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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie
71. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, 93. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und 48. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie

24. - 27.10.2007, Berlin

Einfluss von Geschlecht und Gender auf Behandlungszeitpunkt und Behandlungsergebnis bei totaler Hüftprothese

Meeting Abstract

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  • C. Roeder - Universität Bern, MEM Forschungszentrum für Orthopädie, Institut für evaluative Forschung in der Orthopädie, Bern, Switzerland
  • L. Staub - Universität Bern, Institut für evaluative Forschung in orthopäd. Chirurgie, Bern, Switzerland
  • M. Widmer - Universität Bern, MEM Forschungszentrum für Orthopädie, Institut für evaluative Forschung in der Orthopädie, Bern, Switzerland

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie. 71. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, 93. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie, 48. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie. Berlin, 24.-27.10.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. DocW45-349

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dkou2007/07dkou599.shtml

Veröffentlicht: 9. Oktober 2007

© 2007 Roeder et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Eine Auswertung der Schweizerischen Gesundheitsstatistiken 2001-2003 zeigte einen durchschnittlichen Altersunterschied von 5 Jahren zwischen männlichen und weiblichen Patienten bei Einbau einer totalen Hüftprothese (THP). Darauf basierend haben wir mit prospektiv erhobenen Registerdaten aus den 1980er und 1990er Jahren eine Kohortenstudie durchgeführt, um zu untersuchen, ob es geschlechtsbasierte Unterschiede im Behandlungsergebnis gibt, und inwieweit diese von den genderbasierten unterschiedlichen Behandlungszeitpunkten beeinflusst werden.

Methodik: Unter Verwendung von Daten aus dem europäischen IDES Hüftregister haben wir Strata von identischen Altersgruppen 65-70 Jahre über einen 10-Jahresnachuntersuchungszeitraum analysiert, um die geschlechtsbasierten Ergebnisunterschiede zu evaluieren. Zusätzlich wurden die männliche Altersgruppe von 65-70 Jahren und die weibliche Altersgruppe von 70-75 Jahren einander gegenübergestellt, um evtl. genderbasierte Änderungen beim Behandlungsergebnis festzuhalten. Daten von 20 CH-Kliniken mit 5´832 weiblichen und 4`887 männlichen Patienten mit Altersmedianen von 70 Jahren und 67 Jahren, sowie 23´301 Nachuntersuchungen wurden eingeschlossen. Eine Literaturanalyse wurde durchgeführt, um Erklärungen dafür zu finden, warum Frauen erst in einem höheren Alter und bei weiter fortgeschrittener Erkrankung behandelt werden.

Ergebnisse: Es gab keine geschlechts- oder genderbasierten Ergebnisunterschiede bzgl. Schmerzbefreiung, aktiver Beugeamplitude, und Zufriedenheit. Gehfähigkeit über 60 Minuten jedoch war diejenige funktionelle Variable, welche einen zwölfprozentigen Unterschied zwischen den Geschlechtsgruppen zeigte (p<0.01). Die Gegenüberstellung mit der fünf Jahre älteren, weiblichen Patientengruppe verdoppelte diese Differenz nahezu auf dreiundzwanzig Prozent. Die Literaturanalyse ergab, dass weibliche Patienten in der Regel erst in einem höheren Alter und bei weiter fortgeschrittener Erkrankung operiert werden. Dies wird damit begründet, dass Frauen es vermeiden, ihren Hausarzt oder Facharzt wegen einer Hüftprothese zu konsultieren, da sie eine Operation aus Gründen wie pflegerischen Verpflichtungen daheim, Angst vor postoperativer Unselbstständigkeit und Abhängigkeit, und warten auf bessere Technologien vermeiden. Sie ziehen daher schmerzbedingtes Leiden und progressiven funktionellen Verfall vor.

Schlussfolgerung: Es gibt geschlechtsbedingte Unterschiede im funktionellen Behandlungsresultat nach THP, vor allem hinsichtlich der postoperativen Mobilität. Wird die Behandlung genderbasiert verzögert, werden diese Unterschiede weiter verstärkt. Da der schlechte präoperative und suboptimale postoperative funktionelle Zustand der Patientinnen mit verbundenem erhöhtem Leidensdruck, schlechter Mobilität und vermehrter Pflegebedürftigkeit einhergeht, , werden höhere direkte und indirekte Kosten verursacht, als bei einer Behandlung zu einem früheren Zeitpunkt.

Evidenzlevel II: prospektive Kohorte