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7. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung des Deutschen Netzwerks für Versorgungsforschung

16. - 18.10.2008, Köln

Besseres progressionsfreies Überleben für Hodgkin-Patienten, die innerhalb von Therapieoptimierungsstudien behandelt wurden: Ergebnisse des Projekts „Therapieoptimierungsprotokolle in der Chemo- und Strahlentherapie der Malignen Lymphome“ (TOPiCS-ML)

Meeting Abstract

  • Corinne Brillant - Klinik I für Innere Medizin, Universität zu Köln, Köln
  • Claudia Terschüren - Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifwald, Institut für Community Medicine, Abt. Versorgungsepidemiologie, Greifswald
  • Jeremy Franklin - Klinik I für Innere Medizin, Universität zu Köln, Deutsche Hodgkin Studiengruppe, Köln
  • Sylke Gierer - Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifwald, Institut für Community Medicine, Abt. Versorgungsepidemiologie, Greifswald
  • Stephanie Heidelbach - Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifwald, Institut für Community Medicine, Abt. Versorgungsepidemiologie, Greifswald
  • Ursula Paulus - Zentrum für Klinische Studien der Universität zu Köln, Köln
  • Volker Diehl - Klinik I für Innere Medizin, Universität zu Köln, Deutsche Hodgkin Studiengruppe, Köln
  • Andreas Engert - Klinik I für Innere Medizin, Universität zu Köln, Deutsche Hodgkin Studiengruppe, Köln
  • Wolfgang Hoffmann - Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifwald, Institut für Community Medicine, Abt. Versorgungsepidemiologie, Greifswald

7. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung des Deutschen Netzwerks für Versorgungsforschung. Köln, 16.-18.10.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. DocE11.4

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dkvf2008/08dkvf123.shtml

Veröffentlicht: 6. Oktober 2008

© 2008 Brillant et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Obwohl klinische Studien neue Kenntnisse und Fortschritte in der Krebstherapie bringen, ist weiterhin unklar, ob eine Teilnahme an einer klinischen Studie mit Therapieoptimierungsprotokollen (TOP) für Patienten (Pat.) mit Hodgkin Lymphom Vorteile bringt. Im TOPiCS-ML-Projekt wurde untersucht, ob Hodgkin-Patienten in Therapieoptimierungsstudien bessere Therapieergebnisse haben als Nichtstudienteilnehmern, die die TOP-Einschlusskriterien erfüllen.

Methoden: In der bevölkerungsbezogenen NLL-Inzidenzstudie wurden 356 Hodgkin-Fälle mit Erstdiagnose von 1988 bis 1998 in 6 norddeutschen Landkreisen erhoben. Für jeden Patienten wurden klinische Daten zu Staging, Therapien, evt. Rezidiven und Überlebenszeit erfasst. Von 328 voll dokumentierten Hodgkin-Patienten erfüllten 198 Pat. (60%) die Einschlusskriterien der TOP der Deutschen Hodgkin-Studien-Gruppe (DHSG). Von diesen wurden 125 Pat. (63%) nicht in einer entsprechenden TOP-Studie rekrutiert. Die 4963 Patienten, die in den DHSG-Studien HD4-HD9 zwischen 1988-1998 landesweit randomisiert wurden, wurden mit den 125 Nicht-TOP-Patienten verglichen. Die Endpunkte Gesamtüberleben (OS) und progressionsfreies Überleben (PFS) wurden mit Kaplan-Meier-Methode und Log-rank-Test analysiert.

Ergebnisse: Die beiden Gruppen unterscheiden sich in den demographischen Parametern: die TOP-Patienten sind jünger, sind häufiger in einem fortgeschrittenen Stadium und in einer späteren Studiengeneration diagnostiziert worden als die Nicht-TOP-Patienten. Die mediane Beobachtungszeit für OS beträgt 7 Jahre für TOP-Pat. und 10 Jahre für Nicht-TOP-Pat.. Die 5-Jahres OS-Rate unterscheiden sich nicht (TOP: 89% (95%-CI [88-90]), Nicht-TOP 89% (95%-CI [82-94]), (p=0,63)). Die 5-Jahres PFS-Rate für TOP-Pat. beträgt 79% (95%-CI [78-80]) und für Nicht-TOP-Pat. 68% (95%-CI [59-76]) (p<0,001). Im multivariaten Cox-Regressionsmodell sind 7 Parameter signifikant (p<0,01) assoziiert mit einem schlechten OS und PFS: männliches Geschlecht, fortgeschr. Alter, fortgeschr. Stadium (nach DHSG-Definition mit Berücksichtigung von Ann Arbor Stadium, B-Symptomatik und Risikofaktoren), B-Symptome, keine LP/LP-Histologie und frühere Studiengeneration. Eine TOP-Teilnahme hat keinen direkten Einfluss auf das OS (Hazard Ratio (HR)=0,84; 95%-CI [0,53-1,32]) aber verbessert das PFS (HR=1,50; 95%-CI [1,12-2,02]).

Schlussfolgerung: Deutsche Hodgkin-Patienten, die die TOP-Einschlusskriterien erfüllen, profitieren von einer Teilnahme an einer Therapieoptimierungsstudie. Unter Berücksichtigung der üblichen Faktoren weisen sie ein besseres PFS auf als die Patienten, die außerhalb von TOPs behandelt wurden. Jedoch wurde kein Unterschied für das OS beobachtet.