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25. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

12.09. - 14.09.2008, Düsseldorf

Das Persönlichkeits-Stil- und Störungs-Inventar (PSSI) als Baustein der Eignungsdiagnostik bei Gesangsstudenten

Vortrag

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  • corresponding author presenting/speaker Katharina Florek - Universitätsklinikum Carl-Gustav-Carus Dresden, Dresden, Deutschland
  • author Dirk Mürbe - Universitätsklinikum Carl-Gustav-Carus Dresden, Dresden, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. 25. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. Düsseldorf, 12.-14.09.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08dgppV56

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgpp2008/08dgpp79.shtml

Veröffentlicht: 27. August 2008

© 2008 Florek et al.
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Zusammenfassung

Im Rahmen der Eingangsuntersuchung von Gesangstudenten im ersten Semester an der Musikhochschule Carl Maria von Weber Dresden werden neben einer umfassenden phoniatrischen Untersuchung und der Erhebung morphometrischer und physiologischer Daten auch psychologische Merkmale mit Hilfe des Persönlichkeits-Stil- und Störungs-Inventars (PSSI) [3] untersucht.

Das PSSI ist ein Selbstbeurteilungsinstrument, das die relative Ausprägung von Persönlichkeitsstilen quantifiziert. Diese gelten als nicht-pathologische Entsprechungen der in den psychiatrischen diagnostischen Manualen (DSM-IV, ICD-10) beschriebenen Persönlichkeitsstörungen. 140 Items, die 14 Skalen zugeordnet sind, ermöglichen die Erstellung eines individuellen Persönlichkeitsprofils, das mit den Werten einer Normstichprobe verglichen werden kann.

Erste Datenanalysen mehrer studentischer Jahrgänge sollen vorgestellt und die vorgefundenen Abweichungen von der Normpopulation diskutiert werden.

Die Ergebnisse stellen eine wichtige Ergänzung der phoniatrischen Befunde dar und sollen prospektiv als ein Prädiktor für Berufserfolg geprüft werden.


Text

Einleitung

Eignung wird allgemein als die Summe der Fähigkeiten, Eigenschaften und Motive einer Person für eine bestimmte Fähigkeit definiert. Unter beruflicher Eignung versteht man alle Voraussetzungen, die ein Individuum zur Ausübung eines Berufs oder einer Tätigkeit benötigt, um darin erfolgreich zu sein. Als Kriterien für beruflichen Erfolg gelten (a) Leistungsmaße (z.B. Verkaufszahlen), (b) Indikatoren der Karriereentwicklung (z. B. Gehalt), (c) Ausbildungs- und Trainingsergebnisse sowie (d) Beurteilungen durch Vorgesetzte [4]).

In der Berufseignungsdiagnostik werden Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse einer Person zu tätigkeitsspezifischen Anforderungen in Beziehung gesetzt, um eine Prognose des zu erwartenden Beruferfolgs zu erstellen. Zusätzlich werden tätigkeitsübergreifende Anforderungen definiert, denen allgemeine erfolgsrelevante Eigenschaften sowie das Entwicklungspotential der Person gegenüberstehen. Dazu gehören (a) kognitive Fähigkeiten, (b) soziale Kompetenz, (c) Leistungsmotivation und Persönlichkeitsmerkmale (z.B. emotionale Stabilität, Gewissenhaftigkeit, Offenheit für Erfahrungen). Ein daraus hervorgegangenes, breites Spektrum von Methoden der Diagnostik findet in der Personalauswahl bzw. -platzierung v.a. in Wirtschaftsunternehmen erfolgreich Anwendung, um den bestgeeigneten Bewerber für eine Position zu finden. Ein entsprechendes Vorgehen auf der Basis systematischer Untersuchungen eignungsdiagnostisch relevanter Persönlichkeitsmerkmale hat sich in künstlerischen Berufen (z.B. Gesangsstudium) bisher nicht etabliert.

