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23. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

15. - 17.09.2006, Heidelberg

Wiederholung von visuell und auditiv vorgegebenen Zahlenfolgen

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  • corresponding author presenting/speaker Harry de Maddalena - HNO-Klinik, Universitätsklinikum, Tübingen, Deutschland
  • Carl-Albert Bader - HNO-Klinik, Universitätsklinikum, Tübingen, Deutschland
  • author Sibylle Brosch - Abteilung Phoniatrie der HNO-Klinik, Universitätsklinikum, Würzburg, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. 23. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. Heidelberg, 15.-17.09.2006. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2006. Doc06dgppP04

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgpp2006/06dgpp11.shtml

Veröffentlicht: 5. September 2006

© 2006 de Maddalena et al.
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Zusammenfassung

Zur Bestimmung der auditiven Merkfähigkeit von Kindern werden häufig Zahlenfolgen vorgesprochen, die in der korrekten Reihenfolge nachgesprochen werden sollen. Sind die Nachsprechleistungen im Vergleich zur Altersnorm auffällig schwach, so wird häufig eine auditive Merkschwäche vermutet. Offen bleibt bei diesem Vorgehen jedoch, ob es sich bei unterdurchschnittlichen Leistungen um ein spezifisches auditives Merkdefizit handelt.

Um die Frage der Spezifität einer auditiven Merkschwäche zu überprüfen, wurden in einer explorativen Studie 27 Kindern im Alter von 7 bis 13 Jahren (18 Jungen) Zahlenfolgen visuell und auditiv vorgegeben. Die visuelle Vorgabe erfolgte über PC-Bildschirm, für die auditive Vorgabe wurde der Subtest „Zahlennachsprechen“ aus der K-ABC durchgeführt.

Die Leistungen in beiden Testverfahren korrelierten signifikant positiv auf mittlerer Höhe miteinander. Bei einem Mittelwertsvergleich zeigte sich, dass bei auditiver Vorgabe signifikant weniger Zahlenfolgen korrekt wiedergegeben wurden als bei visueller Vorgabe. Bei Betrachtung der Einzelergebnisse fielen 6 Kinder auf, die bei auditiver Vorgabe deutlich bessere Leistungen zeigten als bei visueller Vorgabe, wohingegen nur 2 Kinder bei visueller Vorgabe auffallend bessere Leistungen erbrachten.

Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass eine Überprüfung der seriellen auditiven Merkfähigkeit noch keine Rückschlüsse auf das Vorliegen einer isoliert zu betrachtenden auditiven Merkschwäche zulässt.


Text

Einleitung

Zur Bestimmung der auditiven Merkfähigkeit von Kindern werden häufig Zahlenfolgen vorgesprochen, die in der korrekten Reihenfolge nachgesprochen werden sollen. Sind die Nachsprechleistungen im Vergleich zur Altersnorm auffällig schwach, so wird häufig das Vorliegen einer auditiven Merkschwäche vermutet. Offen bleibt bei diesem Vorgehen jedoch, ob es sich bei unterdurchschnittlichen Leistungen um ein spezifisches auditives Merkdefizit handelt.

Methode

Um die Frage der Spezifität einer auditiven Merkschwäche zu überprüfen, wurden bisher 27 Kinder im Alter von 7 bis 13 Jahren (18 Jungen) explorativ untersucht, die in unserer Klinik wegen sprachlicher Entwicklungsauffälligkeiten und/oder Schwierigkeiten im schulischen Lernen (vor allem im Lesen und Schreiben) vorgestellt wurden (siehe Tabelle 1 [Tab. 1]).

