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49. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Plastische und Wiederherstellungschirurgie (DGPW)

Deutsche Gesellschaft für Plastische und Wiederherstellungschirurgie e. V.

06.10.-08.10.2011, Ulm

Versorgung schwerbrandverletzter Patienten mit Suprathel®

Meeting Abstract

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  • corresponding author Matthias Rapp - Marienhospital Stuttgart, Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Widerherstellungschirurgie - Zentrum für Schwerbrandverletzte, Stuttgart

Deutsche Gesellschaft für Plastische und Wiederherstellungschirurgie. 49. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Plastische und Wiederherstellungschirurgie (DGPW). Ulm, 06.-08.10.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dgpw080

DOI: 10.3205/11dgpw080, URN: urn:nbn:de:0183-11dgpw0802

Veröffentlicht: 7. Dezember 2011

© 2011 Rapp.
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Gliederung

Text

Bei allen Verbrennungen oder Verbrühungen über eine Fläche von 20% KOF oder mehr, ist mit dem Auftreten einer Verbrennungskrankheit zu rechnen. Dabei kann eine systemische inflammatorische Antwort beobachtet werden. Dies steigert die kapilläre Permeabilität und führt zu lokalisierten Wundödemen und entsprechenden Flüssigkeitsverschiebungen im Organismus.

Die betroffenen Verbrennungsareale können durch lokale Infektionen mit Nekrosenbildung einen weiteren Tiefenwandel erfahren. Im weiteren Verlauf kommt es nicht selten zur Sepsis, wodurch die notwendige operative Therapie mit Transplantationen zusätzlich erschwert wird. Dies erklärt die ansteigende Mortalitätsrate in solchen Fällen.

Ein frühzeitiger Wundverschluss stellt daher gerade auch bei großflächigen gemischt 2.-gradigen Verbrennungen die Therapie der Wahl dar. Der unmittelbare Wundverschluss nach Nekrektomie minimiert den Flüssigkeitsverlust sowie das Infektionsrisiko und wirkt schmerzlindernd.

Eine Wunddeckung großflächiger gemischt 2.-gradiger Verbrennungswunden muss heutzutage nicht mehr obligat durch Spalthauttransplantate erfolgen. Zahlreiche temporäre und permanente, epidermale und dermale Hautersatzmaterialien stehen heute zur Verfügung. Sie sind geeignet, den 2.-gradig verbrannten Arealen einen Schutz vor Infektion und Austrocknung zu bieten und damit die Regenerationsfähigkeit der basalen Hautzellen zu fördern.

Die resorbierbare Membran Suprathel®, ein Copolymer aus Polylactid, Trimethylencarbonat und ε-Caprolacton (Lacto-Capromer), ist seit 2004 in der EU für die Behandlung von zweitgradigen Verbrennungen (ggf. mit drittgradigen Anteilen) sowie für die Behandlung von Spalthautentnahmestellen zugelassen. Suprathel® besitzt mit der natürlichen Haut vergleichbare Eigenschaften wie Elastizität, Wasserdampfdurchlässigkeit und Bakteriendichtigkeit.

Die bei der Degradation von Suprathel® entstehenden Abbauprodukte stimulieren die Wundheilung durch Unterstützung der Angiogenese und des Dermisaufbaus. Durch die Azidifizierung der Wunde mit Erniedrigung des ph-Wertes wirkt Suprathel® in der Wunde zusätzlich bakterizid und minimiert das Infektrisiko.

Nach einem abgestuften Wunddebridement eignet sich der temporäre Epithelersatz Suprathel® gut, die gemischt 2.-gradigen Verbrennungen auch mit kleineren 3.-gradigen Anteilen zu bedecken. Dabei nimmt man bewusst in Kauf, dass einige Wundareale bis zu 30 Tage benötigen, um vollständig zu epithelialisieren. Die an diesen Stellen zu erwartenden hypertrophen Narben sind kosmetisch meist nicht schlechter zu beurteilen, als die oft hypertrophen Randpartien nach Meshgraft- oder Sheetgraft-Transplantaten. Darüber hinaus werden auf diese Weise Spalthautentnahmestellen eingespart.

Bei zunächst nicht vermuteten größeren 3.-gradigen Arealen sollte eine gezielte Nachtransplantation der nicht abgeheilten Areale mit Spalthaut im Rahmen einer Second-look-Maßnahme zu einem geeigneten Zeitpunkt – meist nach circa 14 Tagen – durchgeführt werden.