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46. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC), 20. Jahrestagung der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen (VDÄPC)

01.10. - 03.10.2015, Berlin

Wieviel Muskel ist genug? – Bestimmung des idealen Lappengewichtes bei freiem funktionellen Muskeltransfer zur fazialen Reanimation

Meeting Abstract

  • presenting/speaker David Braig - Klinik für Plastische und Handchirurgie, Universitätsklinikum Freiburg
  • Holger Bannasch - Klinik für Plastische und Handchirurgie, Universitätsklinikum Freiburg
  • G. Björn Stark - Klinik für Plastische und Handchirurgie, Universitätsklinikum Freiburg
  • Steffen U. Eisenhardt - Klinik für Plastische und Handchirurgie, Universitätsklinikum Freiburg

Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen. Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen. 46. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC), 20. Jahrestagung der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen (VDÄPC). Berlin, 01.-03.10.2015. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2015. Doc162

doi: 10.3205/15dgpraec162, urn:nbn:de:0183-15dgpraec1626

Veröffentlicht: 28. September 2015

© 2015 Braig et al.
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Gliederung

Text

Zur Rekonstruktion der Mundwinkelmotilität bei Fazialisparese gilt das zweizeitige Vorgehen mit Crossface Nerve Graft (CFNG) und freiem funktionellem Muskeltransfer noch als “criterionstandard”.

Eine einzeitige Alternative ist der Anschluss des Muskels an den N. massetericus, einem motorischen Endast aus dem N. trigeminus. Der Masseteranschluss führt in der Regel zu einer stärkeren Kontraktion des Muskels und zur schnelleren Wiederherstellung der Funktion.

Die Masse des transferierten Muskelsegmentes ist entscheidend um eine symmetrische Mundwinkelexkursion zu erreichen. Bei zu kleinem Muskel resultiert eine insuffiziente Kontraktion, bei zu großem Muskelvolumen ist häufig eine sekundäre Lappenausdünnung bei großem Restvolumen notwendig.

In einer retrospektiven Analyse untersuchten wir 18 Patienten die eines der beiden Verfahren (n=6 CFNG, n=12 N. massetericus) zur Mundwinkelreanimation erhalten hatten und bei denen die Muskelgewichte des Gracilissegmentes dokumentiert waren. Als funktioneller Parameter

wurde die Verkürzung des Abstandes vom Tragus zur oralen Kommissur als Maß der Muskelkontraktion gemessen. Die Notwendigkeit einer Lappenausdünnung bei großem Restvolumen des Muskels wurde in Abhängigkeit der transferierten Muskelmasse und des verwendeten Verfahrens untersucht.

Das mittlere Muskelgewicht betrug in der CFNG Gruppe 33,5 g (20 g – 50 g) und in der N. massetericus Gruppe 31,4 g (20 g – 43 g); p=0.66. Es konnte mit beiden Verfahren eine suffiziente Mundwinkelexkursion beim Lachen erzielt werden. Die Kontraktion der N. massetericus innervierten Muskeln und damit die Mundwinkelexkursion war größer als die der CFNG-innervierten Muskeln. Nach CFNG Koaptation war lediglich bei einem Patienten eine Muskelausdünnung erforderlich bei einem Muskelgewicht von 50 g. Bei 50% (n=6) der N. massetericus innervierten Muskeln wurde im Verlauf eine Volumenreduktion indiziert. Bei einem Muskelgewicht von < 25 g (n=4) war in keinem Fall eine weitere Ausdünnung notwendig.

Zusammenfassend ist der Anschluss an den N. massetericus eine einzeitige Alternative die in der Regel zu einer stärkeren Kontraktion des Muskels und damit zur größeren Mundwinkelexkursion führt. Das transferierte Muskelsegmente sollte hier kleiner als bei einem CFNG Anschluss gewählt werden. Aus unserer Sicht scheint eine Muskelmasse von 20-25g ideal beim Anschluss des Muskles an den N. massetericus. Bei einem CFNG können Muskelgewichte bis zu 45g toleriert werden.