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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie
71. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, 93. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und 48. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie

24. - 27.10.2007, Berlin

Die Therapiestrategie der Spondylodiszitis beim HIV-Patienten – klinischer Verlauf und Ergebnisse

Meeting Abstract

  • R. Sobottke - Universität zu Köln, Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Köln, Germany
  • K. Zarghooni - Universität zu Köln, Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Köln, Germany
  • M. Koriller - Universität zu Köln, Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Köln, Germany
  • K. Arasteh - Auguste-Viktoria-Klinikum, Gastroenterologie und Infektionskrankenheiten, Berlin, Germany
  • G. Faetkenheuer - Universität zu Köln, Klinik I für Innere Medizin, Köln, Germany
  • K.-S. Delank - Universität zu Köln, Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Köln, Germany
  • P. Eysel - Universität zu Köln, Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Köln, Germany

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie. 71. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, 93. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie, 48. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie. Berlin, 24.-27.10.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. DocW56-1158

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dkou2007/07dkou667.shtml

Veröffentlicht: 9. Oktober 2007

© 2007 Sobottke et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Mit zunehmender Inzidenz an HIV-Erkrankungen gewinnen Wirbelsäuleninfektionen durch Pilze und MOTT (Mycobacteria Other Than Tuberculosis) Wirbelsäule an Bedeutung. Nach Einführung von HAART (Highly Active Antiretroviral Therapy) Mitte 1996 waren die Infektionen und die Mortalität durch MOTT stark rückläufig. Der schnelle Anstieg der CD4-Helferzellen durch HAART bewirkte ein so genanntes „immune reconstitution syndrome“, welches zu atypischen, schleichenden Krankheitsverläufen führte. Zwischen Beginn der Beschwerden und endgültiger Diagnose können viele Jahre liegen. Eine definitive Therapiestrategie der Spondylodiszitis durch atypische Mykobakterien und Pilze gibt es bislang nicht.

Methodik: Im Rahmen einer deutschlandweiten Multizenterstudie wurden retrospektiv über einen Zeitraum von Januar 2000 bis Juli 2006 20 Patienten mit Spondylodiszitis und HIV erfasst. Ausgewertet wurden der prästationäre Verlauf insbesondere hinsichtlich der möglichen Ursachen einer späten Diagnose und der Ätiopathogenese, der radiologische (Rtg., MRT, Knochenszintigrafie) und klinische Befund (Neurologie, Sepsis, Begleiterkrankungen) bei stationärer Aufnahme, die unterschiedlichen konservativen und operativen Therapieformen, der stationäre und poststationäre Verlauf. Außerdem wurden das Erregerspektrum und die jeweiligen Möglichkeiten, die zum Keimnachweis führten festgehalten. Unsere Therapieergebnisse wurden mit einer Metaanalyse der Literatur verglichen.

Ergebnisse: Die Patienten waren im Mittel 41 Jahre alt. 40% der Patienten befanden sich HIV-Stadium C3. Die Spondylodiszitis manifestierte sich in über der Hälfte der Fälle thorakolumbal und lumbal und in 20% an der HWS. In 10% lag eine Mehretagenspondylitis vor. 16% zeigten neurologische Defizite. Die Hälfte der Patienten mussten operativ versorgt werden. In 46% der Fälle gelang ein Keimnachweis. Der häufigste Keim war Staph. aureus. Tuberkulöse Mykobakterien wurden in 33%, MOTT und Pilze in über 30% der Fälle nachgewiesen. Die Patienten waren im Mittel 59 Tage in stationärer Behandlung. Die Klinikletalität lag bei 8%.

Schlussfolgerung: Bei immungeschwächten Patienten muss im Rahmen der Spondylodiszitis an die Infektion mit MOTT und Pilzen gedacht werden. Vor allem bei den MOTT stellt die Chemotherapie aufgrund der häufig vorliegenden Resistenzen ein großes Problem dar und führt zu einer, im Vergleich zu Infektionen mit M. tuberculosis, hohen Rezidivquote und hohen Mortalität. Die Antituberkulotikatherapie muss dem Keim angepasst werden und sollte, um eine Ausheilung und das Ausbleiben von Rezidiven zu ermöglichen, über einen Zeitraum von 18-24 Monaten erfolgen. Laufende Studien evaluieren Makrolide und Chinolone als Therapiealternativen. Der Nachweis von Pilzerregern bei Spondylodiszitis ist schwierig und es liegen häufig Resistenzen gegen die zudem noch sehr toxischen Antimykotika vor. Zur Anwendung kommen als BreitspektrumantimykotAmphotericin B und als Alternative Azole.