Lehrbücher, 80% geben an, bei Unsicherheit Kollegen zu konsultieren, und 61% recherchieren im Internet. Die am häufigsten genannten Internetquellen sind Google (25%), Pubmed (18%), Wikipedia (14%), Cochrane Library (9%) sowie Uptodate (9%). Etwa ein Fünftel der angegebenen Internetquellen bietet aufbereitete evidenzbasierte Informationen. Nur 14% der Ärzte geben an, kostenpflichtige, evidenzbasierte Datenquellen zu nutzen. 80% der Ärzte stimmen zu, wo immer möglich evidenzbasiert zu arbeiten, wohingegen ein Viertel meint, es käme nie vor, dass sie hinsichtlich Diagnostik oder Therapie unsicher seien.

Schlussfolgerung/Implikation: Das Lehrbuch sowie der Austausch unter Kollegen sind auch in Zeiten der elektronischen Vernetzung die wichtigsten Informationsquellen für niedergelassene Ärzte. Das Internet mit der Möglichkeit aktuelle, evidenzbasierte Informationen rasch und direkt am Arbeitsplatz abzurufen rangiert hingegen mit deutlichem Abstand an dritter Stelle. Obwohl ein Großteil der Ärzte angibt, evidenzbasiert zu arbeiten, nutzt nur ein kleiner Teil tatsächlich evidenzbasierte Datenquellen. Auch, dass ein Viertel der Ärzte meint, im Praxisalltag niemals unsicher zu sein, ist aus Sicht der evidenzbasierten Medizin eher bedenklich.