Eine Basis dafür wurde mit einer Reiheneingangsuntersuchung aller Gesangsstudenten des ersten Semesters der Musikhochschule Carl Maria von Weber Dresden geschaffen, die neben einer umfassenden phoniatrischen Untersuchung und der Erhebung morphometrischer und physiologischer Daten auch psychologische Merkmale mit Hilfe des Persönlichkeits-Stil- und Störungs-Inventars (PSSI) [3] erfasst. Frühere Auswertungen [2], [1] ergaben Hinweise, dass Fähigkeiten und Fertigkeiten im Sinne physischer Voraussetzungen für eine sängerische Tätigkeit die Varianz des Beruferfolgs nicht vollständig erklären können. Vielmehr zeigten Persönlichkeitsmerkmale eine hohe prognostische Relevanz. Basierend auf den Vorbefunden sollen in der vorliegenden Studie das Persönlichkeitsprofil der studentischen Population genauer dargestellt und auf ihr eignungsdiagnostisches Potential untersucht werden.

Methode

Das Persönlichkeits-Stil- und Störungs-Inventar (PSSI) [3] ist ein Selbstbeurteilungsinstrument, das die relative Ausprägung von Persönlichkeitsstilen quantifiziert. Diese gelten als nicht-pathologische Entsprechungen der in den psychiatrischen diagnostischen Manualen (DSM-IV, ICD-10) beschriebenen Persönlichkeitsstörungen. 140 Items, die 14 Skalen zugeordnet sind, ermöglichen die Erstellung eines individuellen Persönlichkeitsprofils, das mit den Werten einer Normstichprobe verglichen werden kann.

Drei Jahrgänge (2003–2005) von Studenten des Faches Gesang an der Musikhochschule Carl Maria von Weber Dresden (n=38) bearbeiteten im Rahmen der allgemeinen Eingangsuntersuchung das PSSI. Für jeden Probanden wurde ein T-Werte für jede der 14 Skalen ermittelt. Die T-Werte jeder Skala wurden über alle Probanden gemittelt. Die erhaltenen Mittelwerte wurden auf Überschreitung einer Standardabweichung über bzw. unter dem Mittelwert überprüft.

Ergebnisse

Die Auswertung der Daten ergab, dass die Angaben der Stichprobe der Gesangsstudenten sich in 13 von 14 Skalen nicht von den Werten der Normstichprobe unterschieden. Eine Überschreitung der Standardabweichung (T>60) zeigte sich jedoch auf der Skala „Optimistischer Stil bzw. rhapsodische Persönlichkeitsstörung“. Der Mittelwert der T-Werte dieser Skala betrug 60,2.

Diskussion

Die Ergebnisse zeigen, dass sich eine Stichprobe von Gesangsstudenten der Musikhochschule Carl Maria von Weber Dresden in einem Persönlichkeitsstil (Skala „Optimistischer Stil bzw. rhapsodische Persönlichkeitsstörung“) von der Normstichprobe unterscheidet.

Der optimistische Stil und die rhapsodische Störung haben mit anderen Stilen, die mit einer erhöhten positiven Emotionalität verbunden sind, die optimistischen bis schwärmerischen Anteile gemeinsam. Sie sind durch eine positive Lebenseinstellung gekennzeichnet. Das kritisch-analytische Denken ist zugunsten einer Tendenz zur positiven Umdeutung von zunächst negativ erscheinenden Ereignissen reduziert. In der pathologischen Übersteigerung kann diese Einstellung zu chronischer Schwärmerei und der Unfähigkeit führen, negative Seiten im Selbsterleben und bei anderen zu sehen und sich mit Problemen auseinanderzusetzen [3].


Literatur

1.
Heidelbach JG, Schwickardi H. Various special, psychological aspects in candidates for a voice-intensive profession (singers). Folia Phoniatr (Basel). 1982;34(4):182-90.
2.
Heidelbach JG. Über die Methodik, Wertigkeit und den Nutzen laryngologisch-phoniatrischer sowie gesangspädagogisch-physiologischer Untersuchungen für die Eignung zum Sängerberuf. Hochschulschrift. 1976.
3.
Kuhl J, Kazén M. Das Persönlichkeits-Stil- und Störungsinventar. Göttingen: Hogrefe; 1997.
4.
Schuler H. Psychologische Personalauswahl: Einführung in die Berufseignungsdiagnositk. Verlag für Angewandte Psychologie; 2000.