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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie
72. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, 94. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und 49. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie

22. - 25.10.2008, Berlin

Primäre Osteosarkome über dem 60. Lebensjahr: Eine Serie von sieben Fällen und Literaturübersicht

Meeting Abstract

  • P. Sadoghi - Medizinische Universität Graz, Universitätsklinik für Orthopädie, Graz, Austria
  • A. Leithner - Medizinische Universität Graz, Universitätsklinik für Orthopädie, Graz, Austria
  • M. Glehr - Medizinische Universität Graz, Universitätsklinik für Orthopädie, Graz, Austria
  • C. Wibmer - Medizinische Universität Graz, Universitätsklinik für Orthopädie, Graz, Austria
  • B. Koppany - Medizinische Universität Graz, Institut für Pathologie, Graz, Austria
  • R. Windhager - Medizinische Universität Graz, Universitätsklinik für Orthopädie, Graz, Austria

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie. 72. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, 94. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie, 49. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie. Berlin, 22.-25.10.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. DocWI43-799

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dkou2008/08dkou252.shtml

Veröffentlicht: 16. Oktober 2008

© 2008 Sadoghi et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Osteosarkome stellen die häufigsten malignen Knochentumoren mit einer Inzidenz von 4-5/1 000 000 dar. Während Campanacci angibt, die meisten Osteosarkome über dem 40.Lebensjahr wären fast ausschließlich sekundäre Sarkome, berichten Kyoji et al. und Huvos et al. von einem Anstieg der Inzidenz primärer Osteosarkome in der sechsten und siebten Lebensdekade. Die bisherigen Studien legen den Fokus auf primäre Osteosarkome über dem 40. Lebensjahr. Das Ziel der vorliegenden retrospektiven Arbeit war eine Analyse aller an unserem Institut aufgrund eines Osteosarkoms operierten über 60 Jahre alten Patienten.

Methodik: Zwischen 1998 und 2008 wurden 67 Patienten (41 Männer, 26 Frauen) mit einem durchschnittlichen Alter von 29,7 Jahren (Spannweite 75, bei 7 - 82 Jahren) aufgrund eines primären Osteosarkoms an unserer Abteilung behandelt. Sieben Patienten (1 Mann, 6 Frauen) waren beim Zeitpunkt der Diagnose über 60 Jahre alt.

Von der Analyse ausgeschlossen wurde eine Patientin wegen erhaltener Radiotherapie und sekundärem Osteosarkom. Das Überleben der 7 Patienten wurde mittels Kaplan-Meier-Kurve evaluiert.

Ergebnisse: Zum Zeitpunkt der Analyse waren 2 der 7 Patienten an der Grunderkrankung verstorben (9 und 86 Monate nach Diagnose). Fünf Patienten waren am Leben mit einem Follow-up von 2, 16, 24, 28 und 111 Monaten. Einer dieser 5 entwickelte pulmonale Metastasen. Zwei Tumoren entstanden am Femur (proximal und distal) und jeweils einer an der proximalen Tibia, dem proximalen Humerus, dem distalen Humerus, dem distalen Radius und dem Olecranon. Bei allen 7 Tumoren wurde die ursprüngliche Funktion nach Resektion (einmal marginal, sechsmal weit) rekonstruiert, wobei 2 LPS und eine HMRS Prothese verwendet wurden. Drei der 7 Osteosarkome wurden bei erster Vorstellung (radiologisch oder histologisch) fehldiagnostiziert, jedoch nur einer durch Marknagelung auswärts fehlbehandelt. Unter den Fehldiagnosen waren jeweils eine fibröse Dysplasie, eine solitäre Knochenzyste und eine osteoporotische Fraktur. Das Gesamtüberleben bzw. Lost of Follow-up der sieben Patienten unseres Institutes betrug 2, 9, 16, 24, 28, 86 und 111 Monate.

Schlussfolgerungen: Die Literaturaufarbeitung ergibt tatsächlich einen Anstieg der Inzidenz primärer Osteosarkome im Alter. Huvos et al. , Kjoji et al. und die Daten des Autors zeigen einen Anstieg jeweils im sechsten und siebten Lebensjahrzehnt. Jeon et al. geben als Rate der Fehldiagnosen bei Osteosarkomen über dem 40. Lebensjahr über 39% an, darunter jeweils 7.7% als Fraktur, 7.7% als Riesenzelltumor, 5% als Infektion, 5% als Metastase und 2.5% als Myositis Ossificans. Unsere Daten ergeben eine Rate von über 42% bei jenen über dem 60.Lebensjahr, wobei auswärts jeweils eine Fraktur eine solitäre Knochenzyste und eine fibröse Dysplasie fehldiagnostiziert wurden. Das Auftreten der Osteosarkome im höheren Alter und die hohe Rate an Fehldiagnosen sollten den Kliniker zusätzlich auf dieses Krankheitsbild sensibilisieren.