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100 Jahre Phoniatrie in Deutschland
22. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie
24. Kongress der Union Europäischer Phoniater

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

16. bis 18.09.2005, Berlin

Geschichte und Gegenwart der Prager Phoniatrie

History and Presence of Prague Phoniatrics

Vortrag

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100 Jahre Phoniatrie in Deutschland. 22. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie, 24. Kongress der Union der Europäischen Phoniater. Berlin, 16.-18.09.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05dgppV01

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgpp2005/05dgpp067.shtml

Veröffentlicht: 15. September 2005

© 2005 Šram.
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Zusammenfassung

Unsere Existenz basiert auf der zwischenmenschlichen Kommunikation. Sie steht daher seit Jahrtausenden im Mittelpunkt verschiedener Fachbereiche.

Im 19. Jahrhundert wurden Bedingungen für das Entstehen eines neuen medizinischen Fachbereichs reif, der die bisherigen Erkenntnisse zusammenfasste. Zu seinem Begründer wird im Jahre 1905 Hermann Gutzmann in Berlin. Er konzentriert in seiner Nähe einige Schüler, die seine Lehre weiterentwickeln und als „Phoniatrie" bezeichnen (Miloslav Seeman, Hugo Stern). Nach den Erfahrungen von den Kliniken und Instituten in Berlin, Wien, Hamburg und Paris gründet Prof. Miloslav Seeman 1922 in Prag eine Phoniatrie-Ambulanz, die das Entstehen des Fachbereichs Phoniatrie in der Tschechoslowakei bedeutet. Dank ihrem Begründer und dessen Schülern, vor allem Eva und Karel Sedláček u.a.m., entsteht hier die Prager Phoniatrieschule.

Die Zeit nach dem II. Weltkrieg stellt für die tschechische Phoniatrie den wichtigsten Zeitraum dar, damals trug die Prager Phoniatrieschule zur Wiedergeburt der europäischen Phoniatrie bei. Mit der Ausbildung ausländischer Experten nahm sie auf die Konzeption dieses Fachbereiches einen bedeutenden Einfluss.

Die Ideale der Berliner, Wiener und Prager Phoniatrieschule sind zum Kernstück der gegenwärtigen europäischen Kontinentalkonzeption geworden, die von der Union europäischer Phoniater getragen und durchgesetzt wird.

Die Forschung wird im Rahmen des Projekts EUREKA E1264 NewVoice gefördert.


Text

Unsere Existenz, Zivilisation sowie Kultur basieren auf der zwischenmenschlichen Kommunikation. Sie steht daher seit Jahrtausenden im Mittelpunkt verschiedener Fachbereiche. Ihre Formen werden weiterentwickelt, anatomische Grundlagen und Mechanismen des Verständigungsprozesses sowie der Umsetzung werden studiert. Ziel ist ihre gesunde Entwicklung.

Im 19. Jahrhundert wurden Bedingungen für das Entstehen eines neuen medizinischen Fachbereichs reif, der die bisherigen Erkenntnisse der modernen Diagnostik und Behandlung zusammenfasste. Zu seinem Begründer wird im Jahre 1905 Hermann Gutzmann in Berlin. Er konzentriert in seiner Nähe einige Schüler, die seine Lehre weiterentwickeln und 1922 als „Phoniatrie" bezeichnen (Hugo Stern, Miloslav Seeman).

Nach den Erfahrungen von den Kliniken und Instituten in Berlin, Wien, Hamburg und Paris gründet Prof. Miloslav Seeman 1922 an der HNO-Klinik von Prof. Kutwirt in Prag eine Phoniatrie-Ambulanz, die das Entstehen des Fachbereichs Phoniatrie in der Tschechoslowakei bedeutet. Später wird daraus eine Phoniatrie-Abteilung (1929) und 1957 dann die erste Phoniatrie-Klinik weltweit. Dank ihrem Begründer und dessen Schülern, vor allem Eva und Karel Sedláček u.a.m., entsteht hier die Prager Phoniatrieschule, die Phoniater ausbildet und die Grundlagen der Organisationsstruktur dieses Bereiches in Tschechien und in der Slowakei mitgestaltet.

Die Zeit nach dem II. Weltkrieg stellt für die tschechische Phoniatrie den wichtigsten Zeitraum dar, damals trug die Prager Phoniatrieschule zur Wiedergeburt der europäischen Phoniatrie bei. Mit der Ausbildung ausländischer Experten, mit ihren Ideen sowie mit der Veranstaltung von IALP- und UEP-Kongressen in Prag nahm sie auf die Konzeption dieses Fachbereiches einen bedeutenden Einfluss.

Im Sinne der Konzeption der Prager Phoniatrieschule bildet die Fürsorge für Stimm- und Sprachstörungen und Hörschäden ein untrennbares Ganzes. Sie erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Patienten, seiner Familie sowie mit den Experten von verwandten Bereichen. Sie entwickelt die Prophylaxe, Frühdiagnostik sowie die Behandlung mit den modernsten Methoden und Verfahren. Ein Bestandteil ist auch die Forschung und internationale Zusammenarbeit.

Die Ideale der Berliner, Wiener und Prager Phoniatrieschule sind zum Kernstück der gegenwärtigen europäischen Kontinentalkonzeption geworden, die von der Union europäischer Phoniater getragen und durchgesetzt wird.

Die Forschung wird im Rahmen des Projekts EUREKA E1264 NewVoice gefördert.


Literatur

1.
Böhme G: Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen. Band 1: Klinik. 4. Auflag. Urban und Fischer Verlag München - Jena, 2003.
2.
Seidner W: Die Berliner Schule der Organisten im Wirken von Fröschels, Nadoleczny, Seeman und Stern. Festveranstatung im Gedenken an Hermann Gutzmann sen., 29. 1. 2005, Berliner Charité, Berlin, 2005.
3.
Seidner W, Wendler J: Gedenken an den Bergründer der Phoniatrie Hermann Gutzmann sen. HNO aktuell, 13. Jahrgang, 1. Heft, 2005, S. 37-40.
4.
Sram F: The 75 IALP Anniversary. Videoprogramm. The Göteborg Composium, August 26. - 29. 1999, Medical Healthcom, Praha, 1999.
5.
Sram F, Traboulsi J, Jirák P: 80 years of the Czech and Slovak Phoniatrics (The most important Moments of 80 years of Czech and Slovak Phoniatrics - in sounds and pictures). In Phoniatrics Today 2002. Galén, Praha, 2002.
6.
Wendler J.: 75 Jahre Phoniatrie. Festschrift zu Ehren von Hermann Gutzmann sen. Wissenschaftliche Zeitschrift der Humboldt-Universität zu Berlin, 1980.
7.
Zehmisch H: Die Gutzmanns. 16th IALP-Congress, Interlaken, 1974, Karger, Basel, 1976, S. 542-548.