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29. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

21.09. - 23.09.2012, Bonn

Mobilfunktechnik in der Datenübertragung beim UNHS

Vortrag

  • corresponding author presenting/speaker Peter Matulat - Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie, Universitätsklinikum Münster, Münster, Deutschland
  • author Hans Oswald - PATH medical, München, Deutschland
  • author Ingo Lepper - PATH medical, Münster, Deutschland
  • author Claus-Michael Schmidt - Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie, Universitätsklinikum Münster, Münster, Deutschland
  • author Frank Ückert - Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik, Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Mainz, Deutschland
  • author Antoinette am Zehnhoff-Dinnesen - Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie, Universitätsklinikum Münster, Münster, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. 29. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie (DGPP). Bonn, 21.-23.09.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgppV31

DOI: 10.3205/12dgpp56, URN: urn:nbn:de:0183-12dgpp565

Veröffentlicht: 6. September 2012

© 2012 Matulat et al.
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Gliederung

Zusammenfassung

Hintergrund: Dargestellt werden die technischen Hintergründe und die Ergebnisse eines Feldversuches einer auf Mobilfunktechnik basierenden bidirektionalen Übertragungstechnik.

Material und Methoden: Die Daten von 687 Mobilfunkübertragungen mit den Screeninggeräten Natus EchoScreen und dem GN Otometrics AccuScreen wurden mit 7377 herkömmlichen Übertragungen des Natus EchoScreen bezüglich Übertragungsdauer, -volumen, -geschwindigkeit sowie Anzahl der Verbindungsabbrüche und Häufigkeit der Übertragungen verglichen (H-Test nach Kruskal-Wallis, Mann-Withney-U-Test als Post-Hoc-Test mit Bonferroni-Korrektur).

Ergebnisse: Signifikante Vorteile hat die Funktechnik in Bezug auf die mittlere Übertragungsdauer (Konventionell: 108 Sekunden, Funktechnik: 12 und 15 Sekunden) , die Übertragungsgeschwindigkeit (Konventionell: 180 Bytes/Sek., Funktechnik: 898 und 1.707 Bytes/Sek.) und die Anzahl der Verbindungsabbrüche bei Funkverbindungen (Konventionell: 5,52% Abbrüche, Funkmodem: 2,11% und 0,88% Abbrüche). Das Übertragungsvolumen lag in der konventionellen Übertragungsgruppe im Schnitt bei 19.686 Bytes, in den Gruppen mit Funktechnik bei 10.595 und 29.010 Bytes.

Durch den Einsatz der Funktechnik kam es zu einer Reduktion der Tage zwischen den Datenübertragungen von bisher durchschnittlich 10,45 Tagen auf 5.49 Tage in der EchoScreen-Gruppe und 3,17 Tage in der AccuScreen-Gruppe mit Funktechnik.

Diskussion: Die Möglichkeit der Übertragung von Konfigurationsdaten und Updates verringert den Personalaufwand bei vergleichbaren Kosten von 1,92 € pro Gerät und Monat für die Datenübertragung.

Zuordnungsprobleme von Austauschgeräten im Zusammenhang mit den jährlichen medizintechnischen Kontrollen lassen sich mit dem Einsatz von Funktechnik vermeiden. Als „out-of-the-box-Lösung“ hat die Funktechnik einen sehr geringen Installationsaufwand und ist unabhängig von der Klinikinfrastruktur sowie mobil einsetzbar.

Der Einsatz von Mobilfunktechnik ist eine effektive, zuverlässige und kostengünstigere Alternative zu anderen Übertragungstechniken im UNHS.


Text

Hintergrund und Problemstellung

Bezüglich der Notwendigkeit eines universellen Neugeborenenhörscreenings herrscht interdisziplinäre und internationale Einigkeit. Die frühe Untersuchung und Nachverfolgung (Tracking) aller kontrollbedürftigen Neugeborenen reduziert das Diagnosealter und Versorgungsalter signifikant.

Das Nachverfolgen der Befunde, die Qualitätskontrolle der Messungen und die zeitnahe Koordination aller am diagnostischen Prozess Beteiligten bleibt eine Herausforderung und ist zeitintensiv. In kleineren – lokal begrenzten – Hörscreeningprojekten kann der notwendige Informationsaustausch zwischen den Kliniken, den Eltern, den Nachuntersuchungsstellen und einer ggf. vorhandenen Trackingzentrale mittels Telefon, Fax oder Email gelingen. Mit zunehmender Größe stoßen derartige Übertragungswege jedoch schnell an Ihre organisatorischen und personellen und damit auch ökonomischen Grenzen. In Ländern mit zentralen Trackingzentren wie England und den Niederlanden wurde deshalb schon früh mit automatisierten Übertragungsmöglichkeiten gearbeitet. In den Niederlanden werden die Daten von den dort eingesetzten Natus EchosScreen Screeninggeräten mittels Faxmodem automatisiert an die Zentrale gesendet. Diese Übertragungstechnik ist auch in einzelnen Hörscreeningprojekten in Deutschland (Hessen, Nordrhein, Westfalen-Lippe) der am meisten vorkommende Übertragungsweg.

