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23. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

15. - 17.09.2006, Heidelberg

Tinnitusentstehung bei Lärmarbeitern in Abhängigkeit von Qualität und Quantität des Hörverlustes

Course of hearing loss and the occurence of tinnitus after years of noise exposure in the workplace

Vortrag

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  • corresponding author presenting/speaker Ovidiu König - Department of Audiology and Phoniatrics, Charité - Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Germany
  • Roland Schaette - Institute for Theoretical Biology, Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin, Germany
  • Richard Kempter - Institute for Theoretical Biology, Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin, Germany
  • Manfred Gross - Department of Audiology and Phoniatrics, Charité - Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Germany

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. 23. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. Heidelberg, 15.-17.09.2006. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2006. Doc06dgppV34

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgpp2006/06dgpp49.shtml

Veröffentlicht: 5. September 2006

© 2006 König et al.
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Gliederung

Zusammenfassung

Hintergrund und Fragestellung: Es bleibt bisher ungeklärt, ob und auf welche Weise das akute Auftreten eines Hörverlustes einen Tinnitus auslösen kann. Wir untersuchten die Hypothese, dass die Entwicklung eines Tinnitus nach Hörverlust von der Form des Hörverlustes im Audiogramm abhängt.

Patienten und Methode: Wir untersuchten eine hinsichtlich der Ätiologie homogene Gruppe von 64 Patienten mit ausschließlich lärminduziertem Hörverlust: davon 26 Patienten ohne Tinnitus, 25 Patienten mit tonalem Tinnitus und 13 Patienten mit Tinnitus in Form eines Rauschens.

Ergebnisse: Die drei Gruppen unterschieden sich im Grad des Hörverlustes und hinsichtlich der Steilheit des Hochtonabfalles. Patienten ohne Tinnitus hatten die durchschnittlich größten Hörverluste mit relativ flachen Kurvenverläufen im Audiogramm, während Patienten mit tonalem Tinnitus die durchschnittlich geringsten Hörverluste gekoppelt mit den steilsten Kurvenverläufen im Audiogramm aufwiesen. Patienten mit Tinnitus in Form eines Rauschens lagen hinsichtlich dieser beiden Parameter intermediär. Es ergab sich eine klare Korrelation zwischen Tinnitusfrequenz und dem Beginn des Steilabfalles im Audiogramm für tonalen Tinnitus mit einer Tinnitusfrequenz von durchschnittlich 1,6 Oktaven oberhalb der Frequenz bei dem der Steilabfall beginnt und 0,7 Oktaven oberhalb der Frequenz mit dem steilsten Verlauf der Audiogrammkurve.

Schlussfolgerungen: Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Entwicklung von Ohrgeräuschen von der Steilheit des Hörverlustes im Audiogramm abhängig ist. Ein möglicher Mechanismus hierfür könnte sein, dass ein Steilabfall zu plötzlichen Aktivitätssprüngen entlang der tonotopen Axe des auditorischen Systems führt.


Text

Hintergrund

Es bleibt bisher ungeklärt, ob und auf welche Weise das akute Auftreten eines Hörverlustes einen Tinnitus auslösen kann. Wir untersuchten die Hypothese, dass die Entwicklung eines Tinnitus nach Hörverlust von der Form des Hörverlustes im Audiogramm abhängt.

Patienten und Methode

Wir untersuchten eine hinsichtlich der Ätiologie homogene Gruppe von 64 Patienten mit ausschließlich lärminduziertem Hörverlust: davon 26 Patienten ohne Tinnitus, 25 Patienten mit tonalem Tinnitus und 13 Patienten mit Tinnitus in Form eines Rauschens. Bei den Tinnituspatienten handelte sich ausschließlich um Patienten mit chronischem bilateralem Tinnitus.

Ergebnisse

Die drei Gruppen unterschieden sich im Grad des Hörverlustes und hinsichtlich der Steilheit des Hochtonabfalles (Abbildung 1 [Abb. 1]). Patienten ohne Tinnitus hatten die durchschnittlich größten Hörverluste mit relativ flachen Kurvenverläufen im Audiogramm, während Patienten mit tonalem Tinnitus die durchschnittlich geringsten Hörverluste gekoppelt mit den steilsten Kurvenverläufen im Audiogramm aufwiesen. Patienten mit Tinnitus in Form eines Rauschens lagen hinsichtlich dieser beiden Parameter intermediär. Es ergab sich eine klare Korrelation zwischen Tinnitusfrequenz und dem Beginn des Steilabfalles im Audiogramm für tonalen Tinnitus mit einer Tinnitusfrequenz von durchschnittlich 1,6 Oktaven oberhalb der Frequenz bei dem der Steilabfall beginnt und 0,7 Oktaven oberhalb der Frequenz mit dem steilsten Verlauf der Audiogrammkurve.

Schlussfolgerungen

Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Entwicklung von Ohrgeräuschen von der Steilheit des Hörverlustes im Audiogramm abhängig ist. Ein möglicher Mechanismus hierfür könnte sein, dass ein Steilabfall zu plötzlichen Aktivitätssprüngen entlang der tonotopen Axe des auditorischen Systems führt.