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7. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung des Deutschen Netzwerks für Versorgungsforschung

16. - 18.10.2008, Köln

Welche Patienten zeigen eine funktionelle Verschlechterung nach Hüft-Endoprothetik? Ergebnisse einer gematchten Fallkontrollstudie

Meeting Abstract

  • Adrienne Plauskat - Private Universität Witten/Herdecke, Institut für Medizinische Biometrie und Epidemiologie, Witten
  • Claudia Wojciechowski - Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Dresden
  • Nadine Albers - Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Dresden
  • Klaus-Peter Günther - Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Dresden
  • Frank Krummenauer - Private Universität Witten/Herdecke, Institut für Medizinische Biometrie und Epidemiologie, Witten

7. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung des Deutschen Netzwerks für Versorgungsforschung. Köln, 16.-18.10.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. DocP2.8

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dkvf2008/08dkvf143.shtml

Veröffentlicht: 6. Oktober 2008

© 2008 Plauskat et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Die Literatur berichtet bis zu 10% Verläufe, bei denen sich eine funktionelle Verschlechterung nach Hüft-Endoprothetik ergibt. In einer gematchten Fallkontrollstudie sollte geprüft werden, ob sich Patienten mit einem Anstieg des WOMAC-Index nach Hüft-Endoprothetik von Patienten mit postoperativer Verschlechterung hinsichtlich präoperativer Charakteristika unterscheiden, aus denen eine Vorhersage zum erwartbaren Ergebnis abgeleitet werden kann.

Methoden: Seit 2005 wird in Unterstützung der Deutschen Arthrosehilfe e.V. an der Orthopädischen Universitätsklinik Dresden ein prospektives Register geführt, in dem alle Hüftoperationen hinsichtlich ihres Ergebnisses dokumentiert werden. Es werden vor und sechs Monate nach OP jeweils die spezifische Lebensqualität (WOMAC) sowie die gesundheitsbezogene Lebensqualität (EuroQol) bestimmt. Bis inclusive Juli 2007 konnten 516 hüftendoprothetische Eingriffe über sechs Monate dokumentiert werden, unter denen 20 (4%) postoperativ eine Verschlechterung im WOMAC-Index zeigten. Diese 20 Fälle wurden mit 20 Kontrollen 1:1 gematcht hinsichtlich Geschlecht, Alter und BMI sowie ihres präoperativen WOMAC-Index. Die Fälle zeigten ein medianes Alter von 61, die Kontrollen von 62 Jahren bei medianen BMIs von 26 bzw. 27 kg/qm (Anteil Patientinnen jeweils 40%). Der mediane WOMAC-Index vor OP betrug jeweils 48%. Die Fälle zeigten eine mediane Verringerung um 6% sechs Monate nach OP, die Kontrollen einen medianen Anstieg um 47%.

Ergebnisse: Die Fälle zeigten einen medianen Anstieg des EuroQol-Nutzenwerts um 20%, die Kontrollen um 25%; Fälle und Kontrollen unterschieden sich dabei nicht statistisch signifikant (Vorzeichentest p=0.359). Fünf der sechs Dimensionen des EuroQol suggerierten jedoch vor OP für die Fälle einen höheren Leidensdruck als für die Kontrollen: Beispielsweise im Angst- und Depressions-bezogenen Item berichteten 42% der Fälle vor OP merkliche Einschränkungen gegenüber 26% der Kontrollen (McNemar p=0.452), nach OP 30% versus 0% (p=0.125). Im auf die Beweglichkeit bezogenen Item berichteten vor OP 90% der Fälle merkliche Einschränkungen gegenüber 74% der Kontrollen (p=0.250), nach OP 53% der Fälle gegenüber 26% der Kontrollen (p=0.180).

Schlussfolgerung: Präoperativ erhobene EuroQol-Informationen scheinen eine tendentielle (hier nicht signifikante) Sensitivität bezüglich des WOMAC-Verlaufs in sich zu bergen. Deren Nutzbarkeit für eine Beratung von Patienten vor Hüft-Endoprothetik müssen weitergehende prospektive Studien zeigen.