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21. Wissenschaftliche Jahrestagung der DGPP

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie

10. bis 12.09.2004, Freiburg/Breisgau

Die Implementierung der Phoniatrie und Pädaudiologie bei der Bundeswehr

Vortrag

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  • author presenting/speaker Yvonne Stelzig - Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz, Abteilung V, HNO, Koblenz, Deutschland
  • Roland Jacob - Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz, Abteilung V, HNO, Koblenz, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. 21. Wissenschaftliche Jahrestagung der DGPP. Freiburg/Breisgau, 10.-12.09.2004. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2004. Doc04dgppV06

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgpp2004/04dgpp15.shtml

Veröffentlicht: 9. September 2004

© 2004 Stelzig et al.
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Gliederung

Zusammenfassung

Seit Anfang dieses Jahres ist das Fachgebiet der Phoniatrie und Pädaudiologie erstmals bei der Bundeswehr vertreten. Die spezifische organisatorische Struktur der Bundeswehr bedingt hierbei eine flexible Neuorientierung der fachspezifischen Aufgabenbereiche. So ist im Gegensatz zu zivilen Sprechberufen der Wissensstand über die besonderen stimmlichen und kommunikativen Anforderungen von Bundeswehrangehörigen als gering anzusehen.

Zu nennen sind die stimmlichen und artikulatorischen Erfordernisse bei Verwendung der Nachrichtentechnik, Einflüsse unterschiedlicher Umweltbedingungen wie schnelle Klima- und Luftdruckveränderungen sowie die Einwirkung von Beschleunigungskräften auf den Stimm- und Sprechapparat, spezifische Erfordernisse der Rufstimme und Ansätze zur Stimmhygiene. Vorhandene Hör- und Kommunikationsstörungen werden im Rahmen der Einberufung bzw. Einstellung zum Zeit- oder Berufssoldat fachärztlich untersucht, wobei die Kommunikationsstörungen häufig von fachfremden Abteilungen beurteilt und mit Fehlerziffern belegt werden.

In diesem Vortrag soll die Organisation der medizinischen Versorgung bei der Bundeswehr dargestellt werden sowie die Möglichkeit einer sinnvollen Evaluation der spezifischen Kommunikationsstörungen. Weiterhin wäre innerhalb der Fachgesellschaft zu diskutieren, inwieweit die bisherige Vergabe von Fehlerziffern bei Kommunikationsstörungen von Bundeswehranwärtern sinnvoll korrigiert werden kann.


Text

Seit Anfang dieses Jahres ist das Fachgebiet der Phoniatrie und Pädaudiologie erstmals bei der Bundeswehr vertreten. Die spezifische organisatorische Struktur der Bundeswehr bedingt hierbei eine flexible Neuorientierung der fachspezifischen Aufgabenbereiche. So ist im Gegensatz zu zivilen Sprechberufen der Wissensstand über die besonderen stimmlichen und kommunikativen Anforderungen von Bundeswehrangehörigen als gering anzusehen.

Zu nennen sind die stimmlichen und artikulatorischen Erfordernisse bei Verwendung der Nachrichtentechnik, Einflüsse unterschiedlicher Umweltbedingungen wie schnelle Klima- und Luftdruckveränderungen sowie die Einwirkung von Beschleunigungskräften auf den Stimm- und Sprechapparat, spezifische Erfordernisse der Rufstimme und Ansätze zur Stimmhygiene. Vorhandene Hör- und Kommunikationsstörungen werden im Rahmen der Einberufung bzw. Einstellung zum Zeit- oder Berufssoldat fachärztlich untersucht, wobei die Kommunikationsstörungen häufig von fachfremden Abteilungen beurteilt und mit Fehlerziffern belegt werden.

Die Eingangsuntersuchung von potentiellen Neuzugängen bei der Bundeswehr wird durch die Kreiswehrersatzämter durchgeführt. Bei etwaigen gesundheitlichen Auffälligkeiten erfolgt eine fachärztliche Untersuchung. Als Grundlage zur Bewertung vorhandener Gesundheitsstörungen dient hierbei die Zentrale Dienstvorschrift 46/1 (ZDv 46/1). Die Ausprägung der Störung wird mittels der Vergabe von Gesundheitsnummern und deren Gradation (I bis VI) ermittelt. In dem Kapitel „Kehlkopf und Luftröhre" werden die Dysphonien behandelt, eine Aphonie oder Mutationsfistelstimme erhält die Gradation VI. Mittels psychiatrisch/neurologischer Untersuchung wird ein vorhandenes Lispeln, Stammeln und Stottern einer Gradation unterworfen, eine vorhandene Legasthenie gilt als eine Form von Intelligenzminderung. Mögliche Korrekturen der Gesundheitsnummern sowie die Überführung bestimmter Kommunikationsstörungen in phoniatrische-, zumindest in hals-nasen-ohrenärztliche Hände, wäre dringend anzustreben.

Weiterhin bedeutend ist die Ermittlung des spezifischen Sprechberufe innerhalb der Bundeswehr. Eine Katalogisierung von notwendigen kommunikativen Fähigkeiten spezifischer Aufgaben ist nicht vorhanden. Unsere ersten Untersuchungen zielen daher darauf ab, den Grad der Stimm- und Sprechbelastungen in den verschiedenen Tätigkeiten zu untersuchen. Hierfür wurde ein Fragebogen in Zusammenarbeit mit dem zentralen Institut des Sanitätsdienstes in Koblenz erstellt, der den Grad der stimmlichen Belastung, sowie mögliche vorhandene Stimmstörungen ermitteln soll. In einer Voruntersuchung wird dieser Fragebogen Soldaten vorgelegt, die vom Truppenarzt in das Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz überwiesen wurden. Geplant ist weiterhin die Evaluation mittels Fragebogen und akustischer Untersuchungen bei Angehörigen der Luftwaffe.