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EbM in Qualitätsmanagement und operativer Medizin
8. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin e. V.

Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V.

22.03. - 24.03.2007 in Berlin

S2-Leitlinien zur Therapie der Sepsis: Generation von Empfehlungen am Beispiel des Eingriffs in das Gerinnungssystem (aktiv. Protein C und Antithrombin)

Meeting Abstract

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EbM in Qualitätsmanagement und operativer Medizin. 8. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin e. V.. Berlin, 22.-24.03.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07ebm012

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/ebm2007/07ebm012.shtml

Veröffentlicht: 15. März 2007

© 2007 Wiedermann.
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Gliederung

Text

Hintergrund

Im Gegensatz zu den beiden endogenen Antikoagulantien Antithrombin und Tifacogin, die in zwei großen Studien an Patienten mit schwerer Sepsis ohne Wirksamkeit blieben, hat das dem aktivierten Protein C entsprechende Drotrecogin alfa (aktiviert) die Sepsismortalität in einer dritten großen Studie gesenkt. Es wird in S2-Leitlinien als Behandlungsstandard zur Therapie der Sepsis empfohlen.

Methoden

Ergenisse von Phase IV Studien und eine Analyse der Registrierungsunterlagen sollen den Stellenwert von Drotrecogin alfa (aktiviert) reevaluieren.

Ergebnisse

Für die Registrierung dieses neuartigen Medikaments war diese eine Phase III Studie (PROWESS) vorgelegt worden, bei der jedoch mehrere interne und externe Validitätsprobleme festgestellt wurden. Da zudem noch insgesamt wenig über Drotrecogin alfa bekannt war, blieb die Zulassung des Drotrecogin alfa (aktiviert) in den wesentlichen Ländern auf eine Subgruppe der in PROWESS untersuchten Patienten beschränkt, und sie wurde an Auflagen gekoppelt. Die Randomisierung der Patienten für diese Subgruppe war nicht stratifiziert erfolgt. Bedenken bezüglich der Sicherheit und Wirksamkeit von Drotrecogin alfa haben sich zudem verstärkt, seit die Ergebnisse eines Teils der auferlegten Phase IV Studien (ADDRESS, PROWESS Langzeituntersuchung und die pädiatrischen Studien) bekannt geworden sind. Auf Basis der verfügbaren Evidenz fällt es daher schwer, rationale und sichere Empfehlungen für den Einsatz von Drotrecogin alfa bei schwerer Sepsis auszusprechen obwohl dies in umstrittenen Leitlinien, die unter finanzieller Förderung der Herstellerfirma von Drotrecogin alfa (aktiviert) erarbeitet wurden.

Schlussfolgerung

Weitere klärende Studien sind dringend notwendig und gefordert. Registrierungsbehörden sind aufgerufen, die Zulassung von Drotrecogin alfa zu überdenken und dabei jene Kriterien zu berücksichtigen, die in ihren eigenen Richtlinien enthalten sind für den Fall, dass die Authorisierung für das Inverkehrbringen von Arzneimittel auf Basis einer einzigen, zentralen Phase III Studie erfolgen soll. Die geforderte Studie soll verhindern, dass Patienten womöglich eine unwirksame oder gar tödliche Behandlung der Sepsis erhalten.