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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie
70. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie
92. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und
47. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie

02. - 06.10.2006, Berlin

Reduzierte Effektivität niedrig-energetischer Stoßwellen bei simultaner Lokalanästhesie – Aufklärung des Wirkmechanismus

Meeting Abstract

  • T. Klonschinski - Orthopädie, Universitätsklinik Mainz, Mainz, Germany
  • T. Schleret - Neurologie, Universitätsklinik Mainz, Mainz, Germany
  • F. Birklein - Neurologie, Universitätsklinik Mainz, Mainz, Germany
  • J.D. Rompe - Orthopädie, OrthoTrauma Praxisklinik, Grünstadt, Germany
  • J. Heine - Orthopädie, Universitätsklinik Mainz, Mainz, Germany

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie. 70. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, 92. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und 47. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie. Berlin, 02.-06.10.2006. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2006. DocP.2.11-753

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgu2006/06dgu0381.shtml

Veröffentlicht: 28. September 2006

© 2006 Klonschinski et al.
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Gliederung

Text

In 2 randomisiert-kontrollierten Studien an Patienten mit chronischer plantarer Fasziitis konnte erst kürzlich nachgewiesen werden, dass die Applikation eines Lokalanästhetikums die klinische Wirksamkeit der ESWT um mehr als die Hälfte reduziert (Labek 2004; Rompe 2004). Der Grund für diesen negativen Effekt blieb bisher unerklärt. Spekuliert wird über die Reduktion einer den Heilungsprozeß initiierenden neurogenen inflammatorischen Reaktion via pro-tropher Neuropeptide wie CGRP (calcitonin gene related peptide) u.a., die tierexperimentell für den Wirkmechanismus der ESWT von Bedeutung waren (Ohtori 2001; Takahashi 2003, 2004).

In der vorliegenden prospektiven Studie in Kooperation mit der Neurologischen Universitätsklinik wurden Expression und Qualität eines Hautflares (lokale Rötung, Vasodilatation, vermehrte Perfusion) untersucht, der bekanntermaßen mit der lokalen CGRP-Ausschüttung in den sensiblen Nervenendigungen der Haut korreliert ist. Bei 22 Patienten wurden nach entsprechenden Vorversuchen in unterschiedlichen Sitzungen auf die Haut des dorsalseitigen Unterarmes einmalig je 2000 Impulsen der Energieflussdichte 0,06 mJ/mm2, 0,09 mJ/mm2 oder 0,18 mJ/mm2 unter in-line-Ultraschallkontrolle appliziert. Als Kontrolle diente die Applikation auf dem anderen Arm, wobei hier zuvor im Applikationsgebiet ein mit Lokalanästhesie getränktes EMLA-Pflaster 4 Stunden lang aufgelegen hatte.

15 Minuten und 30 Minuten postinterventionell wurden Fläche und Perfusion des induzierten Flares mittels Lasermessung quantifiziert. Unabhängig von der applizierten Energieflussdichte kam es bei nahezu 2/3 der Probanden auf der mit EMLA und niedrig-energetischen Stoßwellen behandelten Seite im Seitvergleich zu einer signifikant verminderten Flareausprägung. Diese Flarereduktion spiegelt das verminderte Release des pro-trophen Neuropeptids CGRP aus den sensiblen Nervenendigungen der Haut wider mit einer Reduktion der ausgelösten neurogenen Inflammation.

Die simultane Gabe eines Lokalanästhetikums behindert die durch die niedrig-energetische ESWT angestoßene neurogene Inflammation mit Trophiksteigerung im schmerzhaften Areal und kann so zu einer Einschränkung der klinischen Wirksamkeit der ESWT führen.