gms | German Medical Science

10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung, 18. GAA-Jahrestagung

Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e. V.
Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie e. V.

20.-22.10.2011, Köln

Welche präventiven Leistungen werden im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) präferiert?

Meeting Abstract

Suche in Medline nach

10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung. 18. GAA-Jahrestagung. Köln, 20.-22.10.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dkvf244

DOI: 10.3205/11dkvf244, URN: urn:nbn:de:0183-11dkvf2445

Veröffentlicht: 12. Oktober 2011

© 2011 Salzmann et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Hintergrund: Prävention hat in der Bevölkerung einen höheren Stellenwert als andere Versorgungsbereiche wie z.B. Kuration [1], [2]. Wenig bekannt ist jedoch, welche Leistungen innerhalb der Prävention als besonders wichtig angesehen werden. Die vorliegende Studie untersucht aus Sicht der Bevölkerung, welche ausgewählten präventiven Leistungen der GKV Priorität haben. Darüber hinaus wird getestet, welchen Einfluss soziodemographische Merkmale auf die Priorisierungsentscheidungen von Befragten nehmen.

Material und Methoden: Es wurde eine Querschnittserhebung mittels computergestützter persönlicher Interviews (CAPI) durchgeführt. Insgesamt nahmen 103 Personen (51,5% Frauen vs. 48,5% Männer im Alter von 19–79 Jahren) aus Bremen und dem Bremerumland teil. Die Befragten sollten bestimmen, welche vorgegebenen präventiven Leistungen im Rahmen der GKV ausgeweitet, gleich bleibend oder eingespart werden sollten. Als Merkmale, die auf Priorisierungsentscheidungen Einfluss nehmen können, wurden soziodemographische Merkmale (Alter, Geschlecht, sozioökonomischer Status), Merkmale der körperlichen Gesundheit (Krankheitsstatus) sowie das Gesundheitsverhalten (körperliche Aktivität, Body-Mass-Index als Maß für den Gewichtsstatus, Alkohol- und Tabakkonsum) untersucht. Die Datenanalyse umfasst Chi-Quadrat-Tests und logistische Regressionsanalysen.

Ergebnisse: Die Mehrheit der Befragten befürwortet eine Stärkung präventiver Leistungen bzw. den Erhalt des Status quo; nur eine Minderheit sah hier Einsparmöglichkeiten. Besonders gewünscht wurde z.B. eine Ausweitung von Setting-Projekten in Lebensbereichen wie Schulen oder Altenheimen (81,6%), Krebsfrüherkennungsuntersuchungen (71,8%) und Gesundheits-Check-Ups (63,1%). Als Leistungen, die auf dem jetzigen Niveau gehalten werden sollten, wurden mehrheitlich Impfungen (62,1%) und Selbsthilfegruppen (60,2%) genannt. Am häufigsten wurden unter dem Aspekt Leistungsreduzierung „Gesundheitskurse zur Suchtentwöhnung“ mit 10,7% angeführt. Insgesamt erweist sich besonders der Krankheitsstatus als Einflussfaktor auf die Präferenzentscheidungen von präventiven Leistungen.

Schlussfolgerung: Insgesamt wurde im Rahmen der Befragung deutlich, dass die Befragten mit der Versorgung von einigen präventiven Leistungen zufrieden sind, andererseits aber auch Versorgungslücken gesehen werden. Des Weiteren wurde aufgrund von gewünschten Einsparungen im Bereich der Suchtprävention partiell eine Akzeptanz des Eigenverantwortungsprinzips deutlich.

Für die Festlegung der zu finanzierenden präventiven Leistungen ist von großer Bedeutung, dass die Präferenzen unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen wie z.B. kranke und gesunde Bürger festgestellt und berücksichtigt werden.


Literatur

1.
Kneeshaw J. What does the public think about rationing? A review of the evidence. In: New B, ed. Rationing Talk and Action in Heath Care. London: British Medical Journal Publishing Group; 1997.
2.
Mossialos E, King D. Citizen and rationing: analysis of European survey. Health Policy. 1999;49:75-135.