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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie
72. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, 94. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und 49. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie

22. - 25.10.2008, Berlin

Epidemiologie und Prognose von Wirbelsäulenmetastasen

Meeting Abstract

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  • K. Huch - Orthopädische Universitätsklinik Ulm am RKU, Ulm, Germany
  • B. Ulmar - BG Unfallklinik, Tübingen, Germany
  • H. Reichel - Orthopädische Universitätsklinik Ulm am RKU, Ulm, Germany

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie. 72. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, 94. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie, 49. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie. Berlin, 22.-25.10.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. DocWI91-431

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dkou2008/08dkou577.shtml

Veröffentlicht: 16. Oktober 2008

© 2008 Huch et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Nach Campanacci finden sich ein Drittel der Knochenmetastasen in der Wirbelsäule. Aufgrund verbesserter Diagnostik und Therapie steigt die Zahl der Patienten mit klinisch bedeutsamen Wirbelsäulenmetastasen, so dass deren operativer Versorgung eine immer größer werdende Rolle zukommt. Für die Entscheidung zur Operation ist die Abschätzung der Lebenserwartung von zentraler Bedeutung. Bei sehr geringer Lebenserwartung würden große Wirbelsäuleneingriffe die Lebensqualität ohne nennenswerten Benefit unnötig verringern. Dieser Vortrag soll einerseits die Epidemiologie der Wirbelsäulenmetastasen darstellen und andererseits eine Auswertung unserer Prognosestudien vorstellen.

Material und Methoden: Zwischen Januar 1984 und Mai 2005 wurden in unserer Klinik 217 Patienten (114 Männer, 103 Frauen; Alter 57±16,3 Jahre) aufgrund von Wirbelsäulenmetastasen operativ behandelt. Der prognostische Einfluss wurde für die Entität des Primärtumors sowie der Höhenlokalisation der Metastase an der Wirbelsäule analysiert (Tokuhashi-Score).

Ergebnisse: Das mediane Gesamtüberleben betrug 8,0 Monate (Spanne: 0 - 191,5 Monate; Mittelwert 21.7±31,8 Monate). Patienten mit zervikalen Metastasen überlebten postoperativ mit einem medianen Überleben von 12,5 Monaten (Spanne: 1,2 - 158,8 Monate) am längsten. Das Mamma-Karzinom war mit 62 Fällen (28,6%) häufigster Primarius. Prostata-Karzinom-Patienten zeigten das beste mediane Überleben mit 18,2 Monaten (Spanne: 3,2 - 122,3 Monate). Während die Höhenlokalisation der Metastasen im Gesamtkollektiv keinen Einfluss (p= 0,9058) auf die Überlebensprognose zeigte, wurde diese durch die Entität signifikant beeinflusst (p 0,0001). Eine Lebenserwartung von über 12 Monaten wurde durch den orginalen Tokuhashi-Score (1990) in 84% der Fälle richtig prognostiziert, von weniger als 12 Monaten jedoch nur in 51%. Eine Modifikation des neueren Tokuhashi-Scores (2005) erhöhte die Gesamtzahl der richtigen Einzel-Prognosen von 58,5% auf 74%.

Schlussfolgerungen: Die Entität des zugrunde liegenden Primarius zeigt einen prognostischen Einfluss auf das Überleben, die anatomische Lage der Metastase an der Wirbelsäule beeinflusst das postoperative Überleben hingegen nicht. Der Tokuhashi-Score bietet prinzipiell die Möglichkeit einer Prognoseabschätzung, ist in seiner klinischen Anwendung jedoch auch dadurch limitiert, dass in der jeweiligen Entscheidungssituation (z.B. akutes neurologisches Defizit als Folge einer bis dahin unbekannten Tumorerkrankung) unter Umständen noch nicht alle erforderlichen Staging-Untersuchungen vorliegen und insbesondere der Primärtumor nicht bekannt ist.