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29. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

21.09. - 23.09.2012, Bonn

Erste Erfahrungen mit dem Narrow Band Imaging (NBI) in der laryngologischen Praxis

Vortrag

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  • corresponding author presenting/speaker Katrin Jahn - Universitäts-HNO-Klinik Bonn, Abteilung für Phoniatrie & Pädaudiologie, Bonn, Deutschland
  • author Andreas O. H. Gerstner - Universitäts-HNO-Klinik Bonn, Bonn, Deutschland
  • author Götz Schade - Universitäts-HNO-Klinik Bonn, Abteilung für Phoniatrie & Pädaudiologie, Bonn, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. 29. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie (DGPP). Bonn, 21.-23.09.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgppV28

DOI: 10.3205/12dgpp48, URN: urn:nbn:de:0183-12dgpp484

Veröffentlicht: 6. September 2012

© 2012 Jahn et al.
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Zusammenfassung

Hintergrund: Beim Narrow Band Imaging (NBI) handelt es sich um ein optisches Verfahren, bei dem durch einen speziellen Filter Blaulicht mit Frequenzen zwischen 400–430 nm und zwischen 525–555 nm erzeugt wird. Diese Frequenzen werden vor allem durch Hämoglobin absorbiert. Dadurch kommt es zu einer Reduktion des Rotanteiles im Farbspektrum und Kontraste im Bereich der Schleimhäute treten stärker hervor. Dadurch wird eine verbesserte Visualisierung mikrovaskulärer Strukturen in der Submukosa möglich.

Material und Methoden: Im Rahmen einer Testphase mit dem flexiblen NBI-Laryngoskop der Firma Olympus wurden verschiedene Schleimhautläsionen im Bereich des Nasopharynx und im Bereich des Larynx untersucht und die NBI-Befunde mit den Befunden mit konventionellem Weißlicht einander gegenübergestellt.

Ergebnisse:

1.
Larynxpapillomatose: Die charakteristische blumenkohlartige Oberfläche der Papillome mit den typischen punktförmigen Läsionen trat durch das NBI-Verfahren stärker hervor und ein beginnender Befall der Gegenseite über die vordere Kommissur kam ebenfalls deutlicher zur Darstellung.
2.
Leukoplakie: Bei dem Rezidiv einer Stimmlippenleukoplakie im vorderen Stimmlippendrittel links waren durch das NBI-Verfahren und die damit verbundene Kontrastverstärkung die Begrenzungen der Läsion besser zu erkennen.
3.
Stimmlippenkarzinom: Im NBI-Verfahren traten die Kapillargefäße in der unmittelbaren Umgebung des Tumors deutlicher hervor.
4.
Plattenepithelkarzinom des Nasopharynx: Anhand des NBI-Befundes ließen sich die Begrenzungen der Läsion klarer darstellen.

Diskussion: Anhand dieser von uns erhobenen ersten Befunde halten auch wir das NBI-Verfahren für ein wertvolles Instrument in der laryngologischen Praxis, welches insbesondere im Rahmen der Früherkennung von Tumoren als auch im Rahmen der Nachsorge eine wesentliche Verbesserung der diagnostischen Möglichkeiten bietet.


Text

Einleitung und Hintergrund

Beim Narrow Band Imaging (NBI) handelt es sich um ein optisches Verfahren, bei dem durch spezielle Filter Blaulicht mit Frequenzen zwischen 400-430nm und 525-555 nm erzeugt wird [1]. Diese Frequenzen werden vor allem durch Hämoglobin absorbiert. Dadurch kommt es zu einer Reduktion des Rotanteiles im Farbspektrum und Kontraste im Bereich der Schleimhäute treten stärker hervor. So wird eine verbesserte Visualisierung mikrovaskulärer Strukturen in der Mukosa und in der Submukosa möglich [2]. Erste prospektive Studien zeigten bereits, dass durch dieses Verfahren die diagnostischen Möglichkeiten vor allem bei der Früherkennung von Malignomen im Gastrointestinaltrakt verbessert werden können, da vaskuläre Veränderungen – insbesondere neoangiogene Muster tumoröser Läsionen – im Bereich der Schleimhäute deutlicher zur Darstellung kommen [3], [4].

Material, Methode

Im Rahmen einer Testphase mit dem flexiblen NBI-Laryngoskop der Firma Olympus (Olympus ENF VQ), gekoppelt an eine Xenon Lichtquelle (Olympus EVIS EXERA CLV 180 300W) mit NBI-Filter wurden bei insgesamt 21 Patienten verschiedene Schleimhautläsionen im Bereich des Nasopharynx und im Bereich des Larynx mit konventionellem Weißlicht (CWL) und mit NBI-Technik untersucht. Alle Patienten wurden vor der Untersuchung über die zur Verfügung stehende Technik informiert und gaben ihr mündliches Einverständnis.

Die Untersuchung wurde transnasal in Oberflächensprühanästhesie mit Lidocain durchgeführt und erfolgte am wachen, aufrecht sitzenden Patienten. Der Wechsel zwischen den beiden zur Verfügung stehenden Belichtungstechniken wurde per Knopfdruck am Endoskop vorgenommen. Die Untersuchung verlängerte sich hierdurch um etwa 30–50 Sekunden. Die NBI-Befunde wurden mit den im konventionellen Weißlicht erhobenen Befunden verglichen. Bei den hier exemplarisch vorgestellten Befunden handelt es sich u.a. um den Befund einer Larynxpapillomatose bei einem 31-jährigen männlichen Patienten, ein Stimmlippenleukoplakie-Rezidiv bei einem 67-jährigen Mann, ein histologisch gesichertes Plattenepithelkarzinom der rechten Stimmlippe bei einer 69-jährigen weiblichen Patientin und um ein histologisch gesichertes Plattenepithelkarzinom im Nasopharynx einer 48-jährigen Frau.

