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20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI)

Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI)

19.04. - 21.04.2012, Mannheim

Hämaturie und Tumor in der Harnblase

Meeting Abstract

  • presenting/speaker Nadine Meinck - Universitätsklinikum des Saarlands, Pädiatrie, Homburg
  • Clemens-Magnus Meier - Universitätsklinikum des Saarlandes, Kinderchirurgie, Homburg
  • Andrea Böing - Universitätsklinikum des Saarlandes, Pädiatrie, Homburg
  • Thomas Krenn - Universitätsklinikum des Saarlandes, Kinderklinik, Klinik für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie, Homburg Saar
  • Arne Simon - Universitätsklinikum des Saarlandes, Kinderklinik, Klinik für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie, Homburg Saar
  • Bernd Kopper - Universitätsklinikum des Saarlandes, Urologie, Homburg
  • Norbert Graf - Universitätsklinikum des Saarlandes, Kinderklinik, Klinik für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie, Homburg Saar

Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie. 20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI). Mannheim, 19.-21.04.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgpi48

DOI: 10.3205/12dgpi48, URN: urn:nbn:de:0183-12dgpi483

Veröffentlicht: 22. März 2012

© 2012 Meinck et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund und Fragestellung: Die akute Appendizitis ist im Kindesalter die häufigste entzündliche Erkrankung des Gastrointestinaltraktes, die eine chirurgische Intervention erfordert. Bei nicht- oder nicht rechtzeitig erkannter Appendizitis stellen auch heute noch Perforation, diffuse Peritonitis oder periappendikale Abszesse wesentliche Komplikationen dar.

Fallbericht: Ein fast drei jähriges Mädchen wird in der kinderurologischen Ambulanz mit seit 12 Tagen persistierender Hämaturie vorgestellt. Im Spontanurin zeigten sich 500 Leukozyten/µl, eine Proteinurie und eine Mikrohämaturie. Bis auf einen Druckschmerz über der Symphyse finden sich keine Auffälligkeiten im Untersuchungsbefund. Vor ca. zwei Monaten hatte sich das Kind in einem anderen Krankenhaus mit heftigen Unterbauchschmerzen und Erbrechen vorgestellt. Dort wurde mittels Labordiagnostik und Ultraschall eine Appendizitis ‚ausgeschlossen’. Die Eltern berichten, dass sich das Kind hiervon nie vollständig erholt habe, es sei oft müde und abgeschlagen. Fieber wurde nicht beobachtet.

In der Sonographie zeigt sich eine in die Harnblase hineinragende Raumforderung. Laborchemisch ergeben sich keine Hinweise auf eine Infektion. In der MRT besteht der Verdacht auf einen entzündlichen Prozess, ein Harnblasentumor (Rhabdomyosarkom) kann jedoch nicht sicher ausgeschlossen werden. Die anschließend durchgeführte transurethrale Zystoskopie mit Biopsie der Raumforderung ergibt entzündlich verändertes Gewebe, ohne Anhalt für Malignität. Ca. zweieinhalb Monate nach Auftreten der Erstsymptome wird die Patientin schließlich laparoskopisch appendektomiert, die Addhäsionen werden gelöst und die Bauchhöhle wird gespült. Perioperativ wird das Kind mit Piperacillin-Tazobactam behandelt. Der anschließende postoperative Verlauf gestaltet sich komplikationslos.

Diskussion: Die Perforation als Komplikation einer Appendizitis stellt im Kindesalter mit 35–47% die häufigste Komplikation dar. Die daraus resultierende Peritonitis oder periappendikale Abszesse können subakut verlaufen, die Harnblasenwand infiltrieren und im Verlauf zu Fehldiagnosen führen. Aufwendige Zusatzuntersuchung wie die MRT, die zystoskopische Biopsie der Raumforderung und die Angst der Eltern vor einer onkologischen Erkrankung hätten bei früherer laparoskopischer Intervention vermieden werden können.