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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie
72. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, 94. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und 49. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie

22. - 25.10.2008, Berlin

Maßnahmen zur Verkehrssicherheit in Nord-Vietnam – Abkürzungen und Sackgassen bei der Entwicklung von Zielkriterien

Meeting Abstract

  • U. Schmucker - Ernst-Moritz-Arndt-Universität, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, Greifswald, Germany
  • G. Matthes - Ernst-Moritz-Arndt-Universität, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, Greifswald, Germany
  • L. Bogar - Medical University of Pecs, Anesthesiology and Intensive Care, Pecs, Hungary
  • L.X. Hien - Thai Binh Medical University, Orthopedic and Trauma Surgery, Thai Binh City, Viet Nam
  • M. Frank - Ernst-Moritz-Arndt-Universität, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, Greifswald, Germany
  • C. Ottersbach - Ernst-Moritz-Arndt-Universität, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, Greifswald, Germany
  • D. Stengel - Unfallkrankenhaus Berlin, Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, Berlin, Germany
  • A. Ekkernkamp - Ernst-Moritz-Arndt-Universität, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, Greifswald, Germany

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie. 72. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, 94. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie, 49. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie. Berlin, 22.-25.10.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. DocWI12-1530

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dkou2008/08dkou101.shtml

Veröffentlicht: 16. Oktober 2008

© 2008 Schmucker et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Gegenwärtig versterben zirka ein Drittel der weltweiten Verkehrsunfalltoten in Südostasien. Ursächlich werden die explosionsartig steigenden Motorisierungs- und Unfallzahlen bei Vorliegen einer geringen Compliance der Verkehrsteilnehmer und unterentwickelter medizinischer Vorsorgung genannt. Eine rasche wie nachhaltige Korrektur dieses Problemfeldes kann mittels Maßnahmen zur Verbesserung des Notfallmanagements und Unfallprävention erfolgen. Allerdings fehlen grundlegende Daten zur Unfall- und Versorgungsrealität zur Entwicklung entsprechender Konzepte.

Projektbeschreibung und Ergebnisse: Im Rahmen eines trinationalen, von der EU co-finanzierten Projektes zweier europäischer und einer vietnamesischen Universität (SAVE Projekt) wurden 3 Aktionslinien (Kursus Traumamanagement, Schulung von Lehrern, öffentlichkeitswirksame Aktionen) konzipiert und umgesetzt. Projektzeitraum 2005–2007, Studienort: Thaibinh City (Nordvietnam, Distrikthauptstadt, ca. 110 000 Einwohner).

Zunächst musste ein Zielfindungsprozess aus Literaturrecherche, Expertenmeetings und Fragebogenuntersuchungen (n=1000 junge Verkehrsteilnehmer) entwickelt werden, um a.) relevante Inhalte, b.) im gegebenen lokalen Umfeld realisierbare Maßnahmen und c.) belastbare Netzwerke zu identifizieren und synchronisieren. Letztlich wurden 3 Aktionslinien entworfen:

1.
Kurskonzept „Traumamanagement“: 5 Kurse á ca. 25 Teilnehmer aus Krankenhäusern verschiedener Versorgungsstufen, 4-tägig, Inhalte gemäß Zielfindungsprozess (Unfallforschung, standardisierte klinische Algorithmen, Schädelhirntrauma, praktische Übungen). Parallel dazu wurden vietnamesische Instruktoren in Vietnam und Europa intensiv geschult, welche die Kurse inzwischen selbständig fortführen (Nachhaltigkeit).
2.
Schulung von Lehrern und Schüler: je 1-tägige Schulung von Lehrern aus verschiedenen Schulformen, Inhalte gemäß Zielfindungsprozess (Unfallursachen, Möglichkeiten der Unfallvermeidung, Bedeutung von Motorradhelm u.a. Sicherheitsmaßnahmen). 120 Lehrer aus 12 Schulen wurden im Rahmen des Projektes geschult. Alle teilnehmenden Schulen reservieren seither 1 Unterrichtseinheit pro Monat á 4h für das „Schulfach Verkehrssicherheit“.
3.
Öffentlichkeitswirksame Maßnahmen: regelmäßige Pressekonferenzen, ein intensiver Austausch von Experten der teilnehmenden Institutionen, eine eigene Homepage (www.euproject-save.org) und das Verteilen von tausenden Promotionsartikeln mit Comic-Strips waren Bestandteil der Öffentlichkeitsarbeit.

Schlussfolgerung: Ein mehrstufiges Vorgehen zur Identifizierung der Zielkriterien und Maßnahmen – so aufwändig und mühsam es auch erscheint – muss zukünftigen Projekten empfohlen werden. Daneben sind kollegiale, freundschaftliche Beziehungen und die Einbindung der Aktivitäten in lokale und regionale Netzwerke entscheidend für die Nachhaltigkeit jeglicher Maßnahmen. Es ist Aufgabe der Unfallchirurgie, eine führende Rolle im Wissens- und Technologietransfer in Schwellenländer zu übernehmen.