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67. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie
89. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie
44. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie

11. bis 16.11.2003, Messe/ICC Berlin

Arbeitsplatz Krankenhaus. Welcher potentiellen Gefährdung ist der Unfallchirurg ausgesetzt? Ergebnisse einer prospektiven Untersuchung über HIV und Hepatitisinfektionen an über 1000 Patienten.

Meeting Abstract (DGU 2003)

  • corresponding author Klaus Dresing - Klinik für Unfallchirurgie, Plastische und Wiederherstellungschirurgie, Uniklinik Göttingen, Robert-Koch-Str. 40, 37075, Göttingen, Phone: 0551 39 6986
  • S. Bonsack - Abteilung Klinische Chemie
  • M. Oellerich - Abteilung Klinische Chemie
  • A. Uy - Abteilung Virologie-Hygiene Institut, Uniklinik Göttingen
  • K.M. Stürmer - Klinik für Unfallchirurgie, Plastische und Wiederherstellungschirurgie

Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie. Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie. Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie. 67. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, 89. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und 44. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie. Berlin, 11.-16.11.2003. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2003. Doc03dguA18-2

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgu2003/03dgu0128.shtml

Veröffentlicht: 11. November 2003

© 2003 Dresing et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung

Der Chirurg ist täglich Risikopatienten mit Hepatitis (Hep) B, C oder HIV-Infektion ausgesetzt. Nur wenige Patienten geben oder können aufgrund ihrer Verletzung Auskunft geben über ihre Infektion. Lt. Statischem Bundesamt (STBA) liegt die Inzidenz für Hep B in Niedersachsen (NS) 0,062‰, für Hep C für Deutschland (D) geschätzt 0,5%, für HIV lt. WHO Health Data (2002) 0,021‰ in D. Ziel dieser Arbeit war es, bei 1000 konsekutiven Notfallpatienten prospektiv (EBM IIa) den Antigen- bzw. -körperstatus gegen Hepatitis B, C oder HIV zu erheben, um das Risikopotential abzuschätzen.

Methoden

Von in Schockraum bzw. Notaufnahme routinemäßig entnommenen Blut unfallchirurgischer Notfallpatienten wurden nach Aufklärung in der Klinischen Chemie aus dem Restbestand folgende Mikropartikel-Enzymimmunoassays (MEIA) (Abbott Axsym®System) bestimmt: HBsAg (V2) (Qualitativer Nachweis von Hep-B-Surface Antigen - HBsAg) HCV Version 3.0 (Qualitativer Nachweis von Hep-C-Virus - anti-HCV) HIV 1/2gO (Qualitativer Nachweis von Antikörpern (AK) gegen HIV Typ 1 und 2). Grenzen des Herstellers angewendet. Von sämtlichen positiven oder unsicheren Proben wurden im Hygieneinstitut Kontrolluntersuchungen (ELISA bzw. PCR) durchgeführt.

Ergebnisse

Zwischen 1.2.2002 und 31.10.2002 wurden 1074 Notfallpatienten (49,6±22,8, Median 46,6 Jahre) untersucht. Es ergab sich folgender Status:

[Abb. 1]

Die gesicherte Inzidenz für Hep C beträgt 2,8%. Bei 54,8% war die Hep C bei Einlieferung nicht bekannt.

[Abb. 2]

Die gesicherte Inzidenz für Hep B beträgt in unserer Klinik 0,85%. Bei 7 von 9 war die Hep B bei Einlieferung nicht bekannt. Bei 1 Pat (38J) wurden pos. AK gegen Hep C und B gesichert. 2x wurde HIV gesichert nachgewiesen. Ein 23J Pat. (pos. Axsym-AK gegen Hep C, HIV) mit pos. Kontrolle hatte eine ihm unbekannte HIV-Infektion (HIV-Inzidenz 1,86‰).

Schlussfolgerungen

Die Untersuchungen zeigen, dass die Testverfahren zum kurzfristigen Screening bei Notfallpatienten zum Schutz des Personals insbesondere bei HIV und Hep C eingesetzt werden können. Innerhalb von 60 Minuten erhält der Operateur eine sichere Information über den Infektstatus des Patienten und kann spezielle Schutzmaßnahmen ergreifen, bzw, die Indikation zu bestimmten Op-Verfahren mit erhöhtem Verletzungsrisiko oder z.B. Jet-Lavage revidieren. Die Ergebnisse zeigen: Der Chirurg ist an seinem Arbeitsplatz einer bis zu 6x höheren Prävalenz von Hep- und HIV-Infektionen ausgesetzt, als die epidemiologischen Zahlen ergeben. Screening-Tests für alle unfallchirurgischen Patienten sollten zur Routine werden.