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7. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung des Deutschen Netzwerks für Versorgungsforschung

16. - 18.10.2008, Köln

Systematik zur Unterscheidung der Evidenz aus Klinischer Forschung und Versorgungsforschung

Meeting Abstract

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  • Franz Porzsolt - Universität Ulm, Klinische Ökonomik, Ulm

7. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung des Deutschen Netzwerks für Versorgungsforschung. Köln, 16.-18.10.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. DocC3.23

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dkvf2008/08dkvf052.shtml

Veröffentlicht: 6. Oktober 2008

© 2008 Porzsolt.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Versorgungsforschung (VF) ist zusätzlich zur Klinischen Forschung (KF) berechtigt, wenn VF Evidenz generiert, die durch KF nicht gewonnen werden kann. Ziel ist, Informationen zu identifizieren, die durch KF nicht gewonnen werden können aber für Entscheidungen zur Gesundheitsversorgung benötigt werden. Die Generierung dieser Information könnte ein explizites Ziel der VF sein.

Methoden: An konkreten Beispielen wird gezeigt, dass die Versorgung von Kriterien geleitet wird, die in der KF nicht gewonnen werden. Daraus wird eine Systematik zur Unterscheidung der aus der KF und VF gewinnbaren Informationen (und dazu erforderlichen Werkzeugen) abgeleitet.

Ergebnisse: Seit einigen Jahren lassen sich emotionale Signale mit bildgebenden Verfahren im Gehirn sichtbar machen [1]. Auch in der Ökonomie [2] und Psychologie [3] wird die zunehmende Bedeutung emotionaler Aspekte für Entscheidungen erkannt. Die Akupunktur weist auf Effekte hin, die informationsbedingt sind. Untersuchungen am Massachusetts Institute of Technology (MIT) zeigten, dass ausschließlich die Information die Wirksamkeit einer Intervention beeinflussen kann [4]. Diese Erkenntnisse legen nahe, dass wir zusätzlich zu den deskriptiven oder explikativen, wahrheitsfähigen Aussagen in den epidemiologisch definierten Dimensionen weitere, normative, nicht wahrheitsfähige Aussagen benötigen.

Schlussfolgerungen: Emotionale Signale können mit naturwissenschaftlichen Methoden nachgewiesen werden und beeinflussen unsere Wertvorstellungen und Entscheidungen. Wir bezeichnen die aus diesen Signalen abgeleiteten Aussagen als nicht wahrheitsfähig, verfügen aber noch über keine Methoden sie zu bewerten. Für individuelle Entscheidungen sind sie möglicherweise gleichbedeutend wie objektive Daten. Das am MIT durchgeführte Experiment hat die ethisch diskutable Vorenthaltung von Information zugunsten der Durchführbarkeit des Experiments akzeptiert hat und damit eine neue Ära in der Forschung einleitet: Die Effekte von Informationen, z.B. durch die Arzt-Patient-Beziehung sind jetzt quantifizierbar. Die Konkretisierung dieser Vorstellungen ist Aufgabe der kommenden Jahre.


Literatur

1.
de la Fuente-Fernandez R, Stoessl AJ. The placebo effect in Parkinson's disease. Trends Neurosci. 2002;25:302-6.
2.
Thaler RH. From Homo Economicus to Homo Sapiens. J Econ Perspect. 2000;14:133-41.
3.
Gigerenzer G. Bauchentscheidungen. Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition. München: C. Bertelsmann Verlag; 2007.
4.
Waber RL, Shiv B, Carmon C, Ariely D. Commercial features of placebo and therapeutic efficacy. JAMA. 2008;299:1016-7.