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10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung, 18. GAA-Jahrestagung

Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e. V.
Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie e. V.

20.-22.10.2011, Köln

TNF-alpha-Blocker: Versorgungssituation und regionale Unterschiede

Meeting Abstract

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10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung. 18. GAA-Jahrestagung. Köln, 20.-22.10.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dkvf216

DOI: 10.3205/11dkvf216, URN: urn:nbn:de:0183-11dkvf2162

Veröffentlicht: 12. Oktober 2011

© 2011 Windt et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: TNF-alpha-blockierende Medikamente erweitern seit einigen Jahren das Therapiespektrum bei diversen entzündlichen Erkrankungen wie Morbus Crohn, Psoriasis und insbesondere der rheumatoiden Arthritis. Diese hochpreisigen Arzneimittel gelten als relevanter Ausgabentreiber in der gesetzlichen Krankenversicherung, obwohl sie gemäß der Therapie-Leitlinien in der Regel erst in „zweiter Reihe“ zum Einsatz kommen sollen. Ziel dieser Untersuchung ist es, die Versorgungssituation bei TNF-alpha-Blockern zu beschreiben und insbesondere auch regionale Unterschiede in Deutschland auf Kreisebene darzustellen [1].

Material und Methoden: Arzneimittel-Verordnungen der BARMER GEK aus dem Jahr 2010 stellten die Datenbasis dar. Berücksichtigt wurden Daten von 9,1 Mio. Personen, die im Jahr 2010 mind. einen Tag in dieser Krankenkasse versichert waren. Die Verordnungen von TNF-alpha-Inhibitoren wurden anhand der Codierung des Anatomisch-Therapeutisch-Chemischen (ATC) – Arzneimittelklassifikationssystems selektiert. Zur Messung der Verordnungsvolumina wurden definierte Tagesdosen (DDD) verwendet. Um die Pro-Kopf-Werte zu berechnen, wurde die Anzahl Versicherter von allen 413 Kreisen und kreisfreien Städten (Stand: 2009) als Bezugsgröße ermittelt. Mithilfe des Statistikprogramms SAS für Windows in der Version 9.2 wurde die Bearbeitung und Analyse der Daten durchgeführt. Die kartographische Darstellung auf Kreisebene erfolgte mit der Geoinformations-Software ESRI ArcGIS® in der Version 10.0.

Ergebnisse: Im Jahr 2010 wurden innerhalb des untersuchten Kollektivs 45.229 Packungen bzw. 3,2 Mio. definierte Tagesdosen von TNF-alpha-Blockern verschrieben. Diese generierten einen Gesamtapothekenumsatz von 163,2 Mio. Euro. Bezogen auf die gesamten Arzneimittelausgaben innerhalb der untersuchten Krankenkassenpopulation wird damit ein Anteil von 4,1 % erreicht. Im Mittel kostet eine DDD dieser Wirkstoffgruppe 51,61 Euro. Für 10.078 Patienten wurden entsprechende Medikamente verordnet, was innerhalb der Krankenkassenpopulation einer Verordnungsprävalenz von lediglich 111 je 100.000 Personen entspricht. Es erhielten 92 von 100.000 männlichen (n=3.480) sowie 125 von 100.000 weiblichen Personen (n=6.598) mindestens eine Verordnung eines TNF-alpha-Blockers.

Beim mittleren Umsatz pro Versichertem mit TNF-alpha-Blockern sind auf Kreisebene deutliche regionale Konzentrationen erkennbar: Vor allem in Kreisen vieler östlicher Bundesländer liegt der Pro-Kopf-Arzneimittelumsatz bei diesen Mitteln über 30 Euro, während im Westen und Süden Deutschlands häufig nicht einmal die 15-Euro-Schwelle überschritten wird. Für einen Versicherten im Osten werden im Mittel 28 Euro für TNF-alpha-Blocker ausgegeben, im Westen sind es durchschnittlich 15 Euro.

Schlussfolgerung: TNF-alpha-blockierende Arzneimittel stellen mit ihren hohen Tagestherapiekosten einen großen Kostenfaktor im Gesundheitssystem dar. Obwohl nur relativ wenige Versicherte mit diesen Mitteln versorgt werden, hat die Substanzgruppe einen relevanten Anteil an den Arzneimittelausgaben. Nach den Ergebnissen dieser Untersuchung sind die Pro-Kopf-Ausgaben für TNF-alpha-Blocker im Osten der BRD deutlich höher als im Westen. Die Gründe für diese Differenzen sind unklar.

Neben der Förderung eines leitliniengerechten Einsatzes können z. B. Reimport-Abgaben und ggfs. durchdachte Arzneimittel-Rabattverträge dazu beitragen, Ausgaben zu reduzieren. Biosimilars, die typischerweise preisgünstiger sind, gibt es mit entsprechenden Wirkstoffen derzeit nicht auf dem Markt.


Literatur

1.
[1] Windt R (2011). Biologicals und Biosimilars. In: Glaeske G, Schicktanz C (Hrsg.). BARMER GEK Arzneimittelreport 2011, 243-259. St. Augustin: Asgard.