Solche unidirektionalen Übertragungswege erweisen sich in der Praxis oft als unzureichend, da sie keine Unterstützung für eine Reihe von Problemen liefern, die einen erheblichen Supportaufwand in der Trackingzentrale auslösen:

1.
Darf nur geschultes und zertifiziertes Personal Screeningdaten einsenden und werden Schulungen dezentral angeboten, müssen die Logindaten durch einen Vor-Ort Service eines Technikers auf die Geräte gebracht werden.
2.
Der datentechnische Anschluss von Screeningeräten an die Screeningzentrale ist immer auf eine Zusammenarbeit zwischen der Medizintechnik bzw. IT-Abteilung und der Fernmeldeabteilung des betreffenden Krankhauses angewiesen. Hier ist ein Vor-Ort-Support der Screeningzentrale notwendig. Zunehmend stößt man zudem in modernen Krankenhäuser auf Installationsprobleme wegen fehlender analoger Anschlüsse.
3.
Alle eingesetzten Screeninggeräte mit automatischen Übertragungsmöglichkeiten erlauben die Übertragung von Kommentaren zur Messung, um eine Interpretation der Daten zu erleichtern oder die statistische Auswertung gemäß der Vorgaben der Kinderrichtlinie zu gewährleisten. Änderungen könnten über den Gerätehersteller im Zuge der jährlichen medizintechnischen Überprüfung erfolgen, was aber als Zeitrahmen für Updates unbefriedigend ist.

Methode und Ergebnisse

Vor dem Hintergrund dieser Praxisprobleme wurden seit Herbst 2009 im Rahmen einer durch das Land NRW und die Europäische Union geförderten Projektes eine auf Mobilfunktechnik beruhende Ersatzlösung für das Natus EchoScreen sowie eine in die Dockingstation des GN-Otometrics AccuScreen integrierte Funklösung mit bidirektionaler Datenübertragung entwickelt und evaluiert. Das Projekt wurde im April 2012 nach einem mehrmonatigen Feldversuch in 16 Kliniken in Westfalen-Lippe abgeschlossen.

Die Daten von 687 Mobilfunkübertragungen mit den Screeninggeräten Natus EchoScreen und dem GN Otometrics AccuScreen wurden mit 7.377 herkömmlichen (Faxmodem) Übertragungen des Natus EchoScreen verglichen. Ausgewertet wurden über die drei Gruppen:

1.
die Übertragungsdauer,
2.
die Übertragungsgeschwindigkeit,
3.
das Übertragungsvolumen,
4.
die Anzahl der Verbindungsabbrüche und
5.
die Häufigkeit der Übertragungen von Messdaten.

Die Auswertung der Daten erfolgte unter Verwendung des Statistikprogramms IBM SPSS 20. Da die Kriterien der Varianzhomogenität (geprüft mit dem Levene-Test) und Normalverteilung bei einzelnen Parametern (geprüft mit dem Kolmogorov-Smirnov-Test und visualisiert mit Q-Q-Diagrammen) nicht in jedem Fall erfüllt waren, wurden die Gruppenmittelwerte mit dem parameterfreien H-Test nach Kruskal-Wallis verglichen. Als Post-Hoc-Test wurde der Mann-Whitney-U-Test mit Bonferroni-Korrektur verwendet. Alle im Folgenden dargestellten Unterschiede sind auf dem Niveau von kleiner 5% signifikant.

Tabelle 1 [Tab. 1] zeigt die Ergebnisse des Gruppenvergleichs im Überblick.

Signifikante Vorteile hat die Funktechnik in Bezug auf die mittlere Übertragungsdauer und die Übertragungsgeschwindigkeit. Das Übertragungsvolumen lag in der konventionellen Übertragungsgruppe im Schnitt bei 19.686 Bytes, in den Gruppen mit Funktechnik bei 10.595 und 29.010 Bytes.

Die Anzahl der Verbindungsabbrüche war bei der konventionellen Übertragung mit 5.52% sehr hoch. Diese Rate von Verbindungsabbrüchen nach einem initialen Verbindungsaufbau konnte durch den Einsatz von Funktechnik mit 2,11% und 0,88% Abbrüchen deutlich gesenkt werden.

Durch den Einsatz der Funktechnik kam es zu einer Reduktion der Tage zwischen den Datenübertragungen von bisher durchschnittlich 10,45 Tagen auf 5,49 Tage in der EchoScreen-Gruppe und 3,17 Tage in der AccuScreen-Gruppe mit Funktechnik.

Diskussion

Bei mit der Faxmodem-Übertragung vergleichbaren Hardwarekosten (ca. 800 Euro) finden sich in allen getesteten Parametern Vorteile der Funktechnologie bei einem Mehrwert in Form von Bidirektionalität.

Die Möglichkeit der Übertragung von Konfigurationsdaten und Updates verringert den Personalaufwand bei vergleichbaren Kosten von 1,92 € pro Gerät (M2M Tarif der Telekom) und Monat für die Datenübertragung gegenüber der Festnetztechnik.

Zuordnungsprobleme von Austauschgeräten im Zusammenhang mit den jährlichen medizintechnischen Kontrollen lassen sich mit dem Einsatz von Funktechnik vermeiden. Als „out-of-the-box-Lösung“ hat die Funktechnik einen sehr geringen Installationsaufwand und ist unabhängig von der Klinikinfrastruktur sowie mobil einsetzbar.

Der Einsatz von Mobilfunktechnik ist eine effektive, zuverlässige und kostengünstigere Alternative zu anderen Übertragungstechniken im Neugeborenenhörscreening.