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21. Wissenschaftliche Jahrestagung der DGPP

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie

10. bis 12.09.2004, Freiburg/Breisgau

Schulischer Werdegang von CI-Kindern

Poster

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  • author presenting/speaker Kathrin Langner - HNO-Klinik, St. Elisabeth-Hospital, Bochum, Deutschland
  • Agnes Hildmann - HNO-Klinik, St. Elisabeth-Hospital, Bochum, Deutschland
  • Henning Hildmann - HNO-Klinik, St. Elisabeth-Hospital, Bochum, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. 21. Wissenschaftliche Jahrestagung der DGPP. Freiburg/Breisgau, 10.-12.09.2004. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2004. Doc04dgppP10

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgpp2004/04dgpp29.shtml

Veröffentlicht: 9. September 2004

© 2004 Langner et al.
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Gliederung

Zusammenfassung

Die Cochlea-Implantation hat sich in den letzten Jahren als Methode der Wahl in der Behandlung ertaubter Patienten etabliert. Hierdurch hat sich insbesondere für einige Kinder mit angeborener oder im frühen Kindesalter erworbener hochgradiger Schwerhörigkeit zunehmend die Möglichkeit ergeben, eine Regelschuleinrichtung zu besuchen. In der vorliegenden Studie sollte der schulische Werdegang aller im CI-Zentrum Bochum implantierten Kinder untersucht werden.

47 in der Zeit zwischen 1994 - 2004 in Bochum mit einem Cochlea Implant des Models MED-EL Combi 40/ 40+ versorgte Kinder im Alter zwischen 6 - 17 Jahren wurden in die Untersuchungen eingeschlossen. 33 Kinder waren unilateral, 14 Kinder bilateral implantiert. Die Implantation erfolgte im Durchschnitt im Alter von 5,1J. (Spannweite: 1,6-11,8 J.). Die Eltern der Kinder wurden mittels eines 15 Punkte umfassenden Fragebogens zu Teilaspekten der schulischen Laufbahn ihrer Kinder befragt.

5 von 14 bilateral versorgten und 4 von 33 unilateral versorgten Kindern besuchten zum Zeitpunkt der Befragung die Regelschule. Der Anteil der Kinder, der in einer Schwerhörigenschule unterrichtet wurde, lag mit 63% in der Gruppe der unilateral versorgten Kinder unwesentlich höher als in der Gruppe der bilateral versorgten Kinder mit 57%. 15% der im Alter zwischen 1,6-6,7 J. erstimplantierten Kinder besuchten eine Regelschule, wohingegen in der Gruppe der im Alter von 6,7-11,8 J. erstversorgten Kinder 21% in einer Regelschule unterrichtet wurden.


Text

Einleitung

Die Cochlea-Implantation hat sich in den letzten Jahren als Methode der Wahl in der Behandlung ertaubter Patienten etabliert. Hierdurch hat sich insbesondere für einige Kinder mit angeborener oder im frühen Kindesalter erworbener hochgradiger Schwerhörigkeit zunehmend die Möglichkeit ergeben, eine Regelschuleinrichtung besuchen zu können. In der vorliegenden Studie sollte der schulische Werdegang aller im CI-Zentrum Ruhrgebiet - Bochum implantierten Kinder dahingehend untersucht werden, welche Faktoren den Besuch einer Regelschule begünstigen können.

Methode

47 in der Zeit zwischen 1994 und 2004 in Bochum mit einem Cochlea Implant des Models MED-EL Combi 40/ 40+ versorgte Kinder im Alter zwischen 6 und 17 Jahren wurden in die Untersuchungen eingeschlossen. 33 Kinder waren unilateral, 14 Kinder bilateral implantiert. Die Implantation erfolgte im Durchschnitt im Alter von 5,1 Jahren (Spannweite: 1,6-11,8 Jahre). Die Eltern der Kinder wurden mittels eines 15 Punkte umfassenden Fragebogens zu Teilaspekten der schulischen Laufbahn ihrer Kinder befragt.

Ergebnisse

5 von 14 bilateral versorgten und 4 von 33 unilateral versorgten Kindern besuchten zum Zeitpunkt der Befragung die Regelschule. Der Anteil der Kinder, der in einer Schwerhörigenschule unterrichtet wurde, lag mit 63% in der Gruppe der unilateral versorgten Kinder unwesentlich höher als in der Gruppe der bilateral versorgten Kinder mit 57%. 15% der im Alter zwischen 1,6 und 6,7Jahren erstimplantierten Kinder besuchten eine Regelschule, wohingegen in der Gruppe der im Alter von 6,7 bis 11,8 Jahren erstversorgten Kinder 21% in einer Regelschule unterrichtet wurden. Umschulungen fanden 3 mal statt: 2 Kinder haben von der Schwerhörigenschule in die Regelschule gewechselt. 1 Kind wurde in einen integrativen Schulzweig aufgenommen.

Bei den bilateral versorgten Kindern lag das Zeitintervall zwischen Implantation der ersten und der zweiten Seite im Mittel bei 40,9 Monaten mit einem Minimun von 12 Monaten und einem Maximum von 65 Monaten. 8 von 14 Befragten gaben an, dass ihr Kind bei der Wahrnehmung von Geräuschen rechts und links unterscheiden könne. Bei 10 von 14 Kindern waren die Eltern der Meinung, dass ihr Kind in geräuschvoller Umgebung besser verstehen könne und nach dem Schulbesuch weniger erschöpft sei, als vor der Cochlea-Implantation. 8 der 14 befragten Familien hatten subjektiv den Eindruck, dass sich die Aussprache ihres Kindes verbessert habe.

100% der Eltern gaben an, dass sie sich wieder für eine Cochlea-Implantation bei ihrem Kind entscheiden würden. [Abb. 1] [Abb. 2]

Diskussion

Unsere Ergebnisse legen nahe, dass bei ansonsten normaler körperlicher und geistiger Entwicklung eines Kindes sowohl das Alter bei Erstversorgung mit einem Cochlea-Implantat als auch eine bilaterale CI-Versorgung wesentliche Faktoren für die Möglichkeit eines Regelschulbesuchs von CI-Kindern darstellen. Ein möglichst kurzes Zeitintervall bei bilateraler Implantation zwischen Versorgung der ersten und zweiten Seite stellt unseren Erfahrungen zufolge keinen entscheidenden Vorteil dar.