gms | German Medical Science

100 Jahre Phoniatrie in Deutschland
22. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie
24. Kongress der Union Europäischer Phoniater

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

16. bis 18.09.2005, Berlin

Subjektive und objektive Stimmqualität nach Behandlung von T1-T2 Glottiskarzinomen

Subjective and objective voice results after treatment of T1- and T2- glottic carcinoma

Vortrag

Suche in Medline nach

  • corresponding author presenting/speaker Susann Baumann - Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie, Universitätsspital Zürich, Phoniatrie und Pädaudiologie, Zürich, Schweiz
  • author Dorothe Veraguth - Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie, Universitätsspital Zürich, Phoniatrie und Pädaudiologie, Zürich, Schweiz
  • author Sandro J. Stöckli - Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie, Universitätsspital Zürich, Zürich, Schweiz

100 Jahre Phoniatrie in Deutschland. 22. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie, 24. Kongress der Union der Europäischen Phoniater. Berlin, 16.-18.09.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05dgppV35

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgpp2005/05dgpp013.shtml

Veröffentlicht: 15. September 2005

© 2005 Baumann et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielf&aauml;ltigt, verbreitet und &oauml;ffentlich zug&aauml;nglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Zusammenfassung

Einleitung: Glottische Larynxkarzinome der Stadien T1-2 können sowohl operativ als auch mit primärer Radiotherapie effektiv behandelt werden. Die Heilungsrate ist bei beiden Therapieoptionen vergleichbar, doch wird die bessere Stimmqualität immer wieder als Argument für die Bestrahlung angeführt. Das Ziel dieser Studie war es, sowohl objektiv als auch subjektiv die Stimmqualität nach Abschluss der beiden Therapien zu vergleichen.

Methode: Aus der Gruppe aller Patienten, bei denen zwischen 1.1.1990 und 31.12.2002 an der ORL-Klinik des Universitätsspital Zürich ein T1-T2 Glottiskarzinom diagnostiziert wurde, wurden jene Patienten in die Studie eingeschlossen, die unter einer Monotherapie innerhalb des Beobachtungszeitraumes rezidivfrei blieben und keine Therapiekomplikationen aufwiesen, welche einen zusätzlichen Einfluss auf die Stimmqualität hatten. Bei diesem Kollektiv führten wir einerseits eine objektive Stimmanalyse inklusive Göttinger Heiserkeitsdiagramm durch und andererseits eine subjektive Einschätzung durch den Patienten mittels eines standardisierten Fragebogens (Voice Handicap Index, validiert für den deutschsprachigen Raum 2003).

Resultate: Die Resultate werden wir an der wissenschaftlichen Jahrestagung präsentieren.


Text

Einleitung

Das Ziel bei der Therapie eines Stimmlippenkarzinomes ist die optimale Tumorkontrolle unter Erhaltung einer möglichst guten Stimmqualität. Dafür stehen uns zwei Therapieoptionen zur Verfügung: Die chirurgische Resektion mit dem CO2-Laser und die primäre Radiotherapie. Obwohl keine prospektiven Studien vorliegen, so haben doch verschiedene retrospektive Studien [1] gezeigt, dass die Resultate beider Therapieoptionen zumindest bei den T1-Karzinomen bezüglich lokaler Tumorkontrolle und Langzeitresultaten vergleichbar sind. Bei den T2-Karzinomen ist nach eigenen Daten die Laserresektion der Radiotherapie bezüglich lokaler Tumorkontrolle überlegen [2]. An den meisten Kliniken wird der Entscheid für die eine oder andere Therapie unter Berücksichtigung verschiedener Faktoren im Gespräch mit dem Patienten gefasst, wobei die bessere Stimmqualität immer wieder als Argument für die Bestrahlung angeführt wird. Ziel unserer Studie war es, sowohl objektiv als auch subjektiv die Stimmqualität nach Abschluss der beiden Therapien zu vergleichen.

Methode

Aus der Gruppe aller Patienten, bei denen zwischen 1990 und 2002 an unserer Klinik ein T1 oder T2 Glottiskarzinom diagnostiziert wurde, wurden jene Patienten in die Studie eingeschlossen, die unter einer Monotherapie innerhalb des Beobachtungszeitraumes rezidivfrei blieben und keine zusätzlichen Therapiekomplikationen aufwiesen. Bei diesem Kollektiv führten wir einerseits eine objektive Stimmanalyse durch, andererseits eine subjektive Einschätzung durch den Patienten mittels Voice Handicap Index (VHI). Der VHI wurde 1997 von Jacobson [3] entwickelt und 2003 von Nawka [4] für den deutschsprachigen Raum validiert. Die objektive Stimmanalyse führten wir einerseits mittels Stimmfeld und maximaler Tonhaltedauer, auf der anderen Seite mittels Göttinger Heiserkeitsdiagramm durch [5].