Bei allen Kindern wurde der IQ mit einem nonverbalen Testverfahren – CPM oder SON-R 5,5-17 - überprüft [2], [3]. Die Fähigkeit zur Verarbeitung sequentiell vorgegebener Informationen wurde mit der „Skala des einzelheitlichen Denkens“ (SED) aus der deutschen Fassung der „Kaufman-Assessment Battery for Children“ (K-ABC) ermittelt [1]. In dieser Skala wird mit drei Subtests die Aufnahme, Speicherung und Wiedergabe einer Abfolge von a) Handbewegungen, b) Zahlenfolgen und c) Wortreihen in standardisierter Form erfasst und mit dem zu erwartenden altersbezogenen Entwicklungsstand verglichen. Es werden Skalenwerte ermittelt, wobei Werte im Bereich zwischen 8 und 12 durchschnittliche Leistungen und Werte unter 8 unterdurchschnittliche Leistungen bedeuten. Die Zahlenfolgen werden vom Versuchsleiter vorgesprochen und sollten von den Kindern in der richtigen Reihefolge wiederholt werden. Nach einer weiteren Testphase u.a. mit Lese- und Rechtschreibtest sowie Pausen wurden den Kindern Zahlenfolgen am PC-Bildschirm sukzessive vorgegeben, die sie möglichst korrekt nachsprechen sollten. Die Zahlenfolgen waren durch Umstellungen aus den K-ABC-Zahlenfolgen generiert worden.

Zum statistischen Vergleich der Leistungen beim Zahlennachsprechen unter den beiden Vorgabedingungen wurden die Rohwerte berücksichtigt. Die Rohwerte ergeben sich aus der Anzahl der jeweils korrekt nachgesprochenen Zahlenfolgen.

Ergebnisse

Bei einem Vergleich der SED-Mittelwerte zeigte sich eine deutliche Diskrepanz zwischen den (nahezu altersgemäßen) Leistungen im Subtest „Handbewegungen“ (visuell-motorische Vorgabe) einerseits und den unterdurchschnittlichen Leistungen in den beiden Subtests mit auditiver Vorgabe („Zahlennachsprechen“ und „Wortreihe“, siehe Abbildung 1 [Abb. 1]).

Dieser Befund ließe sich u.a. so interpretieren, dass eine spezifische Schwäche in der auditiven Merkfähigkeit vorliegt. Die Leistungen beim Zahlennachsprechen bei visueller und auditiver Vorgabe korrelierten auf einem mittleren Niveau positiv miteinander (r=0,40; Rangkorrelationskoeffizient nach Spearman, zweiseitige Testung, Lebensalter und IQ wurden herauspartialisiert). Bei einem Mittelwertsvergleich der Rohwerte zum Zahlennachsprechen zeigte sich, dass bei auditiver Vorgabe signifikant mehr Zahlenfolgen korrekt wiedergegeben wurden als bei visueller Vorgabe (siehe Tabelle 2 [Tab. 2]). Der Mittelwertsunterschied war auf dem 5%-Niveau signifikant (Wilcoxon-Test).

Bei Betrachtung der Einzelergebnisse lassen sich Kinder finden, denen das Zahlennachsprechen deutlich besser bzw. deutlich schlechter bei visueller bzw. bei auditiver Vorgabe gelingt. Als deutlich besser oder schlechter wurden Rohwertunterschiede von drei und mehr Punkten definiert. Unter Berücksichtigung dieses Kriteriums fielen 6 Kinder (22%) auf, die bei auditiver Vorgabe deutlich bessere Leistungen zeigten als bei visueller Vorgabe, wohingegen nur 2 Kinder (7%) bei visueller Vorgabe auffallend bessere Leistungen erbrachten.

Diskussion

In der jetzt durchgeführten explorativen Untersuchung zeigte sich, dass viele der Kinder, die beim Wiederholen von auditiv präsentierten Zahlenfolgen Defizite hatten, auch bei visueller Präsentation von Zahlenfolgen keine besseren Leistungen erzielten. Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass eine Überprüfung der seriellen auditiven Merkfähigkeit noch keine Rückschlüsse auf das Vorliegen einer isoliert zu betrachtenden auditiven Merkschwäche zulässt.


Literatur

1.
Kaufman AS, Kaufman NL, Melchers P, Preuß U. Kaufman Assessment Battery for Children. Deutsche Version. Individualtest zur Messung von Intelligenz und Fertigkeit bei Kindern. Lisse: Swets und Zeitlinger; 1991.
2.
Raven JC, Bulheller S, Häcker H. Coloured Progressive Matrices. 3., neu normierte Auflage. Frankfurt: Swets und Zeitlinger; 2002.
3.
Snijders JT, Tellegen PJ, Laros JA. Snijders-Oomen Nicht-verbaler Intelligenztest - SON-R 5,5-17. Groningen: Wolters-Noordhoff: 1989.