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EbM in Qualitätsmanagement und operativer Medizin
8. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin e. V.

Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V.

22.03. - 24.03.2007 in Berlin

Einführung in die Arbeit der Stiftung Warentest

Meeting Abstract

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  • corresponding author Gerd Glaeske - Zentrum für Sozialpolitik (ZeS), Universität Bremen, Bremen, Deutschland

EbM in Qualitätsmanagement und operativer Medizin. 8. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin e. V.. Berlin, 22.-24.03.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07ebm043

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/ebm2007/07ebm043.shtml

Veröffentlicht: 15. März 2007

© 2007 Glaeske.
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Gliederung

Text

Die Stiftung Warentest ist die größte Institution in Europa, die sich seit nunmehr 40 Jahren mit Tests von Verbrauchsgütern und Dienstleistungen beschäftigt und Bewertungen vergibt, die eine Nachfrage durch die Verbraucherinnen und Verbraucher beeinflussen und lenken soll. Positive Bewertungen von Verbrauchsgütern oder Dienstleistungen werden mehr und mehr von den Herstellern der Güter oder den jeweiligen Dienstleistern im Wettbewerb für die eigene Positionierung gegenüber anderen Anbietern genutzt.

Seit Mitte der 80er Jahre hat sich die Stiftung Warentest auch mehr und mehr dem Medizinbereich zugewendet, zunächst noch immer mit Tests im eigentlichen Sinn (z.B. bei Blutzucker- und Blutdruckmessgeräten oder Insulinpens), später aber auch zusätzlich mit Bewertungen von Arzneimitteln, die auf der Basis von vergleichender Literaturauswertung veröffentlicht wurden. Dazu wurde auf eine Methodik erarbeitet, die auf Vorarbeiten im Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin zurückging, das seit 1980 den „Bewertenden Arzneimittel-Index“ (Hrsg. E. Greiser, medpharm Verlag) publizierte, eine Bewertung von Arzneimitteln aus einzelnen Indikationsgebieten nach „Therapeutischer Wirksamkeit“, der „Bewertung in der Indikationsklasse“ und – bei Kombinationen – nach der „Beurteilung der Kombination“. Damit wurden in der Stiftung Warentest schon frühzeitig Prinzipien der evidenzbasierten Medizin zumindest im Bereich der Arzneimittelbewertungen angewendet. Die Bewertungskategorien orientierten sich in den ersten Jahren an den Kategorien des „Bewertenden Arzneimittel-Index (Geeignet, wahrscheinlich geeignet, nicht zu empfehlen, nicht sinnvoll zusammengesetzt).

Die Ergebnisse der Arzneimittelbewertungen, die in der 80er und dem Beginn der 90er Jahre vorzugsweise in der Monatszeitschrift ‚test“ publiziert wurden, waren nach dem Buch „Bittere Pillen“ die ersten, die in ihrer Diktion und der Darstellung speziell für Verbraucherinnen und Verbraucher erstellt wurden. Sie gingen auch in Ratgeber der Stiftung Warentest ein, die immer häufiger zu einzelnen Indikationsgebieten angeboten wurden (z.B. zu Akne, Rückenbeschwerden, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen usw.).

Wenn es auch bei einzelnen Publikationen Abweichungen von dieser strengen Bewertungsmethodik gab (so z.B. beim ersten Handbuch Selbstmedikation aus dem Jahr 1995, das neben den Kriterien geeignet, weniger geeignet oder nicht geeignet auch solch merkwürdige Bewertungen wie umstritten oder anwendbar nutzte), wurden ab dem im Jahre 2000 erstmals publizierten „Handbuch Medikamente“ auf der Basis einer klar formulierten Methodik Bewertungen erarbeitet. Diese Methodik hat sich an den sich immer weiter entwickelten Kriterien der evidenzbasierten Medizin orientiert, evaluiert die Primär-. Sekundär- und Tertiärliteratur und sichert die Bewertungen zusätzlich durch ein Expertengremium ab. Die bisher erschienenen Bücher (in der Zwischenzeit die 6. Auflage des „Handbuchs Medikamente“ und die 2. Auflage des 2002 neu publizierten „Handbuchs Selbstmedikation“) sind damit auch international wichtige Beispiele für eine Verbraucherinformation über derzeit ca. 5.000 einzelne Arzneimittel, die auf der Basis von EbM-Prinzipien bewertet wurden. Die Reaktion der pharmazeutischen Hersteller – bisher 85 Klagandrohungen und 14 Gerichtsprozesse vor allem im Bereich der 20 – 30% negativ bewerteten Mittel – hat in keinem Fall zu Veränderungen der Beurteilungen geführt.

Die bei den Arzneimittelbewertungen etablierte Methodik hat sich – mit Varianten – auch bei anderen Publikationen der Stiftung Warentest durchgesetzt, so z.B. bei einem Buch über Früherkennung bei Krebs, über Depressionen oder über Demenz. Diese Beispiele zeigen, dass die Stiftung Warentest Schrittmachendienste dafür leistet, der evidenzbasierten Medizin auf breiter Ebene zur Umsetzung zu verhelfen. Alle Bewertungen sind in der Zwischenzeit auch online einzusehen (http://www.medikamente-im-test.de).