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Dreiländertagung D-A-CH
24. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

28. - 30.09.2007, Innsbruck, Österreich

Topographische Anatomie des R. internus des N. laryngeus superior und seine Beziehung zu den anderen Kehlkopfnerven

Vortrag

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  • presenting/speaker Rolf Schiel - Praxis für HNO, Phoniatrie und Pädaudiologie, Dr. med. Terjung / Schiel, Bremen, Deutschland
  • corresponding author Arno Olthoff - Phoniatrie und Pädaudiologie, Universitätsmedizin Göttingen, Göttingen, Deutschland
  • Eberhard Kruse - Phoniatrie und Pädaudiologie, Universitätsmedizin Göttingen, Göttingen, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. Sektion Phoniatrie der Österreichischen Gesellschaft für HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirugie. Schweizerische Gesellschaft für Phoniatrie. Dreiländertagung D-A-CH, 24. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e.V.. Innsbruck, Österreich, 28.-30.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07dgppV07

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgpp2007/07dgpp09.shtml

Veröffentlicht: 28. August 2007

© 2007 Schiel et al.
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Zusammenfassung

Einleitung: Die sensible und möglicherweise auch propriozeptive Innervation des Kehlkopfes erfolgt überwiegend durch den R. internus. Die Faserverläufe, Ausbreitung und Anastomosen dieses Nervenastes sollten in einer anatomischen Studie untersucht werden.

Material und Methoden: Der R. internus wurde an humanen formalinfixierten Kehlköpfen operationsmikroskopisch dargestellt und mit gelbem Acryllack markiert.

Ergebnisse: Bei seinem Eintritt in den Kehlkopf teilt sich der R. internus in bis zu 3 Hauptäste auf. Es folgt die weitere Aufzweigung in drei Astgruppen. Die Astgruppe I versorgt die Epiglottis von der lingualen Seite und durch kleine Knorpelkanäle auch die laryngeale Fläche. Die Astgruppe II innerviert das Vestibulum mit den Taschenfalten. Die Postkrikoidregion und der ventrale Ösophaguseingang werden durch die Astgruppe III versorgt, welche neben Schleimhautästen Fasern in den M. interarytaenoideus sendet. Zusätzlich zur Ansa Galeni fanden sich Anastomosen zum N. recurrens, zum R. ventricularis sowie innerhalb und zwischen den Astgruppen.

Diskussion: Funktionell möchten wir den Nervenfasern zur Epiglottis und zu den Taschenfalten sensorische Qualitäten zur Boluserkennung und Protektion der Luftwege beim Schluckakt zuschreiben. Sowohl bei den Fasern zu den Taschenfalten als auch zur Postkrikoidregion nehmen wir zudem propriozeptive Qualitäten an.


Text

Einleitung

Die sensible und möglicherweise auch propriozeptive Innervation des Kehlkopfes erfolgt überwiegend durch den R. internus [2]. Dementsprechend hat dieser Nerv von allen drei Kehlkopfnerven das größte Ausbreitungsareal mit zahlreichen Anastomosen zwischen den einzelnen Astgruppen und auch den beiden anderen Kehlkopfnerven [1].

Material und Methoden

An humanen Kehlköpfen (fixiert in 4% Formalin) wurde der R. internus operationsmikroskopisch (Fa. Zeiss, Jena) unter Verwendung ohrmikrochirurgischen Instrumentariums präpariert. Die Markierung des Nervs erfolgte mit gelbem Acryllack.

Ergebnisse

Nach Aufzweigung des N. laryngeus superior in den R. externus und den R. internus zieht dieser durch die Membrana thyrohyoidea in das Kehlkopfinnere. Unmittelbar nach diesem Durchtritt, in einigen Präparaten auch schon extralaryngeal, teilt sich der Nerv in bis zu drei Hauptäste auf, die sich dann in drei Etagen von kranial nach kaudal endolaryngeal weiter aufzweigen (Abbildung 1 [Abb. 1]). Die erste kraniale Astgruppe (I) versorgt zunächst die linguale Fläche der Epiglottis, wo sie ein submuköses Nervengeflecht bildet. Von diesem Nervengeflecht ausgehend wird über Rr. perforantes, die durch feine Knorpelkanäle ziehen, auch die laryngeale Fläche der Epiglottis versorgt.