Ergebnisse

1.
Larynxpapillomatose: Im konventionellen Weißlicht zeigte sich eine papillomatöse Raumforderung im Bereich des gesamten ligamentären Anteils der rechten Stimmlippe. Die charakteristische blumenkohlartige Oberfläche der Papillome mit den typischen punktförmigen Läsionen trat durch das NBI-Verfahren stärker hervor; darüber hinaus kam ein beginnender Befall der vorderen Kommissur und der Stimmlippenschleimhaut der Gegenseite deutlicher zur Darstellung (Abbildung 1 [Abb. 1] und Abbildung 2 [Abb. 2]).
2.
Leukoplakie: Bei dem Rezidiv einer Stimmlippenleukoplakie im vorderen Stimmlippendrittel links waren durch das NBI-Verfahren und die damit verbundene Kontrastverstärkung die Begrenzungen der Läsion besser zu erkennen, zudem zeigte sich – im Gegensatz zur konventionellen Technik – auch ein schmaler Ausläufer nach dorsal.
3.
Stimmlippenkarzinom: Das bereits im Vorfeld histologisch gesicherte Plattenepithelkarzinom der rechten Stimmlippe war sowohl im konventionellen Weißlicht als auch im NBI-Verfahren klar erkennbar. Allerdings traten die Kapillargefäße in der unmittelbaren Umgebung des Tumors deutlicher hervor, sodass eine Beurteilung der Tumorgrenzen besser möglich war.
4.
Plattenepithelkarzinom des Nasopharynx: Im konventionellen Weißlicht zeigte sich bei dem auswärtig durch eine Biopsie gesicherten Plattenepithelkarzinom der Hinterwand des Nasopharynx in korrespondierender Höhe zur Uvula eine livide Färbung der Schleimhaut mit diffusen Fibrinbelägen im Bereich der entnommenen Gewebeprobe. Anhand des NBI-Befundes ließen sich die Abgrenzungen der Läsion zum gesunden Gewebe deutlich klarer darstellen.

Diskussion und Fazit für die Praxis

Die Verbesserung der diagnostischen Genauigkeit bei der Detektion maligner Schleimhautläsionen im Oro- und Hypopharynxbereich konnte bereits mehrfach in prospektiven Studien gezeigt werden [2], [3], [4]. Auch bei der Beurteilung der laryngealen Schleimhautverhältnisse bei Patienten mit Larynxpapillomatose konnte bereits dargelegt werden, dass durch die Anwendung der NBI-Technologie die Visualisierung papillomatöser Läsionen im Hinblick auf Residuen oder Rezidive deutlich verbessert werden kann [5].

Anhand der von uns erhobenen ersten Befunde zeigt sich ebenfalls, dass das NBI-Verfahren ein wertvolles Instrument in der laryngologischen Praxis darstellt, welches insbesondere sowohl im Rahmen der Früherkennung als auch im Rahmen der Nachsorge von Tumoren eine wesentliche Bereicherung der diagnostischen Möglichkeiten bietet. Darüber hinaus zeichnet sich ab, dass durch dieses Verfahren auch bei primär benignen Schleimhautläsionen wie der Larynxpapillomatose die Ausdehnungsbestimmung, bzw. die Beurteilung von Residuen oder Rezidiven deutlich verbessert werden kann.


Literatur

1.
Arens C, Vorwerk U, Just T, Betz CS, Kraft M. Fortschritte der endoskopischen Diagnostik von Dysplasien und Karzinomen des Larynx. HNO. 2012;60:44-52. DOI: 10.1007/s00106-011-2428-3 Externer Link
2.
Yoshimura N, Goda K, Tajiri H, Yoshida Y, Kato T, Seino Y, Ikegami M, Urashima M. Diagnostic utility of narrow-band imaging endoscopy for pharyngeal superficial carcinoma. World J Gastroenterol. 2011 Dec;17(45):4999-5006. DOI: 10.3748/wjg.v17.i45.4999  Externer Link
3.
Piazza C, Cocco D, De Benedetto L, Del Bon F, Nicolai P, Peretti G. Narrow band imaging and high definition television in the assessment of laryngeal cancer: a prospective study on 279 patients. Eur Arch Otorhinolaryngol. 2010 Mar;267(3):409-14. DOI: 10.1007/s00405-009-1121-6 Externer Link
4.
Ugumori T, Muto M, Hayashi R, Hayashi T, Kishimoto S. Prospective study of early detection of pharyngeal superficial carcinoma with the narrow band imaging laryngoscope. Head & Neck. 2009;31(2):189-194. DOI: 10.1002/hed.20943 Externer Link
5.
Tjon Pian Gi RE, Halmos GB, van Hemel BM, van den Heuvel ER, van der Laan BF, Plaat BE, Dikkers FG. Narrow band imaging is a new technique in visualization of recurrent respiratory papillomatosis. Laryngoscope. 2012 Apr. DOI: 10.1002/lary.23344 Externer Link