Resultate

Zwischen 1990 und 2002 wurden an unserer Klinik 242 Glottiskarzinome T1/T2 diagnostiziert. 124 Patienten wurden primär radiotherapiert, bei 118 Patienten wurde eine Laserresektion durchgeführt. Bei 37 (w4/m33, Alter 66J/46-86) bzw. 32 (w1/m31, Alter 63J/43-76) Patienten konnte der VHI erhoben werden, davon bei 19 bzw. 18 Patienten eine objektive Stimmanalyse. Bei der subjektiven Stimmbeurteilung durch die Patienten scheinen die radiotherapierten Patienten tendenziell mit ihrer Stimme zufriedener zu sein. Die Unterschiede waren aber statistisch nicht signifikant (Abbildung 1 [Abb. 1]). In der Stimmfeldmessung zeigten sich zwischen den Therapien bezüglich Dynamik, Umfang und Tonhaltedauer keine signifikanten Unterschiede. Im Göttinger Heiserkeitsdiagramm unterschieden sich die Durchschnittswerte beiden Gruppen nur bezüglich Behauchtheit signifikant zugunsten der radiotherapierten Patienten bei grosser Streubreite innerhalb der Therapiegruppen (Abbildung 2 [Abb. 2]).

Diskussion

Eine Reihe von Studien bezüglich Stimmqualität nach Behandlung eines Glottiskarzinomes wurden durchgeführt [6], [7], [8], aber prospektive Daten liegen noch keine vor. Tendenziell scheint die Radiotherapie bezüglich Stimmqualität besser abzuschneiden, doch sind die einzelnen Studien aufgrund mehrerer Faktoren nicht miteinander vergleichbar. Die Probleme bestehen nebst einem Selektionsbias darin, dass bei den radiotherapierten Patienten das histopathologische Staging fehlt, die Resultate von Karzinomen verschiedener Invasionstiefe und Lokalisation verglichen werden, Rezidive und Doppeltherapien eingeschlossen werden und die Therapien, aber auch die Untersuchungsmethoden nicht standardisiert sind. Weder in unserer Studie noch in der Literatur ist somit die Datenlage bezüglich Stimmqualität eindeutig. Entscheidender als die Unterschiede zwischen den beiden Therapieoptionen sind die individuellen Unterschiede. Eine prä- und posttherapeutische Stimmanalyse ist deshalb wünschenswert und die Prognose bezüglich individueller posttherapeutischer Stimmqualität sollte nur mit gebührender Vorsicht gemacht werden.


Literatur

1.
Mendenhall WM et al. Management of T1-T2 glottic carcinomas. Cancer 2004; 100:1786-92
2.
Stoeckli JS, Schnieper I, Huguenin P, Schmid S. Early glottic Carcinoma: Treatment according patient's preference? Head neck 2003; 25: 1051-6
3.
Jacobson BH, Johnson A et al. The voice handicap index (VHI): development and validation. Am J Speech Lang 1997; 6:66-70
4.
Nawka T, Wiesmann V, Gonnermann U. German version of the voice handicap index. HNO 2003; 51:921-30
5.
Michaelis Dirk. Das Göttinger Heiserkeitsdiagramm. Entwicklung und Prüfung eines Verfahrens zur objektiven Stimmgütebeurteilung pathologischer Stimmen. 2000
6.
Delsupehe KG, Zink I, Lejaegere M, Bastian RW. Voice quality after narrow-margin laser cordectomy compared with laryngeal irradiation. Otolaryngol Head Neck Surg 1999; 121:528-33
7.
Wedman J, Heimdal JH, Elstad I, Olofsson J. Voice results in patients with T1a glottic cancer treated by radiotherapy or endoscopic measures. Eur Arch Otorhinolaryngol 2002; 259:547-50
8.
Krengli M, Policarpo M, Manfredda I, et al. Voice quality after treatment for T1a glottic carcinoma. Acta Oncol 2004; 43:284-89