Die mittlere Astgruppe (II) tritt durch die Aryepiglottische Falte in das Vestibulum ein und bildet hier ein dichtes Geflecht bis in die Taschenfalten. Die kaudale Astgruppe (III) versorgt die Postkrikoidregion. Einige Äste dieser Astgruppe enden im M. interarytaenoideus. Der Endast des R. internus bildet schließlich mit dem ersten laryngealen Ast des N. recurrens die Ansa Galeni (Abbildung 2 [Abb. 2]). Außer der Ansa Galeni konnten zahlreiche Anastomosen sowohl innerhalb der einzelnen Astgruppen und zwischen den drei Astgruppen des R. internus, als auch zum R. ventricularis des R. externus und dem R. anterior sowie dem R. posterior des N. recurrens dargestellt werden.

Diskussion

Die Aufzweigung des R. internus in Hauptäste und in drei Astgruppen wurde bereits in der Literatur beschrieben [4]. Die neurale Versorgung der Epiglottis durch die Astgruppe I wurde dagegen in der Literatur nur vage dargestellt [4]. Unsere Präparationen bestätigen die klinische Beobachtung, dass die linguale Epiglottisfläche eine höhere Berührungssensibilität aufweist, als die laryngeale Fläche, was für den Schluckreflex und die Auslösung sowohl des Husten- als auch des Würgereflexes von Bedeutung ist. Die Astgruppe II bildet ein dichtes Nervengeflecht im Vestibulum vom Kehlkopfeingang bis zu den Taschenfalten und versorgt den supraglottischen Bereich sensibel sowie möglicherweise propriozeptiv auch den Taschenfaltenmuskel, der willkürmotorisch vermutlich durch den R. ventricularis des R. externus innerviert wird [6]. Klinische Hinweise auf eine solche propriozeptive Innervation durch den R. internus ergeben sich aus der Therapie der spasmodischen Dysphonie mit Botulinumtoxin-Injektionen in die Taschenfalten. Eine erfolgreiche Behandlung der adduktorischen Spasmen konnte hierdurch gezeigt werden [8]. Für die auffälligen Muskeläste der Astgruppe III zum M. interarytaenoideus wurde bereits eine motorische Modalität diskutiert [2], [4]. Der histochemische Nachweis von Acetyl-Cholinesterase in Nervenfasern der Astgruppe III [3] spricht für eine propriozeptive Innervation durch Fasern des R. internus neben der motorischen Versorgung durch den R. posterior des N. recurrens [7].

Die Ansa Galeni als bekannteste Anastomose zwischen dem Endast des R. internus und dem ersten laryngealen Ast des N. recurrens führt sensible Fasern zur Schleimhaut der Postkrikoidalregion und des Ösophaguseingangs und möglicherweise auch propriozeptive Muskeläste [2].

Zahlreiche Anastomosen zwischen dem R. internus und den beiden anderen Kehlkopfnerven wurden auch von anderen Autoren [5] beschrieben und zeigen, dass die Nervenversorgung des Kehlkopfes komplexer ist, als nach der klassischen Innervationstheorie nach Grossmann und Wagner dargestellt wird.


Literatur

1.
Kruse E, Olthoff A, Schiel R. Functional anatomy of the recurrent and superior laryngeal nerve. Langenbecks Arch Surg. 2006;391:4-8.
2.
Lang J, Nachbaur S, Fischer K. Nn. Laryngei, Verzweigungen im Kehlkopfinneren. Gegenbaurs morph Jahrb. 1986;132:723-36.
3.
Olthoff A, Schiel R, Prescher A, Kruse E. Anatomische und immunhistochemische Studie zum Ramus internus des Nervus laryngeus superior. HNO-Informationen. 2003;2:165.
4.
Sanders I, Mu L. Anatomy of the human internal superior laryngeal nerve. Anat Rec. 1998;252:646-56.
5.
Sanudo JR, Maranillo E, Mirapeix RM, Orus C, Quer M. An anatomical study of anastomoses between the laryngeal nerves. Laryngoscope. 1999;09:983-87.
6.
Schiel R, Olthoff A, Kruse E. Topographische Anatomie des Ramus externus des Nervus laryngeus superior und seine Beziehung zur Taschenfalte. Aktuelle phoniatrisch-pädaudiologische Aspekte. 2006;14:197-9.
7.
Schiel R, Olthoff A, Kruse E. Untersuchungen zur Anatomie des Ramus posterior des Nervus recurrens und seiner Beziehung zum Musculus interarytaenoideus. Aktuelle phoniatrisch-pädaudiologische Aspekte. 2004;12:18-20.
8.
Schönweiler R, Wohlfarth K, Dengler R, Ptok M. Supraglottal injection of botulinum toxin type A in adductor type spasmocic dysphonia with both intrinsic and extrinsic hyperfunction. Laryngoscope. 1998;108:55-63.